Die COMEX-Silberkrise: Warum März 2026 der Moment der Wahrheit sein könnte

Veröffentlicht am 08.02.2026, 14:56

Es sind Zahlen, die aufhorchen lassen: Während an der COMEX im Jahr 2024 insgesamt 205,7 Millionen Unzen Silber physisch ausgeliefert wurden, explodierte diese Zahl 2025 auf 474,4 Millionen Unzen – eine Steigerung um 134 Prozent. Doch diese dramatische Entwicklung könnte nur der Vorgeschmack auf eine Krise sein, die den weltgrößten Silber-Terminmarkt in seinen Grundfesten erschüttern wird.

Clive Thompson hat in seinem aktuellen Video eine akribische Analyse der offiziellen CME-Lieferdaten vorgelegt, die in ihrer Detailtiefe und logischen Stringenz beeindruckt. Seine Schlussfolgerung: Der März 2026 könnte der Moment sein, in dem das COMEX-System an seine physischen Grenzen stößt.

Der stille Exodus: Wenn ein Terminmarkt zur Lieferrampe wird

Die Commodity Exchange (COMEX) in New York ist der weltweit führende Handelsplatz für Silber-Futures. Traditionell nutzen Marktteilnehmer diese Kontrakte zur Preisabsicherung oder Spekulation – physische Auslieferungen waren historisch die Ausnahme, nicht die Regel. In einem funktionierenden Terminmarkt stehen typischerweise 5-10 Prozent der offenen Kontrakte zur Auslieferung an, in Stresssituationen vielleicht 15-20 Prozent.

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Thompson zeigt in seiner Analyse eindrucksvoll: Was wir seit 2025 beobachten, sprengt alle bisherigen Muster. Jeden einzelnen Monat des Jahres 2025 wurden deutlich höhere Mengen physisch ausgeliefert als im Vorjahr. Besonders auffällig: Der März 2025 mit 80,7 Millionen Unzen – fast eine Verdreifachung gegenüber den 27,4 Millionen Unzen im März 2024.

Januar 2026: Der Warnschuss

Doch die jüngsten Entwicklungen deuten darauf hin, dass sich die Situation dramatisch verschärft. Der Januar 2026, traditionell ein “Nebenmonat” am Silbermarkt, verzeichnete mit 49,4 Millionen Unzen Auslieferungen ein Volumen, das selbst starke Hauptmonate in der Vergangenheit übertraf. Zum Vergleich: Im Januar 2024 waren es nur 6,8 Millionen Unzen, 2025 bereits 11,9 Millionen Unzen.

Thompson interpretiert diese Entwicklung messerscharf: Marktteilnehmer, die normalerweise auf die Hauptliefermonate März, Mai, September und Dezember warten würden, greifen bereits im Januar zu. Sie wollen sich das Metall sichern, bevor es im März möglicherweise knapp wird. Ein klassisches “Front-Running” einer erwarteten Knappheit.

Februar 2026: Das “Smoking Gun”

Noch alarmierender sind die aktuellsten Zahlen aus dem Februar, die Thompson als sein “Smoking Gun” bezeichnet. Bereits nach nur vier Handelstagen wurden 18,72 Millionen Unzen zur Auslieferung aufgerufen – bei einem Open Interest von lediglich 19,11 Millionen Unzen zum 9. Januar. Das bedeutet: Nahezu 98 Prozent der offenen Kontrakte stehen zur physischen Lieferung an.

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Thompsons klare Worte: “98 Prozent Auslieferungsquote – das ist kein Terminmarkt mehr. Das ist ein physischer Allokationsmechanismus.” Das Papiersilber wird in beispiellosem Tempo in Metallsilber konvertiert, und der Markt zeigt damit an, dass das Vertrauen in die Cash-Settlement-Alternative schwindet.

Die mathematische Zeitbombe: März 2026

Kommen wir zum Kern von Thompsons Analyse: dem bevorstehenden März-Kontrakt. Am 27. Februar – in exakt drei Wochen – beginnt die erste Auslieferungsperiode für den März-Kontrakt 2026. Zum Stichtag 4. Februar belief sich das Open Interest auf 429 Millionen Unzen.

Thompson rechnet drei Szenarien durch, die alle auf ein fundamentales Problem hinweisen:

Konservatives Szenario (25% Auslieferungsquote): 429 Millionen Unzen × 25% = 107 Millionen Unzen Lieferbedarf

Moderates Stressszenario (50% Auslieferungsquote): 429 Millionen Unzen × 50% = 214 Millionen Unzen Lieferbedarf

Hochstressszenario (70% Auslieferungsquote): 429 Millionen Unzen × 70% = 300 Millionen Unzen Lieferbedarf

Wie Thompson betont: Angesichts der 98-prozentigen Auslieferungsquote im Februar erscheint selbst das 70-Prozent-Szenario nicht übertrieben optimistisch. Und seine Einschätzung, dass er mit der 25-Prozent-Annahme “sehr konservativ” sei, wirkt nach Betrachtung der Februar-Daten mehr als gerechtfertigt.

