Die beste KI-Aktie im März (+46% in 3 Wochen)
Momentum-Strategien richten ihren Fokus nicht auf Bewertungen oder Fundamentaldaten. Stattdessen nutzen sie Kursverhalten und relative Stärke, um Wertpapiere zu identifizieren, die an Dynamik gewinnen oder verlieren. Angesichts der ausgeprägten Rotationsbewegungen und der daraus resultierenden erheblichen Performance-Unterschiede zwischen Sektoren und Faktoren könnte man davon ausgehen, dass Momentum-Ansätze besonders profitieren. In der Praxis zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild: Während einige Strategien überzeugen, bleiben andere hinter den Erwartungen zurück.
Eine zentrale Schwäche bestimmter Momentum-Modelle liegt in der verzögerten Signalgebung. Der Einstieg erfolgt häufig erst in einem späten Stadium eines Trends - oftmals dann, wenn ein Großteil der Kursbewegung bereits realisiert wurde. Gleichzeitig werden Ausstiege teils erst nach einsetzenden Verlusten ausgelöst. Diese Verzögerungen erhöhen das Risiko, überdehnten Trends nahe ihrer Höchststände zu folgen und bei abrupten Führungswechseln am Markt Rückschläge zu erleiden.
Zur Illustration dieser Problematik betrachten wir Ergebnisse von SimpleVisor. Das Modell nutzt den iShares USA Momentum Factor ETF (NYSE:MTUM), um die relative und absolute technische Verfassung von Momentum-Strategien zu bewerten.
Die linke Grafik zeigt die Überrenditen der Faktoren relativ zum S&P 500 über die vergangenen 30 Handelstage. Rund zwei Drittel der Faktoren entwickelten sich klar besser als der Gesamtmarkt, während großkapitalisierte Wachstumswerte zurückblieben. Das hervorgehobene rote Rechteck verdeutlicht, dass der MTUM-ETF im Ergebnis lediglich mit dem Markt Schritt hielt.
Die rechte Grafik signalisiert ein anderes Bild: MTUM erscheint fair bewertet, Value wird als deutlich überkauft ausgewiesen, Growth hingegen als klar überverkauft. Gleichzeitig verschiebt sich MTUM graduell von Growth in Richtung Value - allerdings mit erkennbarer Verzögerung. Daraus ergibt sich eine naheliegende Frage: Erfolgt die Umschichtung in Richtung Value und zulasten von Growth möglicherweise zu einem Zeitpunkt, an dem der Markt bereits vor einer erneuten Rotation zurück in Growth steht?
Momentum-Strategien entfalten ihre Stärken typischerweise in Marktphasen mit stabilen, anhaltenden Trends. In Umfeldern, die durch schnelle und ausgeprägte Rotationen geprägt sind - oder in frühen Phasen neuer Trendbewegungen - können hingegen strukturelle Schwächen sichtbar werden.

Reflation kaufen, Growth verkaufen
Wie die nachfolgende Darstellung zeigt, hat die Rotation in Richtung konjunktursensibler Sektoren sowie substanz- und defensivorientierter Aktien zuletzt deutlich an Dynamik gewonnen - zulasten von Technologie- und Wachstumswerten. Die aktuell ausgeprägte Spreizung der Renditen dürfte sich in den kommenden Tagen oder Wochen wieder normalisieren. Maßgeblich wird sein, welche Faktoren Anleger dazu bewegen könnten, ihr Verhalten anzupassen und eine ausgewogenere Renditeverteilung über Sektoren und Faktoren zuzulassen.
Wir sehen zwei mögliche Einflussgrößen. Erstens könnte der Reflationstrend an Überzeugungskraft verlieren. Der Verbraucherpreisindex (CPI) fiel in der vergangenen Woche niedriger aus als erwartet, während weitere Preisindikatoren auf nachlassenden Preisdruck in den kommenden Monaten hindeuten. Ein kräftiger Wirtschaftsaufschwung bei gleichzeitig rückläufiger Inflation wirkt widersprüchlich. Darüber hinaus signalisieren - mit Ausnahme des jüngsten Arbeitsmarktberichts des BLS - andere Arbeitsmarktindikatoren weiterhin Schwäche. Auch das steht nicht im Einklang mit einem klassischen Reflationsszenario.
Zweitens rückt Nvidia (NASDAQ:NVDA) verstärkt in den Fokus. Der Quartalsbericht in der kommenden Woche könnte den Optimismus für Technologie- und Wachstumswerte neu entfachen. Erwartet wird, dass das Unternehmen die Gewinnprognosen übertrifft und seine Wachstumsperspektiven erneut anhebt. Vor dem Hintergrund der zuletzt schwachen Kursentwicklung vieler Sektorwerte - insbesondere im Softwaresegment - könnten die Zahlen am Mittwoch eine Rotation von Value zurück in Growth begünstigen.
Zu berücksichtigen bleibt, dass zwar eine Rotation in Richtung Growth erwartet wird, deren Nachhaltigkeit jedoch offen ist. Technische Indikatoren und Analysen dürften entscheidend sein, um die Marktreaktionen und deren Tragfähigkeit zu bewerten, sobald entsprechende Signale sichtbar werden.




