Fiskalische Dominanz kehrt zurück - Bondmarkt schlägt Alarm

Veröffentlicht am 26.11.2025, 06:46

Eines der derzeit zentralen makroökonomischen Konzepte ist die sogenannte fiskalische Dominanz.

Die jüngst von der neuen japanischen Premierministerin Sanae Takaichi angekündigten umfangreichen fiskalischen Stimuli haben die Debatte darüber erneut belebt. Angesichts meiner Einschätzung, dass das weltweite Gelddrucken auch im Jahr 2026 anhalten wird, dürfte dieses Thema weiter an Bedeutung gewinnen – daher ein kurzes Update zum aktuellen Status.

Unter fiskalischer Dominanz verstehe ich eine Lage, in der ein Land hohe Primärdefizite aufweist, die Kerninflation bereits über dem Zielwert liegt und die Zentralbank dennoch keine ausreichend restriktive Politik verfolgt, um gegenzusteuern.

Zusätzliche Brisanz erhält die Situation, wenn das betreffende Land Nettoschuldner gegenüber dem Ausland ist (negatives Nettoauslandsvermögen) – wobei die USA als Emittent der globalen Reservewährung einen Sonderfall darstellen.

Die Folge: Während die Inflationserwartungen steigen, bleiben die Renditen am kurzen Ende durch eine weiterhin lockere Geldpolitik gedämpft (die realen Renditen für 5-jährige Anleihen sind niedrig). Der Druck entlädt sich stattdessen am langen Ende der Kurve – dort steigen die nominalen Renditen für 30-jährige Anleihen oftmals zügig an.

Zur Beobachtung dieser Dynamik definiere ich den „Fiscal Dominance Spread“ im Anleihemarkt als Differenz zwischen den nominalen Renditen 30-jähriger Anleihen und den realen Renditen 5-jähriger Anleihen.

Die folgende Tabelle führt alle wesentlichen Variablen auf, die für die Überwachung des „Fiscal-Dominance-Trades“ in mehreren potenziell betroffenen Ländern relevant sind.

Schlüsselvariablen zur Messung der fiskalischen Dominanz

An der Spitze stehen derzeit das Vereinigte Königreich und Japan, doch auch in den USA hat sich der Spread deutlich ausgeweitet. Länder wie Deutschland und Kanada ziehen inzwischen spürbar nach.

Bleibt die Frage: Bewertet der Bondmarkt die zunehmende Ausbreitung der fiskalischen Dominanz tatsächlich korrekt?

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