Die beste KI-Aktie im März (+46% in 3 Wochen)
Die Grenze zwischen passivem Investieren und zunehmend aggressiver Spekulation hat sich seit der Pandemie deutlich verwischt. Die aktuelle Spekulationswelle beschränkt sich dabei nicht allein auf die Finanzmärkte. Ähnliche Verhaltensmuster zeigen sich auch in anderen Bereichen - etwa beim explosionsartigen Wachstum von Sportwetten oder beim Boom von Event-Wettplattformen wie Kalshi und Polymarket.
Auch innerhalb der Kapitalmärkte mehren sich entsprechende Signale. Die Margin-Verschuldung hat neue Rekordstände erreicht (siehe unten), während Optionen mit einer Laufzeit von null Tagen bis zum Verfall (0DTE) inzwischen rund 50 Prozent des gesamten Optionshandels ausmachen. Gleichzeitig ist sowohl die Zahl der gehebelten ETFs als auch deren Handelsvolumen deutlich gestiegen.
Der Kobeissi Letter, ein branchenführender Kommentar zu den globalen Kapitalmärkten, fasst diese Entwicklung wie folgt zusammen:
"Es gibt derzeit eine Rekordzahl von 108 Long- und 31 Short-Hebel-ETFs im Technologiebereich, insgesamt 139. Das ist dreimal mehr als im zweitgrößten Sektor, dem Finanzsektor, mit insgesamt 47 Fonds. Im Vergleich dazu gibt es im Bereich zyklische Konsumgüter 44 ETFs und im Bereich Kommunikationsdienstleistungen 34 ETFs. Mit anderen Worten: Der Technologiesektor hat mehr gehebelte ETFs als die nächsten drei Sektoren zusammen."

Dieses zunehmend aggressive spekulative Verhalten lässt sich zwar nicht so eindeutig quantifizieren wie etwa Margin-Schulden oder das Volumen von Sportwetten. Dennoch zeigt es sich deutlich im Handel mit passiven Anlageinstrumenten. Besonders sichtbar wird dies in den teils heftigen Rotationen zwischen Sektor- und Faktor-ETFs.
In diesem Artikel analysieren wir, welche Auswirkungen das spekulative Marktumfeld und der zunehmend aggressive Handel mit passiven ETFs haben. Zudem zeigen wir, wie sich Sektor- und Faktorrotationen identifizieren lassen - und wie Anleger diese Bewegungen nutzen können, um das aggressive Verhalten passiver Investoren in eine Chance zu verwandeln.
Zeitleiste der passiven Anlagestrategie
Der Grundstein für das, was heute als passive Anlagestrategie gilt, wurde 1952 von Harry Markowitz mit der Modernen Portfoliotheorie gelegt. Seine zentrale These: Durch Diversifikation über ein breites Marktportfolio lassen sich bei einem gegebenen Risikoniveau die Renditen maximieren. Markowitz plädierte damit für einen Ansatz, der später unter dem Begriff Indexierung bekannt wurde.
Als „Vater der Indexierung“ gilt John C. Bogle. 1976 legte er bei Vanguard Group den First Index Investment Trust auf. Der Fonds, der den S&P 500 abbildete, war der erste Indexfonds, der auch Privatanlegern zugänglich war. Wettbewerber verspotteten das Konzept damals als „Bogle’s Folly“. Heute verwaltet Vanguard ein Vermögen von über 12 Bio. USD - ein eindrucksvoller Beleg für die Effizienz von Bogles Philosophie des kostengünstigen, passiven Buy-and-Hold-Investierens. Ironischerweise warnte Bogle selbst davor, dass die Intraday-Liquidität von ETFs Anleger zu einem aktiveren Handelsverhalten verleiten könnte - genau dem Verhalten, gegen das er sich während seiner gesamten Karriere ausgesprochen hatte.
1993 wurde mit dem SPDR S&P 500 Trust ETF der erste ETF für US-Anleger eingeführt. Er ermöglichte erstmals den Intraday-Handel mit passiven Indexwertpapieren.
