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Könnten Rechenzentren und das Stromnetz die nächste Rettung für die Vereinigten Staaten sein? Mit einer Staatsverschuldung von über 37 Bio. USD und Zinszahlungen, die inzwischen höher ausfallen als die Verteidigungsausgaben, ist in zahlreichen Artikeln bereits von einer drohenden „Schuldenapokalypse“ die Rede gewesen. Auch wir haben dieses Thema in mehreren Beiträgen aufgegriffen. Dort hieß es unter anderem:
In den vergangenen Monaten stand die wachsende Verschuldung und das steigende Haushaltsdefizit der USA immer wieder im Fokus. Ein Beispiel dafür ist diese aktuelle Schlagzeile von CNBC:

Der Artikel weist darauf hin, dass die Defizite der US-Bundesregierung in die Höhe schnellen, weil die Ausgaben durch die Kombination aus Steuersenkungen, umfangreichen Konjunkturprogrammen und steigenden Sozialausgaben explodieren. Institutionen wie Yale, Wharton und das CBO warnen, dass dieser Trend die Zinslast immer weiter nach oben treibt – inzwischen sogar über die Verteidigungsausgaben hinaus. Damit wächst verständlicherweise auch die Sorge um die Zahlungsfähigkeit des Landes. Prominente Stimmen in den Medien – von Larry Summers bis Ray Dalio – betonen, dass dringend drastische Maßnahmen nötig sind, um eine neue „Finanzkrise“ abzuwenden.
Wie wir in diesem Artikel bereits diskutiert haben, wiederholen sich die Untergangspropheten seit zwei Jahrzehnten regelmäßig – und doch lief der amerikanische Wachstumsmotor unbeirrt weiter. Vor allem Ray Dalio und Larry Summers scheinen nur eine Lösung zu kennen: Ausgaben kürzen. Doch dieser Ansatz hätte gravierende wirtschaftliche Folgen.
Außerdem sollten Anleger ein zentrales Prinzip der Rechnungslegung verstehen: Staatsschulden sind das Vermögen der privaten Haushalte. In der Buchhaltung gilt: jedes Soll hat ein Haben, die Summe ist immer null. Konkret bedeutet das: Wenn der Staat Schulden aufnimmt (eine Belastung), fließt das Geld in Form von Ausgaben für Infrastruktur, Verteidigung oder Sozialleistungen in die Wirtschaft. Auf den Konten von Haushalten und Unternehmen wird dieses Geld dann als Guthaben verbucht. Steigt also das Defizit, steigt auch die wirtschaftliche Aktivität – sinkt es, geht die Aktivität zurück. Mit anderen Worten: Wer einen drastischen Defizitabbau fordert, ruft in Wahrheit nach einer tiefen Rezession. - Das Defizit-Narrativ
Ein weiteres Problem: Ausgabenkürzungen sind geldpolitisch riskant, während Steuererhöhungen das Wachstum bremsen.
Die Lösung, die von den meisten Mainstream-Stimmen gerne übersehen wird, liegt in der Steigerung von Produktivität und BIP durch Investitionen des privaten Sektors. Mit anderen Worten: Die USA könnten sich aus dem Schuldenproblem „herauswachsen“ – so wie es schon nach dem Zweiten Weltkrieg gelungen ist.
Und genau hier könnten der Boom der KI-Rechenzentren und der enorme zusätzliche Strombedarf ins Spiel kommen.
Der Wirtschaftsmotor der Investitionen
Der Ausbau von Rechenzentren und des Stromnetzes könnte die besten Chancen für ein nachhaltiges Wachstum bieten. Das Investitionsvolumen ist groß genug, um gesamtwirtschaftlich relevant zu sein, die Multiplikatoreffekte sind hoch, und der Zeitplan fällt genau in die Phase, in der der fiskalische Druck seinen Höhepunkt erreichen dürfte.
Rechenzentren bilden das Rückgrat der digitalen Wirtschaft. Ohne sie funktionieren weder KI-Modelle noch Cloud-Plattformen oder Automatisierung. Jedes große KI-Modell benötigt Tausende von Grafikprozessoren, die in eigens dafür errichteten Anlagen betrieben werden. Dabei geht es längst nicht mehr um einfache Serverräume, sondern um Industriekomplexe im Wert von über 1 Mrd. USD. Damit diese „Datenfabriken“ tatsächlich Wachstumseffekte entfalten, sind jedoch massive Investitionen nötig – gemessen an einer US-Wirtschaft mit einem nominalen Volumen von rund 30 Bio. USD.
Um welche Dimensionen geht es? Wie wir in unserem früheren Artikel zur Nachfrage nach Rechenzentren beschrieben haben, erwartet McKinsey, dass die Investitionen in diesem Bereich bis 2030 weltweit auf 7 Bio. USD steigen werden – mehr als 40 % davon in den USA. Zudem prognostiziert der jüngste Quartalsbericht von Nvidia, dass die Investitionsausgaben für Rechenzentren bei Apple (NASDAQ:AAPL), Meta Platforms (NASDAQ:META), Microsoft (NASDAQ:MSFT) und Alphabet (NASDAQ:GOOGL) bis 2030 insgesamt 4 Bio. USD erreichen könnten – also rund 1 Bio. USD pro Jahr.

