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Der Anleihemarkt zeigt sich widerstandsfähig – selbst angesichts der Inflationsrisiken, die durch Zölle entstehen könnten. Seit Jahresbeginn liegen mittelfristige Unternehmensanleihen an der Spitze der Performance, gemessen an einer Auswahl von ETFs, die unterschiedliche Segmente des US-Festzinsmarktes bis zum Schlusskurs am Dienstag, dem 22. Juli, abbilden.
Der Vanguard Intermediate Corporate Bond ETF (NASDAQ:VCIT) führt mit einem Plus von 5,4 % seit Jahresbeginn das Feld an. Damit liegt er nur knapp vor dem zweitbesten Anleihe-Performer dieses Jahres: inflationsgeschützten Staatsanleihen (TIP).

Etwas überraschend ist die Tatsache, dass in diesem Jahr bislang alle wichtigen Anleihesektoren im Plus liegen. Der schwächste Performer? Langfristige Staatsanleihen (TLT) – mit einem Zuwachs von 1,2 % seit Jahresbeginn.
Was steckt hinter diesem Anstieg der Anleihekurse? Eine mögliche Erklärung: An der Wall Street scheint die Sorge zu schwinden, dass Trumps Zölle deutlich höhere Inflation auslösen könnten.
Doch einige Analysen mahnen zur Vorsicht. Das Yale Budget Lab schreibt diese Woche:
„Aktueller Zollsatz: Verbraucher sehen sich einem durchschnittlichen effektiven Zollsatz von 20,6 % gegenüber, dem höchsten seit 1910. Nach Anpassungen im Konsumverhalten wird der durchschnittliche Zollsatz bei 19,7 % liegen, dem höchsten seit 1933.“
Die Implikation? Eine höhere Inflation dürfte folgen – auch wenn sie in den offiziellen Statistiken noch nicht angekommen ist. „Wir erleben die Anfangsphasen dieser Zolleffekte“, sagt Jason Miller, Professor für Lieferkettenmanagement an der Michigan State University.
Höhere Inflation würde den Anleihemarkt unter Druck setzen, weil sie den realen Wert fester Kuponzahlungen schmälert – ein Risiko, das der Markt derzeit offenbar unterschätzt.
Ein Gegenargument zu der Annahme, der Anleihemarkt ignoriere die Inflationsgefahren durch Zölle, liefert die Rallye bei inflationsgeschützten Staatsanleihen. Als zweitbester Performer in diesem Jahr signalisiert der iShares TIPS Bond ETF (NYSE:TIP), dass Gelassenheit in Sachen Zollinflation womöglich fehl am Platz ist.
„Die Inflation wurde bisher von diesen Zöllen noch nicht beeinflusst, was viele überrascht hat“, bemerkt Neel Mukherjee, Chief Investment Officer bei TIAA Wealth Management. „Aber die Fed konzentriert sich auf die Inflation, weil sie sich Sorgen um die Güterinflation macht. Und die wird sich beschleunigen.“
Der Markt für inflationsgeschützte Staatsanleihen deutet darauf hin, dass es zu früh ist, das Inflationsrisiko abzuhaken.
Hinzu kommt ein weiterer Faktor, der Anleihekurse stützen könnte: wachsende Sorgen über eine wirtschaftliche Abkühlung. Möglicherweise erwarten Investoren, dass schwächeres Wachstum – oder gar eine Rezession – ein größeres Risiko darstellt als Inflation und deshalb die Nachfrage nach sicheren Anleihen steigt.
Einige Analysten sehen inzwischen sogar Anzeichen für Stagflation – also langsameres Wachstum bei gleichzeitig steigenden Preisen. Das könnte erklären, warum sowohl klassische Anleihen als auch inflationsgeschützte Staatsanleihen zulegen. Michael Hicks, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Ball State University, bringt es auf den Punkt:
„In den zwei Monaten mit Daten, seit Trumps 'Liberation Day'-Zölle angekündigt wurden, haben die Vereinigten Staaten 14.000 Industriearbeitsplätze verloren. Die Verlangsamung der Wirtschaft in diesem Jahr folgt einem Muster, das nahezu ein präzises Beispiel dafür ist, was ökonomische Modelle von Zöllen seit einem halben Jahrhundert vorhergesagt haben. Die durch Zölle verursachten Preissteigerungen sind technisch gesehen keine Inflation. Ökonomen haben einen Namen für steigende Preise in einer schwachen Wirtschaft: Stagflation. Das ist es, was die 1970er Jahre so miserabel gemacht hat.“
