So verdienst du wirklich Geld an der Börse - diese Wahrheit tut weh

Veröffentlicht am 19.01.2026, 10:54

„Ich führe Statistiken über meine Händler. Mein bester Trader verdient nur in 63 Prozent der Fälle Geld. Die meisten Händler liegen lediglich in einer Spanne von 50 bis 55 Prozent richtig. Das bedeutet, dass man sehr häufig falsch liegt. Wenn dem so ist, muss sichergestellt werden, dass Verluste möglichst klein bleiben und Gewinne entsprechend größer ausfallen.“ - Steve Cohen

Diese Aussage bringt eine unbequeme Realität auf den Punkt, die viele Makro-Investoren erst verinnerlichen müssen: In der Praxis werden wir nur in etwa 50 bis 55 Prozent der Fälle richtig liegen.

Liegt die eigene Trefferquote deutlich darüber, sollte dies kritisch hinterfragt werden. Entweder ist der betrachtete Handelszeitraum zu kurz gewählt - oder es handelt sich nicht um klassische Makro-Trades, sondern um Strategien, die primär Optionalität verkaufen. Short-Volatilitäts- und Optionsstrategien können zwar Trefferquoten von über 90 Prozent aufweisen, gehen jedoch mit dem Risiko seltener, dafür umso gravierenderer Verluste einher.

Über die vergangenen zehn Jahre habe ich mit richtungsorientierten Makro-Trades eine langfristige Trefferquote von 53 Prozent erzielt.

Als mir diese Erkenntnis klar wurde - und vor dem Hintergrund, dass sich die Jahresend-Performance mit der folgenden Formel beschreiben lässt:

P&L-Formel

...wurde mir klar, dass es entscheidend ist, die Größe der Verluste strikt zu kontrollieren.

Erreichen lässt sich das im Kern über zwei Stellschrauben: eine angemessene Positionsgröße sowie ein regelbasiertes Vorgehen, das es erlaubt, Gewinne laufen zu lassen.

Vor diesem Hintergrund gehe ich bei jedem taktischen Trade, den ich eingehe, systematisch die folgenden Punkte durch:

Checklist

Die Punkte 1 bis 3 dienen in erster Linie dazu, Emotionen zu kontrollieren und den Trade nüchtern und rational zu beurteilen.

Die Punkte 4 bis 6 betreffen dagegen die konkrete Umsetzung der Position.

Eine wichtige Warnung: Short-Carry-Trades (ebenso wie Long-Optionen) sind über längere Zeiträume kostspielig, wenn sich der Markt nicht bewegt.

Ein weiterer Hinweis: In stark volatilen Seitwärtsmärkten besteht die Gefahr, mit linearen Trades schnell ausgestoppt zu werden - selbst dann, wenn die zugrunde liegende Marktannahme korrekt ist. Entsprechend sollte stets geprüft werden, ob das aktuelle Umfeld eher lineare Positionen oder Optionsstrategien begünstigt.

Ebenso entscheidend ist es, nicht unreflektiert neue Trades einzugehen. Prüfen Sie, ob eine neue Position nicht lediglich eine weitere Ausprägung einer bereits bestehenden Wette darstellt. Ich habe mehrfach erlebt, dass Händler ihr gesamtes Kapital verloren haben, weil ihre vermeintlich zehn unterschiedlichen Trades letztlich ein und derselbe Risikofaktor waren.

Von zentraler Bedeutung ist jedoch Punkt 7: Positionsgröße und Risikomanagement bestimmen den Großteil des Jahresergebnisses.

Wie dieses Prinzip praktisch angewendet wird, lässt sich an einem einfachen Beispiel verdeutlichen.

Angenommen, Sie erwarten, dass der S&P 500 im kommenden Monat weiter zulegt: Wie viele Anteile des SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) kaufen Sie?

Kumulative Wahrscheinlichkeiten

Sie könnten sich mit Ihrem Einstieg ebenso gut in der oberen wie in der unteren Hälfte dieser Verteilung befinden - zum Zeitpunkt des Trades ist das nicht absehbar.

Gerade weil diese Unsicherheit besteht, ist es entscheidend, die Positionsgröße im Vorfeld zu standardisieren.

Eine bewährte Methode, um taktische Positionen so zu skalieren, dass sie das Jahresergebnis nicht unverhältnismäßig verzerren, ist eine volatilitätsadjustierte Positionsgröße. Wie dieses Vorgehen konkret aussieht, lässt sich am Beispiel des SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) nachvollziehen.

Volatilitätsadjustierte Positionsgröße

Wir setzen den Stopp bei 1,5 Standardabweichungen und definieren den Anlagehorizont in diesem Beispiel auf einen Monat.

Beim SPDR S&P 500 ETF Trust entspricht ein typisches negatives 1,5-Sigma-Ereignis auf Monatsbasis - berechnet über einen Zeitraum von fünf Jahren - einem Rückgang von 7,6 Prozent.

