Gold unter Spannung: Kommt mit dem Zinsausblick 2026 die Trendwende?

Veröffentlicht am 10.12.2025, 07:01

Die Goldpreise blieben in der vergangenen Woche weitgehend unverändert und legten nach der kräftigen Rally zunächst eine Verschnaufpause ein. Anleger richteten den Blick auf einen dicht gefüllten Kalender mit anstehenden Notenbankentscheidungen. Der übergeordnete Trend ist weiterhin aufwärtsgerichtet, doch die Liste der Faktoren, die dieser Rally bald die Luft nehmen könnten, wird still und leise länger. Weiterhin wird nach Anzeichen für eine kurzfristige bearische Wende gesucht – diese müssen jedoch aus den Charts selbst kommen. Ein Richtungswechsel sollte nicht vorweggenommen werden.

Falkenhafte Notenbanken im Jahr 2026

Die für den Dezember typische Schwäche des US-Dollars hat den Goldpreis zuletzt gestützt. Gedämpft wurde dieser Effekt jedoch durch die Erwartung, dass die globalen Zinsen ihren Tiefpunkt erreichen, was die Anleiherenditen auf einem erhöhten Niveau hält. Ein erneuter Anstieg der Renditen würde unverzinsliche Anlagen wie Gold deutlich unattraktiver machen.

Der Fokus richtet sich nun auf die in dieser Woche beginnenden Notenbanksitzungen. Die jüngsten US-Konjunkturdaten sendeten gemischte Signale – einzelne robuste Bereiche, aber nichts, was die US-Notenbank von einer Zinssenkung abhalten dürfte. Dennoch ist nicht zu erwarten, dass diese Maßnahme den Goldpreis von hier aus spürbar anschiebt; der Schritt ist weitgehend eingepreist. Worauf der Markt wirklich hofft, ist ein weicherer geldpolitischer Ton für 2026 – genau hier liegt das Enttäuschungspotenzial.

Ein zentrales Thema zum Jahresende ist die Einschätzung, dass mehrere große Notenbanken den Tiefpunkt ihres geldpolitischen Zyklus bereits erreicht haben oder kurz davorstehen. Das gilt nicht nur für die Bank of Japan, die ihren eigenen Kurs verfolgt.

Die Märkte preisen inzwischen vollständig eine Zinserhöhung um 25 Basispunkte im kommenden Jahr in Australien, Neuseeland und Kanada ein. Selbst die Eurozone könnte angesichts jüngster falkenhafter Töne und besserer Konjunkturdaten in diese Reihe aufgenommen werden. Verfestigt sich dieser Erwartungsumschwung, wird es für Gold deutlich schwieriger, sein hohes Kursniveau zu verteidigen.

Wo könnte es für Gold problematisch werden?

Die jüngste Stärke von Gold stützt sich vor allem auf bekannte Faktoren: geopolitische Spannungen im Zusammenhang mit Russland und der Ukraine, die anhaltende Debatte über eine Abkehr vom US-Dollar sowie eine stetige Nachfrage der Zentralbanken – insbesondere aus China. Zieht man diese großen Themen jedoch ab, wirkt die Rally an neuen Impulsen eher arm. Die Frage drängt sich auf, wie viel Momentum tatsächlich noch vorhanden ist.

China steht im Zentrum dieser Überlegungen. Sollte die chinesische Notenbank bei den aktuellen Preisen ihr Tempo beim Goldaufbau drosseln, könnten stark gehebelte Long-Positionen ihre optimistische Haltung sehr schnell überdenken. Solche Stimmungsumschwünge verlaufen selten geordnet.

Zudem gibt es vorsichtige Anzeichen für eine geopolitische Entspannung: schleppende Friedensgespräche rund um die Ukraine, die jüngste Waffenruhe im Gazastreifen und ein etwas freundlicherer Ton zwischen den USA und China nach den jüngsten Bemühungen um eine Stabilisierung des Handels. Theoretisch müsste all dies einen Teil der Sicherheitsprämie von Gold abbauen. Die Preise haben darauf bislang jedoch kaum reagiert.

Der schwächere US-Dollar hat zweifellos geholfen, eine solide Basis zu sichern, doch die Ruhe im Kursverlauf dürfte nicht von Dauer sein. Es fehlt ein neuer Zündfunke. Auch Japan verdient Beachtung: Steigende Renditen japanischer Staatsanleihen im Zuge von Erwartungen an eine Zinserhöhung der Bank of Japan haben die Sorge geschürt, dass stärkere Schwankungen am japanischen Anleihemarkt auf die globalen Aktienmärkte übergreifen könnten. Sollten sich Carry-Trades spürbar auflösen, könnten teure US-Technologiewerte und sogar Edelmetalle in die Turbulenzen geraten.

Technische Analyse des Goldpreises

Aus technischer Sicht befindet sich Gold weiterhin in einem etablierten Aufwärtstrend, doch die Dynamik dieses Trends lässt klar nach. Damit steigt die Anfälligkeit für kurzfristige Volatilitätsschübe, sollte es zu einem Bruch wichtiger Unterstützungen kommen.

Gold Tageskurse

Die unmittelbare Zone, auf die zu achten ist, liegt bei 4.190 US-Dollar. Dieser Bereich hat in den vergangenen Sitzungen die Tiefpunkte markiert. Ein klarer Durchbruch nach unten würde die kurzfristige Trendlinie ins Spiel bringen und anschließend die Marke von 4.100 US-Dollar, ein psychologisch wichtiger Bereich und Ausgangspunkt der jüngsten Aufwärtsbewegung. Ein Tagesschluss unter 4.100 US-Dollar wäre ein deutlich bearisches Signal und würde den Weg in Richtung 4.000 US-Dollar öffnen.

Auf der Oberseite liegt der Widerstand weiterhin gestaffelt zwischen 4.220 und 4.270 US-Dollar – ein Bereich, an dem Gold wiederholt ins Stocken geraten ist. Um dem Trend neue Kraft zu verleihen und einen glaubwürdigen Anlauf auf neue Höchststände zu starten, benötigen die Bullen einen sauberen und überzeugenden Ausbruch über diese Zone.

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