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Der Finanzplaner Bill Bengen hat 1994 einen Industriestandard für die „sichere“ Entnahmerate aus Anlageportfolios im Ruhestand geprägt. Seine sogenannte 4%-Regel lieferte einen quantitativen Rahmen für ein Thema, das zuvor vor allem auf Ad-hoc-Analysen beruhte. In einem kürzlich erschienenen Buch hat der Vater der 4%-Regel seine Forschung nun aktualisiert und kommt zu dem Ergebnis, dass die sichere Entnahmerate höher liegt als ursprünglich angenommen.
Wie Morningstar feststellt, ist ein zentraler Treiber dieser Aufwärtskorrektur die Neubewertung der Asset Allocation. Durch eine stärkere Diversifizierung und die Anpassung weiterer Annahmen ist seine Schätzung der sicheren Entnahmerate von 4,15 % auf 4,7 % gestiegen – je nach Anlegertyp möglicherweise sogar darüber hinaus.
Das entscheidende Risiko liegt in der Natur der Sache: Jeder Anleger ist anders. Keine zwei finanziellen Ausgangslagen gleichen sich exakt. Umso wichtiger ist es, die Entnahmestrategie an individuelle Faktoren wie Alter, Risikobereitschaft, Markterwartungen und weitere Rahmenbedingungen anzupassen. Bengens Buch bietet hierfür einen wertvollen Orientierungspunkt – die Übertragung auf die persönliche Situation bleibt jedoch unverzichtbar.
Zumindest in einem Punkt herrscht Einigkeit: Die Analyse ist komplex und lässt sich nicht in einem einzigen Modell abbilden. Auch wenn niemand die Zukunft verlässlich vorhersagen kann, hilft es, die Auswirkungen zentraler Annahmen auf die Ergebnisse zu verstehen.
Vor diesem Hintergrund lohnt es sich, zu prüfen, wie sich Änderungen der Entnahmerate auf die Entwicklung eines Portfolios auswirken. Nehmen wir beispielhaft an, dass am 30. Januar 2004 ein Portfolio aus 60 % Aktien und 40 % Anleihen mit zwei börsengehandelten Fonds – dem SPDR S&P 500 (NYSE:SPY) und dem iShares Aggregate Bond Index (NYSE:AGG) – aufgebaut wurde. Die Anpassung des jährlichen Entnahmeanteils wirkt sich entsprechend auf das erwartete Ergebnis aus.

Die Geschichte ist zweifellos ein hilfreicher Wegweiser – wenn auch nur mit Einschränkungen, denn die Zukunft kann der Vergangenheit ähneln oder sich grundlegend von ihr unterscheiden. Um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen, wie sich der weitere Verlauf entwickeln könnte, bietet es sich an, unterschiedliche Szenarien mithilfe von Simulationen durchzuspielen. Dafür gibt es zahlreiche Ansätze. Der Übersicht halber beschränken wir uns hier auf einen grundlegenden Test. Das nachstehende Diagramm zeigt 10.000 Simulationen, die die tatsächlichen Renditen aus dem oben beschriebenen 4%-Entnahmeindex nachbilden.
Die zentrale Erkenntnis daraus: Die realen Ergebnisse der kommenden 30 Jahre können deutlich von denen der jüngeren Vergangenheit abweichen. Der Medianwert des Portfolios in dieser einfachen Analyse legt beispielsweise nahe, dass der Wert der Investitionen auf rund 45 % des ursprünglichen Startwerts zurückfällt.

Selbstverständlich gibt es zahlreiche Stellschrauben, mit denen sich die Ergebnisse beeinflussen lassen. Zu den naheliegenden Varianten zählen unter anderem:
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Dynamische Anpassung der Entnahmerate in Abhängigkeit von den Marktbedingungen
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Opportunistische Anpassung der Asset Allocation im Zeitverlauf
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Veränderung des Ausgabeverhaltens in Abhängigkeit von der Entwicklung der Märkte
Eine weitere zentrale Variable ist die Frage, welcher Anteil des Vermögens nach dem Tod des Anlegers im Portfolio verbleiben soll. Für manche ist es sinnvoll, das Kapital vollständig zu verbrauchen. Für andere hingegen hat es höchste Priorität, einen substanziellen Teil des Anfangsvermögens an die nächste Generation weiterzugeben.
Die Berücksichtigung individueller Präferenzen und Erwartungen eröffnet die Möglichkeit einer Vielzahl maßgeschneiderter Strategien. Was für den einen Anleger gut funktioniert, kann für den anderen ungeeignet sein. Umso wichtiger ist es, die Zahlen sorgfältig zu analysieren und Chancen wie Risiken nüchtern abzuwägen. Das Buch von Bengen sowie weitere Fachliteratur können dabei eine wertvolle Unterstützung sein.
Am Ende steht jedoch immer die Entwicklung eines persönlichen Plans – entweder durch eigene vertiefte Analyse oder in Zusammenarbeit mit einem Berater. Faustregeln bieten hierfür einen ersten Orientierungspunkt, reichen für die meisten Anleger jedoch nicht aus.
Eine Ausnahme bilden lediglich sehr vermögende Personen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ohnehin wohlhabend sterben – unabhängig von ihrer Strategie. Für alle anderen ist es entscheidend, unterschiedliche Szenarien und Annahmen sorgfältig durchzuspielen.