Passive Anlagestrategien und die entsprechenden Wertpapiere wurden ursprünglich entwickelt, um Anlegern Disziplin und ein langfristiges strategisches Denken zu vermitteln. Anstatt durch aktives Kaufen und Verkaufen einzelner Aktien zu versuchen, den Markt zu schlagen, verfolgen passive Ansätze das Ziel, schlicht die Rendite des Gesamtmarktes abzubilden.
Bogles Warnung vor der Verwässerung des passiven Investierens
Trotz der überzeugenden langfristigen Argumente für passives Investieren hat sich die Art und Weise verändert, wie Anleger diese Instrumente tatsächlich nutzen. Wie John C. Bogle einst warnte, könnten ETFs passive Investoren zu einem aktiveren Handelsverhalten verleiten. Genau diese Entwicklung lässt sich heute beobachten.
In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu deutlichen Renditeunterschieden zwischen breiten Marktindizes, Sektor-ETFs und Faktor-ETFs. Viele Anleger kaufen heute keine breit diversifizierten Markt-ETFs mehr, um sie langfristig zu halten. Stattdessen rotieren sie zunehmend aktiv zwischen Index-ETFs (S&P, Nasdaq, Dow), Sektor-ETFs (Technologie, Basiskonsumgüter, Finanzen) und Faktor-ETFs (Momentum, Value, Marktkapitalisierung), um kurzfristige Marktbewegungen auszunutzen. Auch wenn dabei passive Wertpapiere eingesetzt werden, handelt es sich faktisch um aktives Management.
Ein weiteres Beispiel sind gehebelte ETFs. Diese Produkte werden täglich neu ausbalanciert, wodurch sich über längere Zeiträume Renditeverluste ergeben können. Für längerfristige Anlagen sind sie daher ungeeignet und primär für kurzfristige Handelsstrategien konzipiert. Der Effekt wird als Volatilitätsverfall bezeichnet und wird von der US-Börsenaufsicht U.S. Securities and Exchange Commission in den Prospekten solcher Produkte ausdrücklich hervorgehoben, wie auch der folgende Hinweis aus einem Prospekt von Direxion zeigt:
"Wenn die Anteile eines Fonds über einen Zeitraum von mehr als einem Kalendermonat gehalten werden, weicht die Wertentwicklung des Fonds wahrscheinlich vom Vielfachen der Wertentwicklung des zugrunde liegenden börsengehandelten Fonds für den Zeitraum ab, in dem der Fonds gehalten wird. Diese Abweichung nimmt mit höherer zugrunde liegender Volatilität und längeren Haltedauern zu."
Das starke Wachstum bei gehebelten ETFs, wie bereits eingangs erwähnt, ist ein weiteres Indiz für kurzfristig orientiertes spekulatives Verhalten innerhalb des eigentlich passiven Anlageuniversums.
Auch bei thematischen ETFs ist ein deutlicher Anstieg zu beobachten. Fonds mit Schwerpunkten wie künstliche Intelligenz, saubere Energie oder Edelmetalle ziehen häufig große Kapitalzuflüsse an, sobald ein Thema in den Fokus der Märkte rückt. Lässt das Interesse nach, folgen häufig ebenso deutliche Mittelabflüsse. Im Kern handelt es sich dabei um eine Form der Momentum-Jagd, die lediglich unter dem Label passiver Strategien stattfindet.
Viele Anleger, die sich selbst als passive Investoren bezeichnen, würden bei einer ehrlichen Analyse ihrer Transaktionshistorie vermutlich feststellen, dass ihr Verhalten eher aktivem Handel entspricht.
Analyse der Rotationszyklen
Zu erkennen, dass Anleger passive Instrumente zunehmend nutzen, um aggressiv zwischen Sektoren und Faktoren zu handeln, ist das eine - daraus konkrete Anlagechancen abzuleiten etwas anderes. Wir setzen hierfür auf technische Analysen auf unserer SimpleVisor-Website, um zu identifizieren, wann solche Rotationen einsetzen, sich beschleunigen, ihren Höhepunkt erreichen und schließlich wieder umkehren.
Den Nutzen dieser Rotationsanalyse haben wir bereits 2023 in unserem Artikel „Relative Rotation - Unlocking The Hidden Potential“ vorgestellt. Ein besonders anschauliches Beispiel liefert die darin enthaltene Grafik, die die relative Performance des VYM und des MGK mit der Entwicklung des S&P 500 (SPY) vergleicht.
