USD/JPY: Ein schwacher Yen, die BoJ und der Carry-Trade

Veröffentlicht am 16.01.2026, 11:52

Vertreter der Bank of Japan (BOJ) rücken den schwachen Yen zunehmend als Treiber der Inflation in den Fokus. Die Sorge: Eine anhaltende Abwertung der Währung verteuert Importe und erhöht den Druck auf Unternehmen, diese Kosten an die Verbraucher weiterzugeben. Das Risiko ist nicht trivial – schließlich deckt Japan nahezu 100 % seines Energiebedarfs sowie einen erheblichen Teil weiterer zentraler Rohstoffe und Vorleistungen über Importe.

Das nachstehende Schaubild verdeutlicht die Dimension: In den vergangenen fünf Jahren hat der Yen rund 35 % an Wert verloren. Zudem nähert sich die Währung - wie gleich näher erläutert - erneut den Tiefständen vom August 2024.

Für die Sitzung in der kommenden Woche wird allgemein erwartet, dass die BOJ ihren Leitzins unverändert bei 0,75 % belässt. Gleichwohl rechnen wir damit, dass sich die Notenbank deutlich zum schwachen Yen und dessen inflationären Effekten äußern wird. Sollten sich die währungsbedingten Inflationsimpulse verstärken und der öffentliche Druck auf die Politik anhalten, könnte dies die BOJ perspektivisch zu weiteren Zinserhöhungen zwingen, um den Yen zu stabilisieren.

Warum ist das für die Märkte relevant? Im August 2024 verlor der S&P 500 innerhalb weniger Tage etwas mehr als 10 %. Auslöser war eine rasche Aufwertung des Yen, die zahlreiche Marktteilnehmer zur Auflösung ihrer Yen-Carry-Trades zwang. Diese Strategie beruht darauf, sich in Japan günstig zu finanzieren und das Kapital in höher verzinsliche US-Aktien und -Anleihen zu investieren.

Die Attraktivität dieses Trades hängt entscheidend von einem schwachen Yen ab. Entsprechend sollten Äußerungen der BOJ zur Währungsentwicklung aufmerksam verfolgt werden - nicht als unmittelbares Handelssignal, sondern als potenziell wichtiger Risikofaktor für die globalen Finanzmärkte.

JPY Kurschart

Die Ölpreise widersprechen der Reflationsthese

Zunehmend mehren sich Stimmen, die von einer wirtschaftlichen Beschleunigung und einem daraus resultierenden Anstieg der Unternehmensgewinne ausgehen. Diese Einschätzung stützt sich auf mehrere Faktoren: eine Lockerung der finanziellen Bedingungen – einschließlich niedrigerer Zinsen und QE –, fiskalische Impulse sowie die Aussicht auf Produktivitätsgewinne durch künstliche Intelligenz. Die Aktienmärkte scheinen diese Sichtweise zu bestätigen, da zahlreiche Faktoren und Sektoren, die lange hinter den Mega-Cap-Titeln zurückgeblieben waren, zuletzt eine Outperformance zeigten.

Mit diesem Optimismus von Ökonomen und Investoren stehen die Ölpreise jedoch nicht im Einklang. Wie unsere Grafik verdeutlicht, befindet sich der Rohölpreis seit nahezu vier Jahren in einem Abwärtstrend, ohne erkennbare Anzeichen einer nachhaltigen Trendwende. Historisch ging eine anhaltende wirtschaftliche Beschleunigung typischerweise mit steigender Energienachfrage und höheren Ölpreisen einher – getragen von zunehmendem Verkehrsaufkommen, einer stärkeren Industrieproduktion und einer höheren Auslastung im verarbeitenden Gewerbe. Dass ein solcher Preisanstieg bislang ausbleibt, deutet darauf hin, dass die Wachstumsstory derzeit eher finanziell als fundamental geprägt sein könnte.

Schwache Ölpreise bestätigen somit keine wirtschaftliche Wiederbelebung, sondern senden vielmehr ein leises Warnsignal: Der Optimismus in den Schlagzeilen könnte den realwirtschaftlichen, energieintensiven Aktivitäten vorauslaufen. Erst ein nachhaltiger Anstieg der Ölpreise würde die Annahme einer echten Konjunkturbeschleunigung untermauern.

Crude Oil WTI - Kurschart

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