Der betrachtete Zeitraum lässt sich flexibel anpassen, ebenso die Gewichtung jüngerer Marktphasen, sofern das aktuelle Volatilitätsregime als aussagekräftiger eingeschätzt wird (graue Felder).

Unter der Annahme normalverteilter Renditen würden wir innerhalb des definierten Zeitraums in 6,7 Prozent der Fälle ausgestoppt werden.

Da Renditen in der Praxis jedoch häufig anderen Verteilungen folgen, ist es sinnvoll, die tatsächliche empirische Ausstopp-Wahrscheinlichkeit mit der theoretischen Annahme von 6,7 Prozent zu vergleichen (orange Felder).

Im nächsten Schritt wird festgelegt, welcher feste Prozentsatz des verwalteten Kapitals bei einem einzelnen Makro-Trade maximal verloren gehen darf.

Ein fiktives Handelskonto mit einem Volumen von einer Million US-Dollar, das pro Trade maximal 20.000 Dollar riskieren möchte und für einen Monat bullisch auf den SPY setzt, würde bei einem Kurs von 437 Dollar insgesamt 571 SPY-Anteile erwerben. Der Stopp läge bei 402 Dollar (minus 7,6 Prozent beziehungsweise 1,5 Sigma), der potenzielle Verlust entspräche damit 20.000 Dollar oder zwei Prozent des verwalteten Kapitals.

Glückwunsch - Sie haben soeben eine volatilitätsadjustierte Positionsgröße angewendet.

Welche Vorteile bietet dieser Ansatz?

Er macht Sie unabhängig vom „Volatilitätsglück“: Sind alle Positionen nominal gleich groß, bestimmen am Jahresende allein die volatilsten Assets über Gewinn oder Verlust – das ist Zufall, kein systematisches Handeln.

Er macht Sie unabhängig von Ihrer subjektiven Überzeugung: Vor dem Einstieg wissen Sie nicht, ob Sie zu den richtigen oder falschen 50 Prozent gehören. Eine Position größer oder kleiner zu wählen, nur weil sich die eigene Überzeugung stärker anfühlt, ist daher nicht begründbar.

Zudem ist der Ansatz hochgradig flexibel: Er eignet sich für Daytrader ebenso wie für taktische Makro-Investoren. Stopps können je nach Strategie enger oder weiter gefasst werden.

Damit verfügen Sie über einen datenbasierten Makro-Ansatz, Werkzeuge zur Analyse globaler Märkte sowie eine klare „Nicht-dumm-handeln“-Checkliste, um die Trefferquote in Richtung 55 Prozent zu verschieben - ergänzt um ein volatilitätsadjustiertes Positionsgrößensystem, das große Verluste von vornherein begrenzt.

Doch die entscheidende Frage bleibt: Wie wird damit tatsächlich Geld verdient?

Wie man tatsächlich Geld verdient

Zunächst werden die Gewinnziele asymmetrisch zu den Stopps festgelegt.

Liegt der Stopp beispielsweise bei minus einer Standardabweichung, sollten die Gewinnziele oberhalb einer Standardabweichung angesetzt werden. Bei einer Trefferquote von 50 Prozent stellt dieses Verhältnis sicher, dass die Gewinne die Verluste übersteigen.

Noch entscheidender ist jedoch ein System, das es erlaubt, Gewinne laufen zu lassen. Die besten Hedgefonds-Händler, die ich kenne, kommen pro Jahr lediglich auf zwei bis drei außergewöhnlich erfolgreiche Trades - diese sind jedoch für rund 80 Prozent des Jahresergebnisses verantwortlich.

Um die Wahrscheinlichkeit zu erhöhen, solche Trades vollständig auszuschöpfen, arbeite ich mit einer Strategie gleitender Gewinnziele:


Trailing-Profit-Target-Strategie

Angenommen, der Stopp liegt bei minus einer Standardabweichung und das erste Gewinnziel bei plus 1,5 Sigma. Wird dieses Niveau erreicht, werden zunächst keine Gewinne realisiert. Stattdessen wird eine Trailing-Strategie aktiviert.

Das neue Gewinnziel liegt anschließend bei plus 2,5 Sigma, während der Stopp auf null nachgezogen wird.

Wird auch die Marke von 2,5 Sigma erreicht, erfolgt eine erneute Anpassung: Das nächste Ziel liegt dann bei plus 3,5 Sigma, der Stopp bei plus 1,5 Sigma - und dieser Prozess setzt sich entsprechend fort.

Zusammengefasst ergibt sich daraus ein stringenter Ansatz für taktisches Makro-Trading:

  • Akzeptieren, dass man nur in etwa 50 bis 55 Prozent der Fälle richtig liegt;
  • die Trefferquote durch einen datengetriebenen Makro-Prozess, quantitative Marktfilter und eine „Nicht-dumm-handeln“-Checkliste zu verbessern;
  • eine volatilitätsadjustierte Positionsgrößensteuerung konsequent anzuwenden;
  • Stopps diszipliniert einzuhalten und Gewinne laufen zu lassen.

Das war es für heute. Vielen Dank fürs Lesen.

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