ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Seit dem Aufkommen von ChatGPT im Jahr 2022 hat sich künstliche Intelligenz (KI) in rasantem Tempo von einer Vision der Science-Fiction zur wirtschaftlichen Realität entwickelt. Für viele Anwender ist KI inzwischen ein fester Bestandteil des Alltags geworden.
Der Wandel vollzog sich dabei bemerkenswert schnell. Kaum ein Unternehmen, das nicht versucht, generative KI in sein Geschäftsmodell zu integrieren, während Regierungen parallel den Aufbau eigener staatlicher KI-Infrastrukturen vorantreiben.
An der Wall Street sind diese Entwicklungen längst eingepreist. Unternehmen, die als Treiber dieses technologischen Umbruchs gelten, wurden mit deutlichen Kursgewinnen belohnt. Laut JPMorgan entfielen seit 2022 rund 65 % bis 75 % der Gesamtrenditen des S&P 500 auf lediglich 42 Unternehmen, die im Bereich der generativen KI aktiv sind.
Diese Dynamik hat ein regelrechtes Wettrüsten um GPU-basierte Rechenzentrumskapazitäten ausgelöst. Die prognostizierten Dimensionen sind erheblich: Goldman Sachs geht davon aus, dass der Energiebedarf von Rechenzentren bis 2030 um 175 % steigen wird. Deloitte wiederum schätzt, dass der KI-bedingte Strombedarf in den USA von 4 Gigawatt im Jahr 2024 auf 123 Gigawatt im Jahr 2035 anwachsen könnte.
Zum Vergleich: Diese Größenordnung entspricht dem Stromverbrauch von rund 90 bis 100 Millionen Haushalten.

Big Tech kommt beim Bauen nicht schnell genug hinterher
Genau hier liegt jedoch die zentrale Herausforderung dieses Wachstums: Der Aufbau von Tier-III-Rechenzentren, die den hohen Leistungsanforderungen von KI-Anwendungen gerecht werden, ist ein langwieriger Prozess. Berücksichtigt man Faktoren wie Landerwerb, Flächennutzung, Genehmigungsverfahren, den Bau von Umspannwerken und weitere infrastrukturelle Anforderungen, wird deutlich, dass klassische Entwicklungszyklen mit der aktuellen Nachfragedynamik kaum Schritt halten können.
An diesem Punkt treten Bitcoin-Miner auf den Plan.
Ein Beispiel ist HIVE Digital Technologies, dessen Executive Chairman ich bin. Über Jahre hinweg hat das Unternehmen Tausende von ASICs – anwendungsspezifischen integrierten Schaltkreisen – in Kanada, Schweden und Island installiert. Dabei wurden jedoch nicht lediglich reine „Bitcoin-Fabriken“ errichtet. Parallel dazu entstanden flexible digitale Stromversorgungssysteme mit industrietauglicher Infrastruktur, redundanter Energieversorgung und Zugang zu kostengünstiger, erneuerbarer Energie.
Diese bestehenden Tier-I-Rohbauten lassen sich nun in einem Bruchteil der Zeit, die für konventionelle Neubauten erforderlich wäre, zu Tier-III-Rechenzentren aufrüsten, die für KI-Anwendungen geeignet sind. Wie ich kürzlich betonte, sind Tier-I-Rechenzentren keineswegs ausschließlich für das Bitcoin-Mining nutzbar. Sie stellen vielmehr die entscheidende Basisschicht für KI, Cloud-Anwendungen und digitale Souveränität dar und bilden das physische Fundament, auf dem Tier-III-KI-Hyperscaler aufsetzen können.
„Tier-I-Rechenzentren sind keine ausschließlich für Bitcoin nutzbaren Anlagen; sie sind flexible industrielle Energiehüllen, die die Grundlage für alles bereitstellen können – von Fertigungssteuerungssystemen und Logistikplattformen bis hin zur Energiehandelsinfrastruktur. Sie bilden das physische Hauptrückgrat für Tier-III-KI-Hyperscaler!“ - Frank Holmes (@bulldogholmes), 23. Januar 2026
Vom Nebengeschäft zum Haupteinsatzzweck
Was für viele Miner zunächst als Zusatzgeschäft begann, entwickelt sich zunehmend zu einem tragfähigen Kernmodell. Die wirtschaftlichen Dimensionen dieses Wandels sind überzeugend.
Allein im Jahr 2025 unterzeichneten börsennotierte Bitcoin-Miner laut CoinShares KI- und High-Performance-Computing-(HPC)-Verträge im Volumen von mehr als 65 Mrd. USD mit Hyperscalern wie Amazon und Microsoft. Der Vermögensverwalter geht davon aus, dass KI-Infrastruktur im Vergleich zum klassischen Bitcoin-Mining rund dreimal höhere Erlöse pro Megawatt erzielen kann.
Noch deutlicher fällt die Einschätzung von CoinDesk aus: Je nach Anwendung könnten KI-Workloads bis zu 25-mal höhere Umsätze pro Kilowattstunde generieren als das Mining.
Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass inzwischen schätzungsweise 70 % der Mining-Unternehmen KI-Infrastruktur in ihr Geschäfts- und Anlagenportfolio integriert haben.
Der strategische Vorteil der Bitcoin-Miner: Energie, Fläche und Geschwindigkeit
Der entscheidende Vorteil der Bitcoin-Miner liegt darin, dass sie die zentralen Produktionsfaktoren bereits heute kontrollieren.
Laut einer Analyse von Bernstein haben Miner inzwischen Zugriff auf mehr als 14 Gigawatt an gesicherter Energie, überwiegend in Regionen mit günstigen Bedingungen für Wasser-, Wind- und Solarstrom. Parallel dazu wurde gezielt in kostengünstigen, ländlichen Lagen mit großen Grundstücksflächen investiert – Standorte, die sich ideal für eine spätere Skalierung von KI-Infrastruktur eignen.
Da Umspannwerke, Transformatoren, Kühlsysteme und weitere kritische Komponenten bereits vorhanden sind, können Miner Rechenzentren deutlich schneller in Betrieb nehmen als klassische Marktteilnehmer. Im Vergleich zu etablierten Akteuren wie Oracle oder Alphabet lassen sich die Bereitstellungszeiten laut Bernstein um bis zu 75 % verkürzen.
In einem Umfeld, in dem GPU-Lieferketten angespannt sind und der Wettbewerb um Kapazitäten zunimmt, stellt dieser Zeitvorsprung einen kaum zu überschätzenden strategischen Vorteil dar.
Das Infrastruktur-Play einer ganzen Industriegeneration?
Gewerbliche Bauherren reagieren zunehmend auf den stark steigenden Kapazitätsbedarf des Computing-Sektors. Während der Bau von Büroflächen, Hotels und Lagerhäusern in diesem Jahr voraussichtlich rückläufig ist, dürfte der Rechenzentrumsbau laut FMI um 23 % zulegen.
Parallel dazu gewinnt künstliche Intelligenz deutlich an Gewicht innerhalb der Nichtwohnbautätigkeit: Ihr Anteil steigt von 2 % im Jahr 2023 auf über 6 % – ein struktureller Wandel, der die Investitionsströme im Bau- und Infrastruktursektor nachhaltig verändert.