Das Diagramm zeigt ein wiederkehrendes Muster: Übertrifft einer der ETFs den Markt, bleibt der andere in der Regel zurück. Daraus entsteht ein relativ gut erkennbarer Rotationszyklus - ein Muster, das sich mithilfe technischer Analyse identifizieren und für Anlageentscheidungen nutzen lässt.

Um besser zu veranschaulichen, wie wir SimpleVisor für diese Analyse nutzen, greifen wir auf einen Artikel aus dem vergangenen Jahr mit dem Titel Wachstum zu Wert- und welche Rotation kommt als nächste? (Rotationstools für passive Anleger) zurück. Darin erläutern wir unsere Analyseinstrumente im Detail und zeigen, wie wir sie einsetzen, um uns frühzeitig und möglichst in Echtzeit auf bevorstehende Rotationen zu positionieren.
Je aggressiver passive Anleger zwischen Sektoren und Faktoren rotieren, desto klarer treten diese Muster zutage - und desto verlässlicher werden auch die Signale, die unsere Tools liefern.
Analyse der zugrunde liegenden Narrative
Technische Analysen - wie die von uns eingesetzten SimpleVisor-Tools - zeigen, wann eine Rotation wahrscheinlich ist oder bereits stattfindet. Die Narrativanalyse hilft uns dagegen zu verstehen, welche Kräfte hinter den aggregierten Entscheidungen der Anleger stehen. Entscheidend ist dabei die Frage, ob ein Narrativ auf soliden Fundamentaldaten basiert oder primär von spekulativen Impulsen getragen wird. In einem Markt, der zunehmend von aggressivem Handel mit passiven Instrumenten geprägt ist, verbreiten sich Narrative schneller und mit größerer Dynamik als je zuvor. Ein überzeugendes Narrativ kann innerhalb weniger Tage ETF-Zuflüsse in Milliardenhöhe auslösen - lange bevor sich die zugrunde liegenden Fundamentaldaten anpassen, sofern sie dies überhaupt tun.
Allerdings sind nicht alle Narrative gleich. Manche Rotationen werden durch reale Veränderungen der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen oder der Geldpolitik ausgelöst. Solche Bewegungen sind häufig nachhaltiger und können sich über längere Zeiträume fortsetzen. Andere Rotationen werden dagegen nahezu ausschließlich durch Momentum und mediale Aufmerksamkeit getrieben. Ein Narrativ gewinnt an Dynamik, aggressive passive Anleger strömen in die entsprechenden ETFs, und die Rotation verstärkt sich selbst - bis das Interesse nachlässt und keine neuen Käufer mehr hinzukommen.
Die Unterscheidung zwischen diesen beiden Dynamiken ist ebenso entscheidend wie das frühzeitige Erkennen der Rotation selbst. Ein technisch starkes Signal, das von einem fundamental schwachen Narrativ begleitet wird, dürfte in der Regel keine lange Haltbarkeit besitzen.
Zusammenfassung
Die Ironie des modernen passiven Investierens liegt darin, dass Wertpapiere, die ursprünglich für Geduld und langfristige Disziplin konzipiert wurden, zunehmend als Instrumente für kurzfristige Spekulation dienen. Viele Anleger, die sich als passiv verstehen, verhalten sich - oft unbewusst - eher wie aktive Trader und rotieren aggressiv zwischen Sektoren und Faktoren, um auf jeweils dominante Marktnarrative zu reagieren.
Das Verständnis dieser Dynamik ist der erste Schritt zu einer disziplinierteren Anlagestrategie. Für Anleger, die diese Entwicklung gezielt nutzen möchten, bieten die Rotationsanalyse-Tools von SimpleVisor eine Möglichkeit, solche Verschiebungen frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren, bevor sie vom breiten Markt vollständig eingepreist werden. Ergänzend helfen unsere Blog-Artikel, täglichen Kommentare, Podcasts sowie der wöchentliche Bull Bear Report dabei, das eigentliche Marktsignal vom Volatilitätsrauschen der jeweils dominierenden Narrative zu trennen.
