Ein Suppenpreis-Index sagt mehr als jede Inflationsstatistik

Veröffentlicht am 18.12.2025, 07:01

Inflation ist für viele Amerikaner nach wie vor das drängendste Thema, während die Teuerung in der Schweiz zuletzt auf null zurückgefallen ist.

1. Der Tomatensuppen-Preisindex

Eine besonders anschauliche Methode, Geldentwertung greifbar zu machen, ist der Blick auf den Preis einer Dose Tomatensuppe von Campbell’s (NASDAQ:CPB). Anstelle komplexer Berechnungen oder statistischer Anpassungen steht hier eine einfache Zeitreihe im Fokus: Wie viel kostet über die Jahre hinweg genau dieselbe Dose Suppe?

Campbell’s Tomatensuppenpreis
Quelle: The Long View @ HayekAndKeynes

2. Inflation bleibt das Hauptthema für die Amerikaner – und für Donald Trump

Die folgende Grafik von Jim Bianco zeigt die allgemeine Zustimmungsrate von Trump (schwarz) sowie seine Bewertungen in einzelnen Politikfeldern. Die grüne Linie bildet seine Zustimmung beim Thema Inflation ab. Sie befindet sich auf dem niedrigsten Niveau seiner Präsidentschaft und liegt deutlich unter allen anderen Bereichen – selbst unter der Wirtschaft (braun). Umfragen zeigen zudem, dass Inflation für die Bevölkerung das drängendste Problem ist. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Zinssenkungen und ein aufgeblähter Aktienmarkt dieses Problem lösen sollen.

Trump-Zustimmungsraten
Quelle: Bianco Research

3. Unterdessen in der Schweiz: Inflation bei … null

Die Schweizer Inflation ist im November zum Stillstand gekommen. Nur wenige Tage vor dem letzten Zinsentscheid der SNB im Jahr 2025 sorgten die jüngsten Daten für eine Überraschung: Die Verbraucherpreise stagnierten im Jahresvergleich – faktisch bedeutet das null Inflation.

Für Investoren ist die Botschaft klar. Die Kerninflation ist auf den niedrigsten Stand seit mehr als vier Jahren gefallen, womit die SNB-Prognose von 0,4 Prozent für das laufende Quartal kaum noch erreichbar erscheint. Die Schlagzeilenzahl mag auf den ersten Blick alarmierend wirken, signalisiert jedoch nicht zwangsläufig eine unmittelbare Rückkehr zu negativen Zinsen in der kommenden Woche. Der entscheidende Fokus richtet sich vielmehr auf die Inflationsprognose für 2026. Sollte die SNB ihre derzeitige Erwartung von 0,55 Prozent senken, wäre dies das maßgebliche Signal für die Märkte.

Der Franken präsentiert sich derweil weiterhin bemerkenswert stark. Trotz schwacher Inflation und anhaltender Spekulationen über mögliche Negativzinsen bleibt der CHF robust. Zwar könnte eine schwächere Währung aus Sicht der SNB dazu beitragen, den Inflationsdruck zu erhöhen, mit einer ausgeprägten Abwertung des Frankens wird jedoch nicht gerechnet.

Unterm Strich rückt die niedrige Inflation für die Schweizer Safe-Haven-Währung erneut in den Fokus. Entscheidend bleibt die künftige geldpolitische Ausrichtung der SNB, nicht allein der aktuelle Zinsentscheid.

Schweizer Inflation
Quelle: Bloomberg

4. Deutschlands Wirtschaft bleibt unter Druck

In Deutschland gerät Kanzler Merz zunehmend unter Druck, nachdem Wirtschaftsvertreter vor einem wirtschaftlichen „freien Fall“ warnen. Peter Leibinger, Präsident des einflussreichen Industrieverbandes BDI, betonte, jeder Monat ohne substanzielle Strukturreformen koste Deutschland Arbeitsplätze und Wohlstand – und untergrabe schrittweise die zukünftige Handlungsfähigkeit der Regierung.

Deutsche Wirtschaft
Quelle: Bloomberg

5. Japans 30-jährige Rendite auf Rekordhoch – ein Warnsignal für die USA?

Die Rendite 30-jähriger japanischer Staatsanleihen ist auf 3,37 Prozent gestiegen und hat damit ein Rekordniveau erreicht. Dabei handelt es sich nicht um ein rein lokales Ereignis, sondern um eine Entwicklung, die auch in Washington unangenehme Fragen aufwirft. Sollten die USA ihre Defizite und Schulden nicht unter Kontrolle bringen, könnte dies ein Vorgeschmack auf das sein, was noch bevorsteht.

JGB-Rendite 30 Jahre
Quelle: Charlie Bilello

6. OpenAI – das verlustreichste Startup aller Zeiten

OpenAI dürfte auch künftig erhebliche Mengen an Kapital einwerben und langfristig Produkte entwickeln, die das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Aktuell jedoch hat kein Startup in der Geschichte Verluste in auch nur annähernd dieser Größenordnung verzeichnet.

Gewinne und Verluste von Startups
Quelle: Deutsche Bank

7. Die Kosten für KI-Nutzung brechen ein

J.P. Morgan hat eine klare Warnung ausgesprochen: Die Kosten für den Einsatz von KI-Modellen sind deutlich gesunken. Das ist zwar eine positive Entwicklung für die breite Einführung von KI in nahezu allen Branchen, stellt jedoch ein potenzielles Risiko für jene Unternehmen dar, die große Basismodelle entwickeln – darunter OpenAI, Anthropic und andere.

Die Gefahr ist klar umrissen: Kommoditisierung. Sinkende Kosten beschleunigen zwar die Adoption und fördern Innovationen auf Anwendungsebene, sie deuten jedoch zugleich auf einen zunehmenden Preiskampf hin. Mit der fortschreitenden Reife der Modellentwicklung geraten die Margen unter Druck, während die verbleibende Preissetzungsmacht der KI-Labore rasch abnimmt.

Nach Einschätzung von J.P. Morgan verlagert sich die Wertschöpfung entlang der technologischen Kette nach oben. Anbieter von Basismodellen ähneln zunehmend Internetdienstleistern: essenzielle Infrastruktur, jedoch nicht der Bereich, in dem Differenzierung oder überdurchschnittliche Erträge entstehen. Sie stellen die leistungsfähigen „Leitungen“ bereit, während der nachhaltige und margenstarke Wert verstärkt in den darauf aufbauenden Anwendungen entsteht.

Parallelen lassen sich zur Telekommunikationsbranche ziehen. Massive Investitionen in 3G, 4G und 5G haben die Welt verändert, doch Konnektivität wurde rasch zur Massenware. Neue Technologien waren nie dauerhaft exklusiv. Ein ähnliches Szenario droht nun den KI-Laboren: enorme, potenziell weltverändernde Investitionen – gefolgt von einer schnellen Kommoditisierung, noch bevor die Erträge realisiert werden können, die in den heutigen Bewertungen impliziert sind.

Kosten der KI-Nutzung

Quelle: JP Morgan

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