Inflation, Öl, Krieg: Warum langfristig weiter 7% Rendite drin sind

Veröffentlicht am 03.03.2026, 14:10

Der Iran-Krieg sorgt zwar für Nervosität an den Finanzmärkten, dürfte die langfristigen Renditeerwartungen jedoch nur begrenzt beeinflussen. Selbst im ungünstigsten Szenario zeigt die weiter unten beschriebene Methodik zur Ableitung von Performance-Prognosen eine hohe Widerstandsfähigkeit gegenüber kurzfristigen Marktbewegungen.

Grundsätzlich bewegen sich erwartete Renditen gegenläufig zu den Märkten - fallen die Kurse, steigen tendenziell die langfristigen Renditeerwartungen, und umgekehrt, sofern die übrigen Faktoren konstant bleiben. Höhere Volatilität führt zwar zu stärkeren Anpassungen der Prognosen, doch wäre ein außergewöhnlich großer Schock notwendig, um die Erwartungen deutlich zu verändern. Sollte der Krieg die Risikobereitschaft der Anleger spürbar dämpfen, könnte ein möglicher Marktrückgang in den kommenden Monaten sogar zu einer moderaten Verbesserung der langfristigen Performance-Schätzungen führen.

Die heutige Aktualisierung basiert auf monatlichen Daten bis Februar - also vor Ausbruch des Krieges. Die revidierte langfristige Prognose für den Global Market Index (GMI) blieb dabei stabil und signalisiert weiterhin eine annualisierte Gesamtrendite von etwas mehr als 7 %. Wie bereits in den letzten Updates liegt diese langfristige Perspektive deutlich unter der tatsächlich erzielten Rendite der vergangenen zehn Jahre. Die Erwartungshaltung für zukünftige Marktgewinne sollte daher im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit niedriger angesetzt werden.

Der GMI bildet einen nach Marktkapitalisierung gewichteten Mix der wichtigsten Anlageklassen ab - ohne Bargeld - und nutzt dafür ETF-Proxies. Die aktuelle Prognose ergibt sich aus dem Durchschnitt von drei Modellen (siehe unten). Die derzeitige annualisierte Schätzung von 7,3 % für den GMI entspricht dem Wert des letzten Update und liegt weiterhin klar unter der annualisierten Rendite von 10,2 %, die der Index in den vergangenen zehn Jahren erzielt hat.

Nach einer Phase kräftiger Gewinne in mehreren Anlageklassen wird inzwischen für rund ein Drittel der GMI-Komponenten eine niedrigere Rendite erwartet als im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. In der Tabelle unten ist dies durch die roten Kästchen in der rechten Spalte gekennzeichnet. Auch beim GMI selbst zeigt sich diese Lücke - die aktuell prognostizierte Rendite liegt deutlich unter der Performance des Zehnjahreszeitraums bis Februar.

Tabelle. Erwartet Renditen

Der GMI fungiert als theoretischer Referenzwert für ein „optimales" Portfolio eines durchschnittlichen Anlegers mit unbegrenztem Anlagehorizont. Damit bietet der Index eine praktische Orientierung für die individuelle Gestaltung der Vermögensallokation und der Portfoliostruktur - angepasst an Erwartungen, Ziele und Risikobereitschaft eines Anlegers. Ein Blick auf die Historie zeigt zudem, dass die Performance dieses passiven Referenzportfolios mit vielen aktiven Asset-Allokationsstrategien mithalten kann - insbesondere nach Abzug von Risiken, Handelskosten und Steuern.

Gleichzeitig sollte berücksichtigt werden, dass Prognosen naturgemäß mit Unsicherheiten verbunden sind. Einige, viele oder sogar alle der oben genannten Schätzungen könnten sich als teilweise ungenau erweisen. Dennoch dürften die Prognosen für den GMI tendenziell robuster sein als jene für einzelne Märkte. Während Vorhersagen für spezifische Anlageklassen - etwa US-Aktien oder Rohstoffe - häufig stärker schwanken, kann die Bündelung dieser Prognosen im GMI einen Teil möglicher Fehler im Zeitverlauf abfedern.

Die Prognosen lassen sich zudem als Ausgangspunkt für eine weitergehende Analyse nutzen. So können die genannten Punktprognosen durch zusätzliche Modelle verfeinert werden, die weitere Annahmen oder Einflussfaktoren berücksichtigen. Ebenso sollten Portfolios grundsätzlich an die individuellen Rahmenbedingungen eines Anlegers angepasst werden - etwa an dessen Risikotoleranz oder Anlagehorizont.

