Internationale Märkte vorn – US-Aktien tun sich weiter schwer

Veröffentlicht am 04.05.2025, 18:15

Internationale Diversifizierung zahlt sich auch in diesem Jahr wieder aus. Die Wertentwicklung in den wichtigsten Weltregionen fällt bislang besser aus als die der US-Aktien, die – gemessen an den relevanten ETFs – ein eher schwaches Jahr erleben.

Besonders stark zeigt sich dabei eine eher überraschende Region: Mittel- und Osteuropa. Auch wenn es für diese Region keine in den USA gehandelten ETFs gibt, lässt sich die Performance gut über einen geschlossenen Fonds abbilden.

Der Central and Eastern Europe Fund (CEE) hat seit Jahresbeginn um 38 % zugelegt – und liegt damit deutlich vor der globalen Benchmark ohne die USA (VXUS), die im gleichen Zeitraum nur um 8,8 % gestiegen ist.

Regionale Aktienmärkte - Renditen seit Jahresbeginn

US-Aktien sind in diesem Jahr der klare negative Ausreißer. Basierend auf dem SPDR S&P 500 ETF (NYSE:SPY) steht seit Jahresbeginn ein Minus von 5,1 % zu Buche.

Die starke Abweichung zwischen der Entwicklung amerikanischer und ausländischer Aktien hat vor allem makroökonomische Ursachen. Der Markt preist offenbar ein höheres Risiko im Zusammenhang mit dem globalen Handelskonflikt ein – und bislang scheinen vor allem US-Aktien die Hauptlast dieser Risikoneubewertung zu tragen. Mit anderen Worten: Anleger verlangen aktuell eine höhere Risikoprämie für Investitionen in den USA.

Diese veränderte Risikowahrnehmung zeigt sich auch am Devisenmarkt – einem weiteren Faktor, der die relative Entwicklung zwischen US- und internationalen Aktien beeinflusst.

Wie ich gestern in einer Notiz bei TMC Research ausgeführt habe, hat der fallende USD in diesem Jahr der Outperformance globaler Aktien (ohne USA) zusätzlichen Rückenwind verliehen.

Chart SPY vs VXUS vs USD

Unsere Grafik oben deutet darauf hin, dass die taktische Outperformance ausländischer Aktien möglicherweise ihren Höhepunkt erreicht hat. Was die längerfristige Perspektive angeht, könnte sich jedoch ein grundlegender Wandel anbahnen – ein möglicher Regimewechsel, der weitreichende Auswirkungen hätte. In meiner Research-Note vom Dienstag heißt es dazu:

„In dem Maße, in dem die Vormachtstellung des USD als Weltreservewährung weiter schwindet, stärkt das die Argumente für eine international diversifizierte Portfoliostruktur … Sollte der USD tatsächlich an Bedeutung verlieren, könnten Anlagen außerhalb des Dollarraums attraktiver werden – vor allem, wenn die Nachfrage nach anderen Währungen steigt und die weltweiten Dollarbestände langsam zurückgehen, wenn auch nur schrittweise.“

Zwar ist eine schnelle und weitreichende Umschichtung von USD-basierten Reserven – sei es durch Zentralbanken oder institutionelle Anleger – kurzfristig eher unwahrscheinlich. Dennoch spricht vieles dafür, dass sich die schon länger laufende Diversifizierung der Währungsreserven auch künftig fortsetzen wird.

Auch Rebecca Patterson, ehemalige Anlagestrategin und Investmentchefin bei Bridgewater, sieht Anzeichen für einen strukturellen Wandel:

„Ich glaube, dass ausländische Investoren mittlerweile eine neue Risikoprämie auf US-Anlagen einpreisen – eine, die es vor dem 'Tag der Befreiung', vielleicht sogar vor der aktuellen Regierung, so noch nicht gegeben hat.“

Vivekanand Jayakumar, Ökonomieprofessor an der University of Tampa, bringt es auf den Punkt:

„Zum ersten Mal in der jüngeren Vergangenheit ist der US-Dollar nicht mehr automatisch der sichere Hafen, zu dem Anleger weltweit in Krisenzeiten reflexartig greifen.“

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