Ein Rechenzentrum braucht jedoch auch Strom.
Rechenzentren brauchen Strom
Nach Angaben des Energieministeriums könnte sich der Stromverbrauch von Rechenzentren in den USA bis 2028 verdoppeln oder sogar verdreifachen. Deloitte erwartet, dass der durch KI verursachte Strombedarf von Rechenzentren bis 2035 auf das 30-fache steigt – auf 123 Gigawatt. Das ist mehr als der gesamte Bedarf aller Haushalte in Kalifornien. Um dies zu bewältigen, müssen neue Umspannwerke, Übertragungsleitungen und Kraftwerke gebaut werden. Laut Edison Electric Institute, dem Verband der US-Energieversorger, werden die Unternehmen in den Jahren 2025 bis 2029 mehr als 1,1 Bio. USD investieren, um diesen Bedarf zu decken.
Dieser Infrastrukturboom ist unausweichlich. Die Weiterentwicklung der KI erfordert extrem geringe Latenzzeiten, die nur mit lokalen Kapazitäten und einer stabilen Stromversorgung möglich sind. Da Rechenzentren kapitalintensiv und für Unternehmen geschäftskritisch sind, könnte jährlich zwischen 1,25 und 1,5 Bio. USD an Investitionen auf die US-Wirtschaft zukommen.
Warum ist das relevant für die Diskussion um „Schulden im Verhältnis zum BIP“? Großinvestitionen gehören zu den wenigen Faktoren, die langfristiges Wachstum nachhaltig fördern. Anders als Konjunkturprogramme oder Steuergutschriften führen Infrastrukturausgaben zu dauerhaften Produktivitätssteigerungen – und erste Effekte sind bereits sichtbar.
Eine PwC-Studie für die Data Center Coalition, den Branchenverband der Rechenzentren, zeigt: Von 2017 bis 2021 leisteten US-Rechenzentren einen Beitrag von 2,1 Bio. USD zum BIP – noch bevor die KI-Dynamik richtig einsetzte. Laut Reuters entfiel im zweiten Quartal 2025 bereits mehr als ein Drittel des realen BIP-Wachstums auf KI-bezogene Investitionen, die das Quartalsergebnis um rund 0,4 Prozentpunkte erhöhten.
Der Multiplikatoreffekt
Doch es geht nicht nur um jährliche Investitionen von rund 1 Bio. USD. Diese Projekte erzeugen auch eine enorme vorgelagerte Nachfrage – nach Bauleistungen, Energieanlagen, Halbleitern, Kühlsystemen und Fachkräften. Davon profitieren Ingenieurwesen, Immobilien, Logistik und Versorgungsunternehmen gleichermaßen. Vor allem aber schaffen sie die Grundlage für nachhaltige Produktivitätssteigerungen. Sobald sie in Betrieb sind, senken KI-Systeme Kosten, verbessern die Entscheidungsfindung und ermöglichen Skaleneffekte in Branchen vom Gesundheitswesen bis zur Fertigung. Mit anderen Worten: Diese Projekte haben einen klaren „Multiplikatoreffekt“.
Die American Society of Civil Engineers (ASCE) schätzt, dass jede Investition von 1 Mrd. USD in die Infrastruktur 13.000 Arbeitsplätze schafft und das BIP über einen Zeitraum von zehn Jahren um 3 Mrd. USD erhöht.
Wenn also bis 2030 die geplanten 5 Bio. USD an kombinierten Investitionen in KI-Rechenzentren und Stromerzeugung realisiert werden, könnte die US-Wirtschaft ein zusätzliches Wachstum von rund 15 Bio. USD erfahren. Das folgende Schaubild zeigt die durchschnittliche 5-Jahres-Wachstumsrate des nominalen BIP sowie die Prognose für die kommenden Jahre.

Die nachfolgende Abbildung basiert auf der Annahme, dass die USA weiterhin im gleichen durchschnittlichen vierteljährlichen Tempo wie seit 2021 neue Schulden aufnehmen. Der Unterschied: Statt Mittel zu vergeuden, fließen sie gezielt in produktive Investitionen – während alle bestehenden Ausgabenprogramme und Verpflichtungen bestehen bleiben. Legt man konservative Wachstumsschätzungen zugrunde, die sich aus diesen Investitionen ergeben, dürfte die „Schuldenquote“ ab 2026 sinken und bis 2030 auf ein tragfähigeres Niveau zurückkehren.