Der schwindende Vorrat: Die COMEX-Lagerbestände unter Druck

Hier kommt der entscheidende Punkt von Thompsons Analyse: Während die Nachfrage explodiert, schrumpfen die verfügbaren Bestände dramatisch.

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Die “Registered”-Silberbestände – also jenes Silber, das tatsächlich zur Erfüllung von Futures-Kontrakten herangezogen werden kann – sind in den vergangenen drei Monaten von 167 Millionen Unzen (Oktober 2025) auf nur noch 103 Millionen Unzen (4. Februar 2026) gefallen. Ein Rückgang von 38 Prozent oder 64,2 Millionen Unzen in nur drei Monaten.

Besonders besorgniserregend, wie Thompson herausarbeitet: Die Abflussgeschwindigkeit beschleunigt sich. In den letzten 26 Tagen verließen durchschnittlich 785.000 Unzen pro Tag die Registered-Kategorie. Thompson extrapoliert: Setzt sich dieser Trend bis zum 27. Februar fort – dem ersten Tag der März-Auslieferungen – würden weitere 18,1 Millionen Unzen abfließen, sodass nur noch rund 85 Millionen Unzen verfügbar wären.

Seine nüchterne Rechnung im konservativen 25-Prozent-Szenario: 107 Millionen Unzen Bedarf gegen 85 Millionen Unzen Bestand = Fehlbetrag von 22 Millionen Unzen. Im Hochstressszenario: 300 Millionen Unzen Bedarf gegen 85 Millionen Unzen Bestand = Fehlbetrag von 215 Millionen Unzen.

“Die Mathematik funktioniert einfach nicht”, so Thompsons klare Aussage.

Das Eligible-Silber: Keine Rettung in Sicht

Thompson antizipiert in seinem Video den Einwand vieler Zuschauer: Was ist mit den 294,5 Millionen Unzen “Eligible”-Silber, das ebenfalls in COMEX-zugelassenen Lagern liegt? Könnte dieses nicht einfach in den Registered-Status konvertiert werden?

Seine Antwort ist ebenso logisch wie ernüchternd: Eligible-Silber gehört privaten Eigentümern – ETFs, Family Offices, Hedgefonds, vielleicht sogar ausländischen Regierungen – die es lediglich dort einlagern. Um es für Futures-Auslieferungen verfügbar zu machen, müssten diese Besitzer aktiv entscheiden, ihren Status zu ändern.

Thompsons zentrale Frage: “Warum sollten sie das tun? Wenn sie glauben, dass eine Lieferkrise bevorsteht und der Silberpreis explodieren wird, wäre es ökonomisch irrational, ihr Metall jetzt zu aktuellen Preisen freizugeben.”

Tatsächlich zeigen die Daten: Auch die Eligible-Bestände schrumpfen – von 329 Millionen Unzen im Oktober 2024 auf aktuell 294 Millionen Unzen. Die Besitzer horten ihr Silber, statt es dem Markt zur Verfügung zu stellen.

Die Szenarien: Vom kontrollierten Roll-Over zum Systembruch

Thompson skizziert zwei grundlegend verschiedene Entwicklungspfade:

Optimistisches Szenario: Die Mehrzahl der März-Kontrakte (70-80%) wird in den Mai-Kontrakt gerollt. März liefert 80-100 Millionen Unzen aus – angespannt, aber gerade noch machbar. Doch Thompson warnt: Dies verschiebt die Krise nur. Der Mai-Kontrakt weist bereits jetzt ein Open Interest von 132 Millionen Unzen auf (gestiegen von 105 Millionen), während dann vielleicht nur noch 20-30 Millionen Unzen Registered-Silber verfügbar wären. Seine Rechnung: Selbst bei nur 20 Prozent Auslieferungsquote im Mai würden 26,5 Millionen Unzen benötigt – mehr als verfügbar sein dürfte.

Pessimistisches Szenario: Die Liefernachfrage im März überschreitet die verfügbaren Bestände deutlich. Die COMEX muss entweder zu Cash-Settlements greifen – was das Vertrauen in den Papiersilberpreis erschüttern würde – oder kann ihren Verpflichtungen schlicht nicht nachkommen. Thompson betont: “Ein solcher Default auf physische Auslieferungen ist auf der COMEX noch nie passiert. Wenn es passiert, würde es das Vertrauen in das Papier-Silber-Pricing zerstören.”

