Teslas Robotaxi: Warum Musk der Konkurrenz enteilt

Veröffentlicht am 17.12.2025, 17:14

Der maßgebliche Kurstreiber bei Tesla bleibt das Robotaxi-Thema. Das Unternehmen ist inzwischen von Testfahrten unter menschlicher Aufsicht in Austin (Texas) zu vollständig autonomen Fahrten übergegangen. Allerdings handelt es sich dabei bislang noch nicht um echte Robotaxis, da weiterhin keine Passagiere an Bord sind.

Damit bewegt sich Tesla auf ein Entwicklungsniveau zu, das Alphabets Waymo bereits im Oktober 2020 erreicht hatte, als im Großraum Phoenix erstmals ein fahrerloser Robotaxi-Dienst eingeführt wurde.

Auch wenn Waymo mit einer Flotte von rund 2.500 Robotaxis in mehreren US-Städten derzeit führend ist, setzen Investoren darauf, dass Teslas kosteneffizienter, skalierbarer und KI-basierter Ansatz langfristig überlegen sein könnte.

Vor diesem Hintergrund werfen wir einen genaueren Blick auf die Perspektiven von Tesla für das Jahr 2026.

Tesla: Vom Automobilhersteller zur Robotaxi- und KI-Plattform

Spätestens heute ist klar, dass Tesla über seine Ursprünge als reiner Elektrofahrzeughersteller hinausgewachsen ist und das klassische Autogeschäft zunehmend als Fundament für eine breiter angelegte Investorenstory nutzt. Ein Blick auf die Bewertung verdeutlicht diesen Paradigmenwechsel: Toyota weist auf Basis der vergangenen zwölf Monate ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 9,08 auf, während Tesla mit einem KGV von 317,59 gehandelt wird.

In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 verkaufte Toyota insgesamt 8.358.426 Fahrzeuge – ein Plus von 5,8 % gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Tesla kam im gleichen Zeitraum auf 1.216.655 ausgelieferte Fahrzeuge, also rund siebenmal weniger, bei nahezu stagnierendem Wachstum. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund des Auslaufens der US-Steuergutschriften für Elektrofahrzeuge im September.

Während batterieelektrische Fahrzeuge im dritten Quartal weniger als 0,1 % der Toyota-Verkäufe ausmachten, bleibt der Konzern Marktführer bei Hybridfahrzeugen und baut gleichzeitig sein Angebot an Elektro-SUVs aus. Dazu zählt unter anderem der für 2026 angekündigte bZ XLE FWD mit einem Einstiegspreis von 34.900 USD.

Vor diesem Hintergrund wird deutlich, dass Tesla-Investoren nicht primär auf das Wachstum der globalen Elektroautoindustrie setzen, die im Jahresvergleich um 30 % auf 15.183.434 verkaufte Einheiten (Januar bis September 2025) zugelegt hat. Vielmehr liegt der Fokus auf dem Potenzial der Elektrofahrzeug-Plattform, eine künftige Robotaxi-Ökonomie zu ermöglichen.

Tesla sicherte sich dabei mit einem Marktanteil von rund 8 % den zweiten Platz im globalen EV-Markt außerhalb Chinas, der ansonsten von den chinesischen Herstellern BYD, Geely und Wuling dominiert wird.

Zentrale Grundlage für den Robotaxi-Ansatz ist insbesondere das Model Y. Mit 808.173 ausgelieferten Fahrzeugen in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 entfiel auf dieses Modell rund 66,4 % der Tesla-Gesamtverkäufe sowie 8,3 % aller weltweit verkauften batterieelektrischen Fahrzeuge.

Neben dem Robotaxi-Szenario bewerten Anleger zunehmend auch das vertikale Integrationspotenzial von Tesla. Dieses wird durch die Entwicklung des humanoiden Roboters Optimus unterstrichen. Elon Musk hat das langfristige Umsatzpotenzial des Unternehmens jenseits von 2030 auf bis zu 10 Bio. USD beziffert – ein Wert, der rund 80 % der langfristigen Tesla-Bewertung ausmacht.

Ein vergleichbares Zukunftspotenzial wird Wettbewerbern wie Toyota trotz ähnlicher Aktivitäten nicht zugeschrieben, zumindest nicht in der Bewertung. Dabei ist das Toyota Research Institute (TRI) stark in die Entwicklung von Mensch-Roboter-Schnittstellen involviert und ging 2024 sogar eine Partnerschaft mit Boston Dynamics ein, dem humanoiden Wettbewerber von Tesla im Besitz von Hyundai, um Kompetenzen im Bereich sogenannter Large Behavior Models (LBMs) zu vertiefen.

Die Investmentstory von Tesla wirkt vor diesem Hintergrund stringenter. Im Zentrum steht die umfassende Integration von Künstlicher Intelligenz in Autonomie, Robotik, Fertigung und Datennutzung. Tesla positioniert sich damit zunehmend als vertikal integrierte KI-Plattform – mit dem Elektrofahrzeug als Ausgangspunkt, nicht als Endprodukt.

