ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Deutliche Verluste - Iran-Unsicherheit hält an
Befinden sich künstliche Intelligenz (KI) und die sogenannten Magnificent-7-Aktien in einer Blase? In letzter Zeit lese ich immer häufiger Schlagzeilen, die vor einem bevorstehenden Crash warnen. Auch wenn ich diese Ansicht nicht teile, bin ich der Meinung, dass umsichtiges Risikomanagement von Anlegern verlangt, eine gewisse Allokation in risikoärmere Anlagen – darunter Gold und Silber – in Betracht zu ziehen.
Ähnlich wie viele KI-Aktien wirken auch Edelmetalle derzeit überkauft, sind jedoch im Gegensatz dazu strukturell unterinvestiert. Meiner Ansicht nach verdienen sie daher einen genaueren Blick.
Überzogene Bewertungen
Falls Sie es nicht mitverfolgt haben: Das Thema KI dominiert derzeit sowohl die Aktienmärkte als auch die Kapitalflüsse im Venture-Segment. Laut PitchBook sind in diesem Jahr mehr als 55 % der weltweiten Venture-Finanzierung in KI-Projekte geflossen – den Großteil davon sicherten sich Schwergewichte wie OpenAI, Anthropic und xAI.
An den Börsen haben Nvidia, Microsoft und ihre Mag-7-Konkurrenten den Nasdaq und den S&P 500 zu wiederholten Rekordständen geführt, während gleichgewichtete Indizes hinter dieser Entwicklung deutlich zurückbleiben.

Die Bewertungen sind zweifellos anspruchsvoll. Das erwartete Kurs-Gewinn-Verhältnis des S&P 500 liegt derzeit bei rund 23 und damit am oberen Ende der historischen Bandbreite.
Der milliardenschwere Hedgefonds-Manager Leon Cooperman erklärte vergangene Woche gegenüber CNBC, wir befänden uns in jener Phase des Bullenmarkts, vor der Warren Buffett einst gewarnt habe – jener, in der irrationaler Überschwang die Fundamentaldaten zu überlagern beginnt. Der sogenannte Buffett-Indikator – das Verhältnis der gesamten US-Börsenkapitalisierung zum Bruttosozialprodukt (BSP) – ist zuletzt auf über 200 % gestiegen. Das bedeutet, dass US-Aktien aktuell mit mehr als dem Doppelten des Umfangs der US-Wirtschaft bewertet werden.
Das alles garantiert selbstverständlich keinen unmittelbar bevorstehenden Crash. Doch wer, wie ich, den Internetboom der späten 1990er-Jahre miterlebt hat, weiß, welche Risiken entstehen, wenn sich das Anlegerkapital zu stark auf eine kleine Gruppe von Titeln konzentriert. Sollte es bei den KI-Werten zu einer Korrektur kommen, könnte diese entsprechend deutlich ausfallen.
Gold und Silber - immer noch in untergewichtet
Das führt uns zu Gold und Silber, die gerade ein historisches drittes Quartal hinter sich haben. Nach Angaben des Wall Street Journal stieg der Goldpreis um 17 % auf 3.840 USD je Unze und verzeichnete damit den größten Quartalsgewinn in Dollar aller Zeiten. Der Silberpreis legte um fast 30 % auf 46,25 USD zu – der höchste prozentuale Anstieg innerhalb eines Quartals und nur knapp unter dem Rekordniveau von 1980, als die Gebrüder Hunt versuchten, den weltweiten Silbermarkt zu kontrollieren.

Umso bemerkenswerter ist, dass Edelmetalle in den Portfolios vieler Anleger weiterhin stark unterrepräsentiert sind. In einem Bericht vom 25. September weisen die Anlagestrategen der Bank of America darauf hin, dass Gold derzeit lediglich 0,4 % des Vermögens von Privatkunden und 2,4 % des institutionellen Vermögens ausmacht.
Sobald Anleger erkennen, dass in einem Umfeld hoher Bewertungen und niedriger Renditen Diversifikation unerlässlich ist, könnte dies einen erheblichen Kapitalzufluss in die Metall- und Bergbauindustrie auslösen.
Goldminen wieder beliebt
Die Rallye beschränkte sich nicht auf physisches Gold. Auch Goldminenaktien, die lange Zeit ein Schattendasein führten, erleben derzeit ein Comeback. Laut Bloomberg sammelte dieses Segment allein im dritten Quartal rund 6,7 Mrd. USD an Eigenkapital ein – der höchste jemals verzeichnete Quartalswert.

Angeführt wird die Rallye von Hongkongs Zijin Gold, Chinas Shandong Gold und Indonesiens Merdeka Gold.
Erfreulich ist zudem, dass die Bank of America Goldminen zu ihrem zentralen Anlagethema für 2025 erklärt hat – noch vor Uran, Verteidigungstechnologie und sogar künstlicher Intelligenz. Das ist ein starkes Signal in einem Jahr, in dem Technologie- und KI-Themen die Schlagzeilen beherrscht haben.
Gold in einem diversifizierten Portfolio
Ich wäre nachlässig, wenn ich nicht darauf hinweisen würde, dass Gold und Silber derzeit überkaufte Signale zeigen – sowohl gemessen an der Standardabweichung als auch am 14-Tage-RSI (Relative Strength Index). In der Vergangenheit folgten auf solche Bewegungen häufig technische Rücksetzer. Es würde mich daher nicht überraschen, wenn eine kurzfristige Korrektur eintritt, bevor die Edelmetalle ihren Aufwärtstrend fortsetzen.
Selbst im Fall einer Schwächephase dürften die Verluste bei Edelmetallen jedoch begrenzter und von kürzerer Dauer sein als bei einem möglichen Rückschlag im KI-Sektor. Hypothetische Stresstests des World Gold Council (WGC) zeigen, dass die Beimischung von Gold zu einem diversifizierten Portfolio den maximalen Rückgang um 50 bis 90 Basispunkte reduzieren kann – in Szenarien, die von Aktiencrashs bis hin zu Kreditengpässen reichen.

Die Chance für Untergewichtungen
Ich sehe in der aktuellen Untergewichtungsthematik ein erhebliches Potenzial.
Wir erleben derzeit eine Phase außergewöhnlicher Kapitalkonzentration: Auf der einen Seite fließen Billionen in KI-Plattformen und eine Handvoll Megacaps, auf der anderen Seite bleiben Gold und Silber – trotz ihrer Rekordstände – in den meisten Portfolios deutlich unterrepräsentiert.
Was bietet in einem solchen Umfeld Ihrer Meinung nach die größere Sicherheitsspanne?
Gerade ältere Anleger sollten hier aufmerksam werden. Viele erinnern sich noch gut an den Dotcom-Crash: Selbst Amazon – heute das fünftgrößte Unternehmen der Welt nach Marktkapitalisierung – verlor damals zwischen dem Hoch im Dezember 1999 und dem Tief im Oktober 2001 mehr als 90 % seines Wertes. Im selben Zeitraum stieg Gold um rund 5 % – keine spektakuläre Rendite, aber genug, um die Verluste in anderen Teilen des Portfolios spürbar abzufedern.
Ich sage nicht, dass Sie Ihre Mag-7-Aktien verkaufen sollten. Aber es wäre ein Fehler, die bewährten Vermögenswerte zu ignorieren, die seit Jahrtausenden dazu beitragen, das Vermögen von Königshäusern wie auch von Privatanlegern zu schützen.