Hinzu kommt, wie Thompson ausführt: Selbst wenn März “irgendwie” bewältigt wird, stehen dahinter weitere massive Verpflichtungen. Juli (88 Millionen Unzen Open Interest), September (21 Millionen), Dezember (33 Millionen). Der systematische Drain ist nicht zu stoppen – es sei denn, der Silberpreis steigt so dramatisch, dass die physische Nachfrage nachlässt oder massiv neues Angebot auf den Markt kommt.

Was bedeutet das für Anleger?

Thompsons Analyse ist bemerkenswert, weil sie nicht auf Spekulation, sondern auf harten, offiziellen CME-Daten basiert. Seine Interpretation dieser Daten ist logisch stringent und seine Projektionen sind – wenn überhaupt – eher konservativ als alarmistisch.

Die Datenlage ist eindeutig: Der COMEX-Silbermarkt befindet sich in einem strukturellen Auslieferungsstress, der seit 2025 kontinuierlich eskaliert. Die nächsten Wochen bis Ende Februar werden zeigen, ob das System diesem Stress standhält oder ob wir vor einem historischen Marktbruch stehen.

Für Silberinvestoren ergeben sich daraus mehrere Implikationen:

  1. Physisches Silber dürfte weiter an Prämie gewinnen gegenüber Papierkonstrukten, da das Vertrauen in Settlement-Mechanismen schwindet.

  2. Volatilität wird zunehmen, insbesondere rund um die Liefertermine Ende Februar/Anfang März.

  3. Die Preisentdeckung könnte sich verschieben – weg von den Terminmärkten hin zu physischen Spotmärkten.

  4. Backwardation-Strukturen (höhere Spot- als Future-Preise) könnten zunehmen, ein klassisches Zeichen für physische Knappheit.

Eine Analyse, die zum Nachdenken zwingt

Clive Thompsons Video ist ein Musterbeispiel für datengetriebene Marktanalyse. Er verlässt sich nicht auf Vermutungen oder Verschwörungstheorien, sondern lässt die offiziellen Zahlen sprechen – und diese sprechen eine klare Sprache.

Seine abschließenden Worte: “Ich weiß nicht, welches Ergebnis wir sehen werden. Es gibt hier etwas Spekulation, aber es ist Spekulation basierend auf Trends und Fakten, die ich sehen kann.”

Die kommenden drei Wochen bis zum 27. Februar werden zeigen, ob die COMEX diese Krise meistert oder ob wir den Beginn einer fundamentalen Neubewertung des Silbermarktes erleben. Die Zahlen jedenfalls sprechen eine klare Sprache: Die Mathematik funktioniert nicht mehr.

Wer sich intensiver mit dieser Thematik beschäftigen möchte, dem sei Thompsons komplettes Video wärmstens empfohlen. Es ist selten, dass man eine derart präzise, faktenbasierte und dennoch verständliche Analyse komplexer Marktmechanismen findet.

Hinweis: Diese Darstellung basiert auf der Video-Analyse von Clive Thompson vom 6. Februar 2026 sowie öffentlich verfügbaren COMEX-Daten. Märkte können sich schnell ändern. Diese Darstellung ist keine Anlageberatung.

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=ZqJ7T8sQ_pM

 
 
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Disclaimer: Die in diesem Artikel enthaltenen Informationen dienen ausschließlich zu Informationszwecken und stellen keine Anlageberatung, keine rechtliche oder steuerliche Beratung und keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder anderen Finanzinstrumenten dar. Die Inhalte spiegeln die persönliche Meinung des Autors zum Zeitpunkt der Veröffentlichung wider. Trotz sorgfältiger Recherche kann keine Gewähr für die Richtigkeit, Vollständigkeit oder Aktualität übernommen werden. Investitionen in Finanzmärkte sind mit Risiken verbunden. Bitte konsultieren Sie vor finanziellen Entscheidungen einen professionellen Berater.

Basierend auf einer herausragenden Video-Analyse von Clive Thompson vom 6. Februar 2026

Aktuelle Kommentare

Die Steuerungsmittel Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis hat man uns schon vor 40 Jahre an der im 1. Semester BWL an der UNI gelehrt und dass ist heute auch nicht anders. Alles andere ist nur Gedöns.....
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Sein interessantes Video hatte ich schon gesehen. Schöne, daß es auch hier besprochen wird. Noch eine Anmerkung aus einem Video von jemand anders: Einige rollen bereits (back rolling) ihre Futures in den Februar zurück, um noch Silber geliefert zu bekommen, d.h. sie warten nicht auf März oder später. Meine Meinung: das könnten durchaus Betriebe sein, die das Silber für ihre Produktion brauchen oder Marktteilnehmer die eben jetzt noch zu günstigeren Preise zugreifen wollten.
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