Waymo: Plattformansatz im Robotaxi-Markt

Ähnlich wie Alphabet seine App-Dominanz durch die Bereitstellung einer neutralen Android-Plattform gefestigt hat, verfolgt Waymo eine plattformbasierte Robotaxi-Strategie. Anstatt den Endkundenmarkt selbst zu kontrollieren, setzt das Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit etablierten Fahrdienstanbietern wie Uber Technologies und Lyft. Ziel ist es, die Verbreitung autonomer Fahrdienste zu beschleunigen, ohne die direkte Kundenbeziehung zu besitzen.

Bis November 2025 hat Waymo seine Flotte auf rund 2.500 Fahrzeuge ausgebaut, die vor allem in Metropolregionen wie Los Angeles, San Francisco, Phoenix, Washington, Atlanta und Austin im Einsatz sind. Allerdings verfügt Waymo nicht über einen vollständig integrierten Fahrzeug-Stack, da das Unternehmen auf die batterieelektrische I-PACE-Plattform von Jaguar angewiesen ist. Jaguar gehört zur Jaguar Land Rover Gruppe, die 2008 vom indischen Automobilkonzern Tata Motors im Rahmen eines 2,3-Mrd.-USD-Barverkaufs von Ford übernommen wurde.

Damit entwickelte sich Jaguar Land Rover (JLR) nach der Ankündigung einer langfristigen strategischen Partnerschaft im Jahr 2018 zum zentralen Fahrzeuglieferanten für Waymo. Im Mai 2025 investierte Waymo gemeinsam mit dem kanadischen Automobilzulieferer Magna International in eine Produktionsstätte in Mesa, Arizona.

Konkret handelt es sich um eine Waymo-Driver-Integrationsanlage, in der sowohl Fahrzeuge von Jaguar als auch von Zeekr für den autonomen Einsatz vorbereitet werden. Die Erprobung von Zeekr-Fahrzeugen begann Anfang 2024. Zeekr ist die Premium-Elektromarke des chinesischen Automobilkonzerns Geely und wird von Waymo für den künftigen Einsatz als Robotaxi getestet.

Teslas struktureller Vorteil durch vertikale Integration

Nach der Analyse von Waymos Robotaxi-Ansatz wird deutlich, dass Tesla langfristig über strukturelle Vorteile verfügt. Das Unternehmen entwickelt Fahrzeuge, Hardware, Software und den gesamten KI-Stack vollständig im eigenen Haus. Zudem ist Tesla in der Lage, in seinen Gigafactories Fahrzeuge gezielt für den Robotaxi-Einsatz zu produzieren. Dadurch behält Elon Musk die volle Kontrolle über Kostenstruktur, Iterationsgeschwindigkeit und Integrationstiefe.

Waymo hingegen ist auf externe Fahrzeugplattformen und ein Netzwerk von Zulieferern angewiesen und hat damit weder Einfluss auf die Fertigungstaktung noch auf die langfristigen Plattformkosten. Die Skalierung des Geschäftsmodells erfordert folglich eine enge Abstimmung zwischen mehreren Partnern, was zusätzliche Komplexität mit sich bringt.

Vor diesem Hintergrund erscheint Teslas Ansatz sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus technologischer Perspektive deutlich reibungsärmer. Entsprechend beginnen auch institutionelle Analysten, die langfristigen Perspektiven von Tesla zunehmend positiv zu bewerten. So prognostizierte kürzlich Andrew Percoco von Morgan Stanley, dass Teslas Robotaxi-Flotte von derzeit rund 150 Fahrzeugen auf etwa 1.000 Einheiten im Jahr 2026 anwachsen könnte.

Unter Berücksichtigung dieser strukturellen Vorteile dürfte Tesla bis 2035 bis zu einer Million Robotaxis im Einsatz haben – eine Schätzung, die trotz ihrer Größenordnung als eher konservativ einzustufen ist. Da Tesla die vollständige Kontrolle über das Fahrzeugdesign besitzt, sind zusätzliche Kostensenkungen wahrscheinlich, die über die offensichtliche Eliminierung von Lenkrad, Pedalen und Sitzen hinausgehen.

Dies könnte die Produktionskosten der sogenannten Cybercabs auf unter 30.000 USD drücken. Im Gegensatz dazu dürfte Waymos multisensorisches Fusionssystem aus Kameras, LiDAR und Radar deutlich schwieriger kosteneffizient zu skalieren sein.

Aktuell liegt das Kursziel von Morgan Stanley für die TSLA-Aktie bei 425 USD und damit über dem durchschnittlichen Konsens des {{organization|Wall Street Journal}} von 408,04 USD je Aktie. Zudem könnte das Hype-Potenzial weiter zunehmen, nachdem sich Elon Musk zuletzt aus dem politischen Rampenlicht zurückgezogen hat und im kommenden Jahr weitere Robotaxi-Meilensteine erwartet werden.

Aktuelle Kommentare

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Klingt wie ein Sammelsurium von Musk Ausreden, warum Tesla so schlecht performt garniert mit Musk Versprechen, die überwiegend nie eingehalten wurden.
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robotaxi Humbug..... braucht kein Mensch
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