Die BUZZ-Strategie von HIVE
Auch bei HIVE Digital Technologies wurde dieser strukturelle Wandel früh erkannt und konsequent umgesetzt. Bereits im vergangenen Jahr haben wir BUZZ HPC gegründet, das inzwischen sowohl in Kanada als auch in Schweden aktiv ist.
Konkret wird die Anlage im schwedischen Boden, die ursprünglich für das Bitcoin-Mining konzipiert war, zu einem flüssigkeitsgekühlten Tier-III-KI-Rechenzentrum umgebaut. Der Standort wird künftig 2.000 NVIDIA GPUs beherbergen, die gezielt für Training und Inferenz ausgelegt sind.
Darüber hinaus haben wir in Toronto einen 7,2-Megawatt-Standort erworben, der derzeit zu einer Tier-III+-Anlage aufgerüstet wird. Ziel ist es, dort KI-Infrastruktur für Regierungen und andere große Organisationen bereitzustellen.

Die strategische Roadmap ist dabei klar definiert und ambitioniert: Bis 2026 sollen in Schweden, Ontario und New Brunswick insgesamt bis zu 11.000 GPUs installiert werden. Sämtliche Kapazitäten werden mit erneuerbarer Energie betrieben und von Beginn an auf skalierbares Wachstum ausgelegt.
Ein Stück KI-Zukunft
Der Wunsch, an der KI-Zukunft zu partizipieren, ist allgegenwärtig. Weniger bekannt ist jedoch, dass sich Bitcoin-Miner bereits heute einen substanziellen Anteil an dieser Wertschöpfung gesichert haben.
Und für HIVE Digital Technologies ist dies erst der Anfang.
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Der S&P 500 (Standard & Poor’s 500 Index) ist ein nach der Marktkapitalisierung gewichteter Index, der die Wertentwicklung von etwa 500 führenden börsennotierten US-Unternehmen abbildet.
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