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Die Märkte sind sich weitgehend einig: Bei der nächsten Fed-Sitzung am 17. September wird eine Zinssenkung erwartet. Doch ein Joker – oder eher ein Schwarzer Peter – könnte das Bild noch verändern. Die große makroökonomische Frage bis dahin lautet: Werden die kommenden beiden Veröffentlichungen zur Verbraucherinflation die Fed dazu bewegen, den Leitzins doch unverändert zu lassen – oder ihn im Extremfall sogar zu erhöhen?
Aktuell zeigt sich der Markt recht zuversichtlich, dass die Zentralbank im nächsten Monat tatsächlich lockern wird. Ein Blick auf die Rendite der 2-jährigen US-Staatsanleihen, die als guter Indikator für Zinserwartungen gilt, unterstreicht das: Mit 3,72 % (Stand: 5. August) liegt die Rendite deutlich unter dem aktuellen mittleren Leitzins der Fed (4,33 %). Das deutet darauf hin, dass die Marktteilnehmer bereits eine baldige Zinssenkung einpreisen.

Auch ein einfaches Modell spricht für eine Lockerung der Geldpolitik: Es vergleicht den Median des Fed-Zielsatzes mit der Summe aus der Arbeitslosenquote und der jährlichen Veränderung der Verbraucherinflation – also einem Näherungswert für das doppelte Mandat der Fed: Preisstabilität und Vollbeschäftigung.
Aus dieser Perspektive wirkt die aktuelle Geldpolitik weiterhin moderat restriktiv. Eine Zinssenkung wäre demnach kein riskanter Schritt, sondern eine vorsichtige, angemessene Reaktion auf die wirtschaftliche Lage.

Es überrascht daher nicht, dass der Futures-Markt für Fed Funds eine implizite Wahrscheinlichkeit von 87 % einpreist, dass die Fed den Leitzins im nächsten Monat senken wird.
Der potenzielle Spielverderber bleibt jedoch die zollbedingte Inflation – und damit die Frage: Wird sie sich in den nächsten beiden Aktualisierungen des Verbraucherpreisindex (VPI) zeigen, die noch vor der Zinsentscheidung am 17. September veröffentlicht werden?
Viele Ökonomen rechnen damit, dass die neuen Zölle die Inflation zumindest vorübergehend anheizen werden. Der Juni-Bericht zum VPI liefert dafür erste Hinweise: Die Teuerung im Jahresvergleich hat sich den zweiten Monat in Folge beschleunigt und liegt nun bei 2,7 % – dem höchsten Wert seit Februar. Damit rückt das Inflationsziel der Fed von 2 % wieder etwas weiter aus dem Blick.

Beth Hammack, Präsidentin und CEO der Federal Reserve Bank of Cleveland, sagte diese Woche, dass die Inflation im Laufe des Jahres anziehen könnte – vor allem, weil Unternehmen beginnen dürften, die höheren Zollkosten über Preiserhöhungen an die Verbraucher weiterzugeben. Im Gespräch mit CBS News erklärte sie:
„Einzelne Unternehmen haben bislang versucht, sich bei ihren Preisen zurückzuhalten und diese [zollbedingten] Kosten nicht weiterzugeben, weil sie befürchten, dass das die Nachfrage dämpfen könnte. Stattdessen haben sie Lagerbestände verkauft, die sie zu Jahresbeginn aufgebaut hatten – für diese mussten die Zölle noch nicht berechnet werden. Aber diese Lager werden jetzt allmählich abgebaut.“
Auch Greg Daco, Chefökonom bei EY-Parthenon, sieht das ähnlich.
„Die Zölle machen sich bemerkbar“, sagte er zu Wochenbeginn gegenüber Yahoo Finance. „Sie sorgen für zusätzlichen Inflationsdruck, was die Konsumausgaben dämpft und viele Unternehmen zu einer eher abwartenden Haltung veranlasst.“
Das Wall Street Journal kommt hingegen zu einer anderen Einschätzung:
„Die US-Zölle sind so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr – ihre Auswirkungen bislang aber gering.“
Ob die Inflation tatsächlich zur Belastung wird oder nicht, dürfte die Anlegerstimmung in den Tagen vor den anstehenden VPI-Daten für Juli deutlich beeinflussen. Die nächste Runde an Inflationszahlen – dieses Mal für den August – erscheint dann nur wenige Tage vor der Fed-Entscheidung am 17. September.
Bis dahin herrscht eine Phase des Abwartens. Spätestens im September wird die US-Notenbank aber gezwungen sein, ihre Haltung zur zollbedingten Inflation klarer zu definieren.
Mary Daly, Präsidentin der San Francisco Fed, äußerte sich dazu in einem Interview mit Reuters:
„Ich war bereit, noch einen weiteren Zyklus abzuwarten – aber ich kann nicht ewig warten“, sagte sie in Anspielung auf die jüngste Entscheidung, die Zinsen vorerst nicht zu ändern.
„Natürlich könnten wir auch weniger als zwei (Zinssenkungen) vornehmen, wenn die Inflation steigt und überschwappt oder wenn der Arbeitsmarkt wieder anzieht. Aber ich halte es für wahrscheinlicher, dass wir mehr als zwei Maßnahmen brauchen werden. Meiner Meinung nach sollten wir jedenfalls darauf vorbereitet sein, stärker zu reagieren – besonders dann, wenn der Arbeitsmarkt in eine Schwächephase gerät und die Inflation dennoch nicht zurückgeht.“