Das ist zwar keine Garantie – aber deutlich realistischer als das Szenario einer „Schuldenkrise“, die die USA in eine tiefe wirtschaftliche Depression stürzt.
Risiken und Hürden
Die Wachstumschancen sind erheblich, aber nicht ohne Risiken. Auch wenn Pessimisten regelmäßig Alarm schlagen, wenn es um die Höhe von Schulden und Defiziten geht, müssen die von ihnen prognostizierten schweren wirtschaftlichen Verwerfungen nicht zwangsläufig eintreten.
Goldman Sachs schreibt dazu:
"Die Generative Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, viele Arbeitsaufgaben zu automatisieren und damit das weltweite Wirtschaftswachstum zu beschleunigen. Ab 2027 wird KI messbare Auswirkungen auf das BIP der Vereinigten Staaten haben und in den Folgejahren auch das Wachstum anderer Volkswirtschaften weltweit beeinflussen. Die Prognose basiert auf der Annahme, dass KI langfristig rund 25 % der Arbeitsaufgaben in den Industrieländern und 10–20 % der Aufgaben in den Schwellenländern automatisieren könnte.“
Aktuell rechnet Goldman Sachs mit einem zusätzlichen Wachstumsschub von 0,4 Prozentpunkten für das US-BIP durch KI.

Produktivitätssteigerungen, gezielte Kapitalinvestitionen und eine steigende Nachfrage nach Arbeitskräften für den Infrastrukturausbau – verbunden mit höheren Löhnen – dürften den notwendigen Konjunkturschub liefern.
Fazit
Wird das alle aktuellen sozioökonomischen Probleme der USA lösen? Nein. Aber es könnte den notwendigen Wachstumsschub liefern, um Wirtschaft und Wohlstand in den USA wiederzubeleben – in einem Ausmaß, wie wir es seit den 1970er-Jahren nicht mehr gesehen haben. Dennoch sind diese Aussichten mit Risiken verbunden.
So könnte das Ausgabenvolumen die Strompreise in die Höhe treiben. Eine Studie der NC State University zeigt, dass die Preise bis 2030 landesweit um 8 % steigen könnten, in einzelnen Regionen sogar um 20–25 %. Ohne ein gutes Management könnte das die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie beeinträchtigen.
Auch die Beschäftigungseffekte sind begrenzt: Rechenzentren sind hochautomatisierte Produktionsstätten. Nach der Bauphase werden dort nur noch wenige Mitarbeiter benötigt – eine Anlage im Wert von 1 Mrd. USD beschäftigt vielleicht gerade einmal 100 Vollzeitkräfte.
Hinzu kommen lokale Widerstände. Großprojekte beanspruchen Land, Wasser und Energie, Gemeinden wehren sich gegen Steueranreize und Umweltkosten. Mehrere Landkreise haben bereits Moratorien verhängt. Dazu kommen Genehmigungsverzögerungen: Die durchschnittliche Wartezeit für neue Stromprojekte beträgt über drei Jahre. Ohne Reformen werden viele KI-Investitionen verschoben oder ins Ausland verlagert.
Damit sich das wirtschaftliche Potenzial voll entfalten kann, muss die Politik mit ins Boot.
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Genehmigungen straffen: Umweltprüfungen, Netzanbindung und Flächennutzung schneller und effizienter gestalten.
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Öffentlich-private Partnerschaften fördern: Infrastruktur und nationale Sicherheit stehen auf dem Spiel.
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Steuerpolitik justieren: Verzerrungen vermeiden – Subventionen sollten nicht in ohnehin rentable Projekte fließen.
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Fokus auf geteilte Infrastruktur: etwa Übertragungsleitungen, regionale Datenknoten und mehr Versorgungssicherheit.
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Klare Regeln für Versorger: herkömmliche Kostenmodelle passen nicht mehr zur Dynamik der KI-Nachfrage; leistungsabhängige Tarife oder Eigenkapitalrendite-Mechanismen könnten nötig werden.
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Breite Energiepolitik: neben Solar- und Windkraft auch Erdgas, Kernkraft und moderne Speicher einbeziehen, um eine zuverlässige Versorgung sicherzustellen.
Das Ziel ist klar: Energie im Überfluss. Mit hoher Zuverlässigkeit, niedrigen Preisen und skalierbarer Infrastruktur lassen sich private KI-Investitionen anziehen – und so neues Wachstum entfesseln.
Vielleicht reicht das zumindest, um den befürchteten Niedergang der USA auf absehbare Zeit zu verhindern.