Einen anschaulichen Überblick über die Entwicklung der tatsächlich erzielten Gesamtrendite des GMI liefert die Betrachtung auf rollierender 10-Jahres-Basis. Die untenstehende Grafik vergleicht die Performance des Referenzindex mit ETFs, die US-Aktien und US-Anleihen bis zum letzten Monat abbilden. Über die vergangenen zehn Jahre erzielte der GMI aktuell eine annualisierte Rendite von 10,2 % - die stärkste Performance in der bisherigen historischen Reihe.

Rollierende 10-Jahres-Gesamtrendite des GMI

Im Folgenden eine kurze Erläuterung zur Berechnung der Prognosen sowie zu den Kennzahlen in der obenstehenden Tabelle:

BB: Das Building-Block-Modell nutzt historische Renditen als Proxy für zukünftige Erträge. Der betrachtete Stichprobenzeitraum beginnt im Januar 1998 - dem frühesten Datum, für das Daten für alle genannten Anlageklassen verfügbar sind.

Der Ansatz berechnet zunächst die Risikoprämie jeder Anlageklasse und daraus die annualisierte Rendite. Anschließend wird ein erwarteter risikofreier Zinssatz hinzugefügt, um eine Prognose der Gesamtrendite zu erhalten. Als risikofreier Zinssatz dient die aktuelle Rendite 10-jähriger Treasury Inflation Protected Securities (TIPS), die als Marktschätzung einer realen - also inflationsbereinigten - risikofreien Rendite gilt. Dieser Zinssatz wird auch in den übrigen Modellen verwendet. Das BB-Modell basiert grob auf einer Methodik von Ibbotson Associates, einem Geschäftsbereich von Morningstar.

EQ: Das Equilibrium-Modell leitet erwartete Renditen aus dem Risiko ab. Anstatt Renditen direkt zu prognostizieren, nutzt der Ansatz Risikokennzahlen zur Abschätzung der zukünftigen Performance. Dieser Rahmen gilt als vergleichsweise robust, da Risiken meist stabiler prognostiziert werden können als Renditen.

Die Berechnung basiert auf drei zentralen Faktoren:

  • der erwarteten Sharpe-Ratio des Gesamtportfolios - also dem Verhältnis von Risikoprämie zu Volatilität. Das Portfolio wird hier als GMI definiert.

  • der erwarteten Volatilität der einzelnen Vermögenswerte im GMI.

  • der erwarteten Korrelation dieser Vermögenswerte mit dem Gesamtportfolio.

Der Ansatz zur Schätzung von Gleichgewichtsrenditen wurde ursprünglich 1974 von Professor Bill Sharpe vorgestellt. Eine Zusammenfassung findet sich in Gary Brinsons Darstellung in „The Portable MBA in Investment". Auch in „Dynamic Asset Allocation" wird dieses Modell ausführlich beschrieben. Wie beim BB-Modell wird zunächst eine Risikoprämie geschätzt und anschließend der erwartete risikofreie Zinssatz hinzugefügt.

ADJ: Dieses Modell basiert auf dem Gleichgewichtsansatz (EQ), ergänzt ihn jedoch um Anpassungen auf Basis von Momentum- und Mean-Reversion-Faktoren.

Momentum wird als Verhältnis des aktuellen Preises zum gleitenden 12-Monats-Durchschnitt definiert. Der Mean-Reversion-Faktor basiert auf dem Verhältnis zum gleitenden Durchschnitt der vergangenen 60 Monate. Liegt der aktuelle Preis über den entsprechenden Durchschnitten, werden die ursprünglichen Risikoprämien-Schätzungen reduziert - liegt er darunter, werden sie erhöht.

Die Anpassung erfolgt über den Kehrwert des Durchschnitts der beiden Preisverhältnisse. Liegt der aktuelle Preis beispielsweise 10 % über dem 12-Monats-Durchschnitt und 20 % über dem 60-Monats-Durchschnitt, wird die ursprüngliche Prognose um 15 % reduziert. Dahinter steht die Annahme, dass relativ hohe Preise im Vergleich zur jüngeren Vergangenheit geringere zukünftige Renditen implizieren - und umgekehrt.

Durchschnitt: Diese Spalte zeigt den einfachen Durchschnitt der drei Modellprognosen je Anlageklasse.

10-Jahres-Rendite: Diese Kennzahl weist die tatsächlich erzielte annualisierte Gesamtrendite der jeweiligen Anlageklassen über die vergangenen zehn Jahre bis zum aktuellen Zielmonat aus.

Spread: Durchschnittliche Modellprognose minus die Rendite der vergangenen zehn Jahre.

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