In Argentinien herrscht Aufbruchstimmung: Bergbau CEOs äußern sich positiv zu den gesetzlichen Änderungen im Land. Investitionen der Branche spielen in den Plänen des Präsidenten eine zentrale Rolle.
Der argentinische Präsident Javier Miller hat einige Erfolge vorzuweisen. Die monatliche Inflationsrate sank laut der argentinischen Notenbank von 20,6 % im Januar 2024 (dem ersten vollen Monat nach dem Amtsantritt) auf 2,4 % im Februar. Dies ist vor allem Ausgabenkürzungen zuzuschreiben: Die Regierung hat die Deckung des Defizits durch Gelddrucken gestoppt.
RIGI: Weniger Steuern, mehr regulatorische Sicherheit
Zu den zentralen Säulen des durch Milei angestrebten wirtschaftlichen Aufschwungs zählt der Bergbau. Das Gesetzespaket RIGI (Régimen de Incentivo para Grandes Inversiones) zielt auf Investitionen ab 200 Millionen USD ab. RIGI sieht einen Körperschaftssteuersatz von 25 % statt 35 % und regulatorische Stabilität für 30 Jahre vor und erlaubt zudem – als große Neuerung – die externe Schlichtung von Streitigkeiten. Nach drei Jahren lockert RIGI die Beschränkungen für den US-Dollar-Kauf und die Gewinnrepatriierung.
Die Branche zeigt sich mit dem Ergebnis zufrieden. Rob McEwen von McEwen Mining (ISIN: US58039P3055, WKN: A3DMEX) etwa sagt: "Milei hat die Spielregeln deutlich geändert". McEwen Mining betreibt das 3 Milliarden USD schwere Kupferprojekt Los Azules. "Er wird die Bürokratie abbauen, Genehmigungen schneller einholen, das Geld investieren und Kapital anlocken."
Tatsächlich fallen in die noch junge Amtszeit des Präsidenten mehrere große Transaktionen wie der Deal zwischen BHP (ASX:BHP) (ISIN: AU000000BHP4, WKN: 850524) und Lundin Mining (ISIN: CA5503721063, WKN: A0B7XJ) für Filo Corp (4,1 Milliarden USD) und Rio Tintos (ISIN: GB0007188757, WKN: 852147) Kauf von Arcadium Lithium für 6,7 Milliarden USD.
Von den elf Unternehmen, die sich im Rahmen des RIGI-Programms bislang beworben haben, stammen sechs aus dem Bergbau. Bergbauminister Luis Lucero rechnet damit, dass bis zum Ende des Jahres zehn Bergbauunternehmen mit einer Gesamtinvestition von 15 Milliarden USD auf der Liste vertreten sein werden.
"Die Unternehmen haben zum Ausdruck gebracht, dass dieses RIGI-System für ihre Entscheidung, Argentinien als Investitionsstandort auszuwählen, von entscheidender Bedeutung war", betonte Lucero im März. Insbesondere wäre es nicht zu so großen Investitionen in Kupferprojekte gekommen wie sie nun zu sehen seien.
Argentinische Kupfer- und Lithiumpipeline füllt sich
Zwei Projekte von Glencore (LON:GLEN) (ISIN: JE00B4T3BW64, WKN: A1JAGV), El Pachón und MARA, sowie das Kupfer-, Molybdän- und Goldtagebauprojekt Taca Taca von First Quantum Minerals (TSX:FM) (ISIN: CA3359341052, WKN: 904604) mit 3,6 Mrd. USD Investitionsvolumen, Josemaría von Lundin und Los Azules von McEwen sollen gegen Ende des Jahrzehnts ihre Produktion aufnehmen. Zusammen könnten diese Projekte Berechnungen des Analyseunternehmens CRU bis 2040 rund 47 Mrd. USD zur argentinischen Wirtschaft beitragen. McEwen Mining hat sich im Rahmen von RIGI beworben.
Lucero zufolge kommen für RIGI auch Projekte in Betracht, die schon lange bekannt sind. Diese können nun in die Investitionsphase übertreten, nachdem die Bedingungen für Großinvestitionen zuvor nicht gegeben waren.
Die ausländischen Investitionen sollen die gebeutelten Devisenreserven des Landes (derzeit rund 48 Mrd. USD) stärken. Perspektivisch könnten irgendwann die bestehenden Kapitalkontrollen abgeschafft werden – ein zentraler Schritt auf dem Weg in außenwirtschaftliche Normalität. Versprochen hat Milei dies für 2026.
Es gibt allerdings auch Probleme. Dazu zählt die Aufwertung des Peso, der seit dem Amtsantritt um 47 % zugelegt hat. Was Argentiniern mehr Kaufkraft auf dem Weltmarkt verleiht, erhöht die Betriebskosten der ausländischen Unternehmen vor Ort.
Kapitalkontrollen bleiben ein Problem, könnten aber 2026 fallen
Thiago Amâncio, leitender Berater bei Control Risks in São Paulo. äußerte gegenüber The Northern Miner die Einschätzung: "Trotz bemerkenswerter Fortschritte, wie etwa der Senkung der Inflation, stellt die Beibehaltung der Kapitalkontrollen für Projekte, die nicht von RIGI profitieren, zusammen mit den anhaltenden wirtschaftlichen Unsicherheiten weiterhin ein erhebliches Risiko für in Argentinien tätige ausländische Unternehmen dar."
Minister Lucero betont, Argentinien sei die attraktivste Option in Lateinamerika. "Bolivien hat sich Investitionen verschlossen. Chile verfolgt einen anderen Ansatz. Im Lithium-Dreieck ist Argentinien der richtige Standort, und wir arbeiten daran, es so wirtschaftsfreundlich wie möglich zu gestalten", so der Minister. Zudem durchlebe sein Land eine "einzigartige oder beispiellose Zeit, in der die rohstoffreichen Provinzen, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, das Wachstumspotenzial des Bergbaus erkannt haben."
Lucero will den Bergbau zur wichtigsten Einnahmequelle der Provinzen im Westen, Nordwesten und Patagonien des Landes machen. "Wir haben 100 Jahre lang andere Strategien ausprobiert und sind gescheitert", sagte der Minister. "Es ist an der Zeit zu erkennen, dass wir weiterhin scheitern werden, wenn wir so weitermachen wie vor Präsident Milei."
First Quantum CEO Tristan Pascall bestätigt die Aufbruchstimmung im Land: "Argentinien scheint sich für die richtigen Partner zu öffnen, die möglicherweise ebenfalls an Bord kommen, während wir die Finanzierungsstrategie für das Projekt entwickeln", so Pascall. "Die Absicht der Regierung, das Investitionsklima zu verbessern, ist klar: Der Fokus liegt auf Haushaltsdisziplin und Marktzugang."