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Die folgenden Schlagzeilen klingen dramatisch – sie erwecken fast den Eindruck, als würden bald wieder leere Regale in unseren Supermärkten drohen. Und tatsächlich machen sich einige Sorgen über einen möglichen Inflationsschub, ähnlich wie 2020, wenn Lieferketten erneut ins Wanken geraten sollten.
Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Stimmt der behauptete Einbruch bei den ankommenden Containerschiffen aus China wirklich – oder steckt hinter den Schlagzeilen einfach nur viel Lärm um nichts?
Hier ein paar Beispiele aus der Presse:
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Frachtschiff-Verkehr aus China zu den geschäftigsten US-Häfen erlebt steilen Rückgang – CNBC
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Chefökonom warnt vor Zusammenbruch nach freiem Fall des Containerverkehrs in die USA – Shipping Watch
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Der Verkehr im Hafen von Los Angeles wird drastisch zurückgehen – LA Times
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Einbrechende Hafenvolumina in Los Angeles bringen Kummer für Trucker – FreightWaves
Auf den ersten Blick wirkt der Rückgang beim Schiffsverkehr aus China tatsächlich alarmierend – wie in der Grafik unten zu sehen ist. Aber bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der aktuelle Rückgang gleicht im Wesentlichen nur den sprunghaften Anstieg im Monat davor aus.
Wie schon zuvor erwähnt, haben viele Unternehmen zuletzt ihre Lager aufgestockt – unter anderem, um den Zöllen zuvorzukommen. Die Folge: Die Lagerbestände sind aktuell höher als üblich, weshalb die Importeure im April weniger nachbestellt haben. Genau das erklärt den Rückgang bei den ankommenden Containerschiffen.

Das Diagramm auf der rechten Seite zeigt die beiden größten Häfen Kaliforniens, über die üblicherweise Waren aus China in die USA gelangen. Der Rückgang, den wir dort gerade sehen, ist allerdings nichts Außergewöhnliches – ähnliche Entwicklungen gab es in vielen anderen Häfen in den letzten 30 Jahren immer wieder.
Und selbst wenn der Warenstrom aus China dauerhaft abnehmen sollte, muss man das Ganze differenziert betrachten. China nutzt zunehmend Häfen in anderen Ländern – zum Beispiel in Vietnam –, um Kontrollen zu umgehen. Deshalb ist es viel aussagekräftiger, den gesamten eingehenden Schiffsverkehr zu betrachten, statt sich nur auf Container aus chinesischen Häfen zu fokussieren.
Selbst wenn das Angebot an Gütern zeitweise knapper wird, ist nicht davon auszugehen, dass der Inflationsdruck so stark wird wie in den Jahren 2021/22. Damals war der Preisanstieg nicht nur eine Folge knapper Waren – ein großer Teil der Inflation ging auch auf die massiven staatlichen Stimulus-Zahlungen zurück, die die Nachfrage zusätzlich angeheizt haben. Heute sieht die Lage anders aus: Die Nachfrage ist deutlich schwächer, und damit fehlt eine zentrale Zutat für starken Inflationsdruck.
Market Trading Update
Gestern hatten wir festgestellt, dass der Markt seine Verluste nach der Ankündigung der Zölle wieder aufgeholt hat. Trotzdem hatten wir empfohlen, kurzfristig vorsichtig zu bleiben – der technische Schaden durch den jüngsten Rückgang war schließlich noch nicht behoben. Nach dem sechstägigen Anstieg der Kurse – eine ziemlich lange Strecke ohne Verschnaufpause – war eine Gegenbewegung zu erwarten, vor allem, weil sich die Märkte dem 50-Tage-Durchschnitt (50-DMA) näherten. Wie wir kürzlich schon angesprochen haben, gibt es viele Anleger, die in höheren Kursen eingestiegen sind und jetzt auf eine Gelegenheit warten, wieder auszusteigen. Genau diese Verkäufer waren gestern aktiv.
Ein Thema, das wir aktuell besonders im Blick haben, sind die Ölpreise, die weiter unter Druck stehen. Sie sind mittlerweile wieder auf dem Niveau von vor der Pandemie angekommen – und es besteht das Risiko, dass sie noch weiter in Richtung der niedrigen 50-Dollar-Marke fallen.
Das Problem: Die Regierung setzt auf eine „drill-baby-drill“-Strategie, also mehr Bohrungen und mehr Angebot – gerade in einer Phase, in der die wirtschaftliche Nachfrage eher schwächelt. Das dürfte die Preise weiter belasten. Gleichzeitig wird es für viele Ölproduzenten unattraktiv, bei so niedrigen Preisen überhaupt zu bohren – schlicht, weil es sich wirtschaftlich nicht mehr lohnt.

