Konjunktur-Schock! Wirtschaft wächst nur halb so stark wie erwartet

Veröffentlicht am 20.02.2026, 20:44

Der Regierungsstillstand wirkte sich stärker auf die Wirtschaft aus als ursprünglich prognostiziert, während von der Handelsentwicklung keine nennenswerten Wachstumsimpulse ausgingen.

Gleichzeitig präsentieren sich die zugrunde liegenden Verbraucher- und Investitionsdaten weiterhin robust. Allerdings mangelt es beiden Bereichen an Breite. Die wirtschaftliche Dynamik wird vor allem von Technologieinvestitionen sowie einkommensstarken Verbrauchern getragen.

Das zugrunde liegende Wachstum bleibt trotz Regierungsschock stabil

Die jüngsten US-Daten sorgten für Überraschung. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs im vierten Quartal 2025 auf annualisierter Quartalsbasis lediglich um 1,4% und blieb damit klar unter der Konsensschätzung von 2,8%. Gleichzeitig fiel das von der Fed bevorzugte Inflationsmaß, der Kern-PCE-Deflator für Dezember, mit +0,4% zum Vormonat und 2,9% zum Vorjahr höher aus als erwartet (Konsens: 0,3% bzw. 2,8%).

Noch in Davos hatten Regierungsvertreter ein BIP-Wachstum von über 5% für das vierte Quartal in Aussicht gestellt. Diese Erwartung wirkte jedoch ambitioniert. Sie stützte sich auf den GDPNow-Indikator der Atlanta Fed, der für Oktober eine außergewöhnlich starke Handelsdynamik unterstellte und eine Wiederholung dieses Effekts im November und Dezember implizierte. Dazu kam es nicht. Die Importe zogen in den letzten beiden Monaten des Jahres wieder an, sodass der Außenhandel letztlich lediglich 0,1 Prozentpunkte zum Gesamtwachstum beitrug.

Als deutlichere Belastung erwies sich der sechswöchige Regierungsstillstand. Der annualisierte Rückgang der Bundesausgaben um 16,6% reduzierte die Wachstumsrate um 1,15 Prozentpunkte. Abseits dessen zeigte sich der Konsum mit einem annualisierten Plus von 2,4% solide. Die Investitionen legten um 3,8% zu, obwohl die Wohnungsbauinvestitionen bereits das vierte Quartal in Folge rückläufig waren.

K-förmig: Fehlende Breite bleibt ein Risikofaktor

Die Wiederaufnahme der Regierungstätigkeit dürfte das BIP im ersten Quartal 2026 stützen. Die Handelsdynamik hat sich hingegen offenbar normalisiert und könnte damit leicht bremsend wirken.

Insgesamt bleibt das konjunkturelle Grundbild stabil. Für 2026 zeichnet sich das sechste Jahr in Folge mit einem BIP-Wachstum von mehr als 2% ab. Die fehlende Breite stellt jedoch weiterhin einen Risikofaktor dar.

Die nachstehende Grafik zur Unternehmensinvestitionstätigkeit verdeutlicht diese Entwicklung. Technologiebezogene Investitionen - insbesondere in Software und IT - liegen nahezu 25% über dem Vorjahresniveau. Demgegenüber sind alle übrigen Unternehmensinvestitionen in den USA inzwischen das fünfte Quartal in Folge rückläufig.

Eine mögliche Erklärung ist eine zunehmende Priorisierung technologischer Wettbewerbsfähigkeit. Unternehmen könnten ihre Mittel verstärkt in diesen Bereich lenken und dadurch andere Investitionen sowie Neueinstellungen verdrängen. Das Wachstum zeigt damit eine wachsende Konzentration und stützt die These einer K-förmigen Wirtschaftsentwicklung.

Nichtwohnwirtschaftliche private Anlageinvestitionen (YoY%)

Quelle: Macrobond, ING

Ein vergleichbares Muster zeigt sich im US-Konsum. Die einkommensstärksten 20% der Haushalte halten ihre Ausgaben auf hohem Niveau, getragen von stabilen Einkommen und steigenden Vermögenswerten.

Demgegenüber stehen die unteren 60% zunehmend unter Druck. Belastend wirken vor allem Sorgen um die Arbeitsplatzsicherheit sowie mögliche, zollbedingte Preissteigerungen. Steuerliche Anpassungen könnten Haushalte mit niedrigeren Einkommen zwar teilweise entlasten, zudem werden höhere Steuererstattungen erwartet.

Die real verfügbaren Haushaltseinkommen stagnieren jedoch weitgehend. In den vergangenen fünf Monaten lagen die monatlichen Veränderungen bei 0, 0,1, -0,1, 0,1 und 0,1%. In der Folge sank die Sparquote auf 3,6% - abgesehen von der Pandemie der niedrigste Stand seit der Finanzkrise 2008.

Inflation dürfte im Januar moderater ausfallen

Die zuletzt leicht erhöhten Inflationsdaten geben aus heutiger Sicht keinen Anlass zu größerer Besorgnis. Der Kernverbraucherpreisindex (CPI) für Januar fiel insgesamt moderat aus und wäre ohne den Anstieg der Flugpreise um 6,5% zum Vormonat noch niedriger ausgefallen.

Für den Kern-PCE-Deflator im Januar zeichnen die entsprechenden Erzeugerpreisdaten ein Bild geringeren Preisdrucks bei Flugtickets. Daraus ergibt sich die Möglichkeit eines Monatsanstiegs von 0,2%.

Ungeachtet dessen gilt eine Zinssenkung der US-Notenbank vor dem Führungswechsel an der Fed-Spitze im Mai als wenig wahrscheinlich. Zinsschritte werden derzeit für Juni und September erwartet.

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