Übernahme öffnet D-Wave neue Quanten-Perspektiven

Veröffentlicht am 09.01.2026, 16:12

In einer Bestandsaufnahme von Aktien aus dem Bereich Quantencomputing Mitte Dezember wurde D-Wave Quantum als gezielte Positionierung auf einen alternativen technologischen Ansatz hervorgehoben. Wie damals ausgeführt, unterscheidet sich das von D-Wave verfolgte Quanten-Annealing von universellen, gatterbasierten Systemen insbesondere dadurch, dass es deutlich weniger anfällig für Kohärenzprobleme ist.

Vor dem Hintergrund der weiterhin grundlegenden Herausforderung, Dekohärenz mithilfe von Quanten-Fehlerkorrekturverfahren (QEC) in den Griff zu bekommen, gilt Annealing - und damit auch D-Wave - als vergleichsweise pragmatischer Ansatz. Dem steht allerdings eine stärkere Spezialisierung gegenüber: Quanten-Annealing-Systeme sind in erster Linie für Optimierungsprobleme ausgelegt.

Gleichzeitig lässt sich die Technologie von D-Wave gut mit klassischer Datenverarbeitung verknüpfen. Möglich wird dies durch hybride Solver, Programmierschnittstellen (APIs) sowie Software-Entwicklungskits, die Quantenprozessoren (QPUs) gezielt einbinden.

Für Anleger, die sich frühzeitig im Themenfeld Quantencomputing positionieren wollen, bleibt die Aktie von QBTS damit interessant. Zusätzliche Dynamik erhält das Papier durch die jüngste Übernahme von D-Wave.

Übernahme von Quantum Circuits im Fokus

D-Wave Quantum wurde 1999 gegründet und ging im August 2022 über die Fusion mit dem SPAC DPCM Capital zu einer Gesamtbewertung von 1,6 Mrd. US-Dollar an die Börse. Bislang hatte das Unternehmen keine Akquisition vorgenommen.

Am Mittwoch kündigte D-Wave nun die Übernahme von Quantum Circuits für 550 Mio. US-Dollar an. Davon entfallen 250 Mio. US-Dollar auf eine Barzahlung, während weitere 300 Mio. US-Dollar in Stammaktien von QBTS beglichen werden.

Quantum Circuits wurde 2015 als Ausgründung der Yale University gegründet, unter anderem von Robert Schoelkopf, einem der Pioniere des supraleitenden Quantencomputings. An der Yale University entwickelte ein von Schoelkopf geleitetes Forscherteam bereits 2009 den ersten Festkörper-Quantenprozessor, der mithilfe der Schaltkreis-Quanten-Elektrodynamik (cQED) erfolgreich einen Algorithmus ausführte.

Seit seiner Gründung folgt Quantum Circuits dem Leitsatz: „Wir korrigieren zuerst, dann skalieren wir.“ Wie in der Berichterstattung über Quantenaktien wiederholt betont wurde, liegen die entscheidenden Fortschritte dabei weniger in einer möglichst hohen Anzahl von Qubits, sondern in der Überführung physischer Qubits in stabile logische Qubits, die in fehlertoleranten Systemen tatsächlich für Berechnungen genutzt werden können.

Denn für eine sinnvolle Skalierung muss der derzeit noch erhebliche Overhead zwischen physischen und logischen Qubits deutlich reduziert werden.

Warum Quantum Circuits strategisch relevant ist

Quantum Circuits war das erste Unternehmen, dem die Entwicklung eines sogenannten Dual-Rail-Qubits gelang - eines supraleitenden Qubits mit integrierter Fehlererkennung, der Ende August vorgestellt wurde. Dieser Schritt gilt als technologischer Meilenstein, da erstmals eine Fehlererkennung in Echtzeit auf Ebene der physischen Qubits möglich wurde. Technisch basiert der Ansatz auf der Kombination aus Quanten-Fehlererkennung (QED), Fehlerbehandlungsmechanismen (EDH) und Echtzeit-Kontrollabläufen (RTCF).