Der Rückgang der Ölpreise – ein wichtiger Indikator für die wirtschaftliche Aktivität – bestätigt dabei das, was sich auch schon im jüngsten BIP-Bericht abgezeichnet hat: Eine klare Abschwächung der wirtschaftlichen Dynamik.

Der Ölpreis unterstreicht auch den Rückgang der Inflation, der bereits im jüngsten PCE-Bericht deutlich wurde.

Wir behalten den Ölmarkt weiterhin genau im Auge – nicht nur wegen seiner Bedeutung für die Wirtschaft, sondern auch aus technischer Sicht. Aktuell sehen wir weiteres Abwärtspotenzial beim Ölpreis, möglicherweise bis in den mittleren 50er-Bereich. Auf diesem Niveau wäre der Markt technisch betrachtet stark überverkauft – was die Voraussetzungen für eine Gegenbewegung schaffen könnte, vermutlich im Sommer, wenn die Hurrikansaison beginnt.
Wie es tatsächlich weitergeht, hängt allerdings stark von zwei Faktoren ab: dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage sowie der Entwicklung des USD. Da Öl in US-Dollar gehandelt wird, würde eine Erholung des Dollar tendenziell für Unterstützung beim Ölpreis sorgen.
Unsere größere Sorge gilt aber der Nachfrageseite: Wenn sich die wirtschaftliche Aktivität nicht spürbar belebt, könnten die Ölpreise durchaus noch länger in der 50er-Spanne bleiben.

Wir werden die Entwicklung weiter beobachten und unser Portfolio entsprechend anpassen.
BIP, PCE-Preise und ADP
Das BIP für das erste Quartal ging um 0,3 % zurück – und lag damit deutlich unter den Erwartungen. Der Konsens an der Wall Street lag bei +0,3 %, während das Atlanta Fed GDPNow-Modell sogar einen Rückgang von -2,8 % prognostizierte. Auch wenn diese negative Zahl zunächst beunruhigend wirkt, lohnt sich ein Blick auf die Details: Wie unten mit Genehmigung von Zerohedge dargestellt, hat der Außenhandel allein 4,83 Prozentpunkte vom Wachstum abgezogen.
Wie schon in der Einleitung erwähnt, ist das eine Folge der vorgezogenen Käufe im Vorfeld neuer Zölle. Gleichzeitig stammt der starke positive Beitrag aus dem Lageraufbau – ebenfalls kein nachhaltiger Wachstumstreiber. Rechnet man beide Effekte heraus, hätte das BIP um 2,3 % zugelegt – ein Wert, der dem jüngsten Wirtschaftswachstum durchaus entspricht.
Der ADP-Arbeitsmarktbericht wies einen Stellenzuwachs von nur 62.000 aus – weit unter den Erwartungen der Wall Street von 135.000. Die zweite Grafik zeigt deutlich, dass sich der Trend bei den Neueinstellungen seit September kontinuierlich abgeschwächt hat. Zu beachten ist: Der ADP-Bericht erfasst ausschließlich Beschäftigte im privaten Sektor.
Auch bei den Preisen gab es Bewegung: Die monatlichen und Kern-PCE-Daten lagen bei 0,0 % – also 0,1 Prozentpunkte unter den Erwartungen. Allerdings wurden die Zahlen für den Vormonat um 0,1 % nach oben revidiert. Die Jahresrate fiel von 2,5 % auf 2,3 % und nähert sich damit dem 2 %-Ziel der Fed weiter an. Die US-Notenbank dürfte den aktuellen PCE-Daten dennoch keine allzu große Bedeutung beimessen – stattdessen wird der Fokus auf den kommenden Monaten liegen, wenn sich die Effekte der neuen Zölle stärker zeigen.