Im selben Monat sicherte sich das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 60 Mio. US-Dollar. Aufbauend darauf sowie auf dem eigenen Cloud-Angebot und dem Software-Entwicklungskit stellte Quantum Circuits im November 2024 den Aqumen Seeker vor - einen Acht-Qubit-Prozessor auf Basis der Dual-Rail-Architektur. Das System stieß unter anderem bei Algorithmiq auf Interesse, einem auf fortgeschrittene Quantenalgorithmen spezialisierten Unternehmen, das Anwendungen in den Lebenswissenschaften, etwa in der Medikamentenforschung, vorantreibt.

Mit der Übernahme eines Unternehmens mit dieser technologischen Herkunft erweitert D-Wave Quantum sein Geschäftsmodell über das Annealing hinaus und positioniert sich im Bereich des Full-Stack-Quantencomputings, mit einem klaren Fokus auf eine robuste, gatterbasierte Architektur für universelle Anwendungen.

Damit wird das bisherige Kerngeschäft von D-Wave im Bereich Annealing - insbesondere für Optimierungsprobleme - durch die Technologie von Quantum Circuits ergänzt, die sich für Differentialgleichungen, Faktorisierung und universelles Quantencomputing eignet. Die Aktie von QBTS entwickelt sich damit von einem spezialisierten Annealing-Wert hin zu einer breiter aufgestellten Plattform mit belastbarer Perspektive im fehlertoleranten Quantencomputing.

Finanzkennzahlen von D-Wave im Überblick

Trotz einer aktuellen Marktbewertung von 10,95 Mrd. US-Dollar wies D-Wave Quantum im jüngsten Geschäftsbericht für das dritte Quartal 2025 lediglich 3,7 Mio. US-Dollar Umsatz aus. Dies entspricht allerdings einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahresquartal, in dem die Erlöse noch bei 1,9 Mio. US-Dollar lagen.

Vor der Übernahme von Quantum Circuits lag der operative Schwerpunkt des Unternehmens auf der institutionellen Nutzung des Annealing-Systems Advantage2, insbesondere an Universitäten sowie bei Organisationen in Italien, Japan, Korea und der Türkei.

Darüber hinaus rüstet das Jülich Supercomputing Centre in Deutschland sein bestehendes Advantage-System auf die neue Advantage2-Generation mit mehr als 4.400 Qubits auf. Zudem wurde die Installation bei Davidson Technologies im US-Bundesstaat Alabama im dritten Quartal abgeschlossen.

Insgesamt erzielte D-Wave im Vergleich zum Vorjahresquartal Umsätze mit mehr als 100 Kunden. Die Bruttomarge belief sich auf 71,4 % und lag damit 15,6 Prozentpunkte über dem Niveau des dritten Quartals 2024. Angesichts der frühen Entwicklungsphase der Branche schreibt das Unternehmen jedoch weiterhin Verluste: Der bereinigte Nettoverlust belief sich im dritten Quartal 2025 auf 18,1 Mio. US-Dollar, nach 23,2 Mio. US-Dollar im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

In den neun Monaten bis Ende September summierte sich der bereinigte Nettoverlust damit auf 52,8 Mio. US-Dollar. Gleichzeitig verfügt D-Wave über einen substanziellen finanziellen Spielraum: Die liquiden Mittel beliefen sich auf 836,2 Mio. US-Dollar, während die Gesamtverbindlichkeiten bei 195,26 Mio. US-Dollar lagen, davon 15,5 Mio. US-Dollar kurzfristig.

Kursziele für die Aktie von QBTS

Auf Jahressicht hat sich die Aktie von QBTS um mehr als 400 Prozent verteuert und notiert zuletzt bei 29,28 US-Dollar. Entlang dieser Rally boten sich Anlegern mehrfach Gelegenheiten zur Gewinnmitnahme - unter anderem beim Allzeithoch von 44,78 US-Dollar Mitte Oktober sowie Ende Dezember bei 32,19 US-Dollar.

Der Durchschnittskurs der vergangenen 52 Wochen liegt bei 16,92 US-Dollar. Nach dem Konsens der Wall Street Journal-Analysten beträgt das niedrigste Kursziel inzwischen 35 US-Dollar und liegt damit mehr als doppelt so hoch. Das durchschnittliche Kursziel wird mit 39,64 US-Dollar angegeben, während das obere Kursziel von 48 US-Dollar über dem bisherigen Rekordhoch liegt.

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