Die Märkte haben seit dem Parteitag der Kommunistischen Partei eine Reihe von Lockerungen der Covid-Politik aufmerksam verfolgt. Dennoch rechnen wir nicht vor dem zweiten Quartal 2023 mit einem nennenswerten Aufschwung auf Basis einer Wiedereröffnung. Während die chinesischen Neujahrsfeiertage in den kommenden Tagen zu einem starken Anstieg von Inlandsreisen führen werden, könnten sie auch zu einer weiteren Infektionswelle beitragen. Alles in allem aber sieht es so aus, als ob die Bevölkerung wie auch die politischen Entscheidungsträger die Covid Politik der letzten 3 Jahre ad-acta gelegt haben. Dennoch sollte man den damit verbundenen Wachstumsschub nicht überschätzen. Im Gegensatz zu weiten Teilen der übrigen Welt hatten die Schließungen in China im Allgemeinen keine Auswirkungen auf die Produktion. Außerdem erhielten die Haushalte keine umfangreichen Einkommensbeihilfen (und bauten auch keine Ersparnisse auf), was den möglichen Aufschwung bei der Wiedereröffnung weiter einschränkt.
Das schwache Wachstum Chinas im Jahr 2022 war das Ergebnis eines im freien Fall befindlichen Immobiliensektors. Als Reaktion darauf kündigte die Regierung nach dem Parteikongress im November schließlich 16 Maßnahmen an, mit denen die Liquiditätsknappheit bei Bauträgern behoben und die Anzahlungsbeschränkungen für Hauskäufer gelockert werden sollten. Es ist fraglich, ob die Förderung der Immobilienkreditvergabe die Nachfrage der privaten Haushalte nach Immobilien verbessern wird, wenn das Vertrauen in diese Anlageklasse auf dem Tiefpunkt ist. Sollten die angekündigten Maßnahmen den Rückgang der Immobilienpreise nicht aufhalten können, ist mit weiteren fiskalischen Impulsen zu rechnen, wie z. B. Programme für den sozialen Wohnungsbau, die durch eine Ausweitung der Geldmenge finanziert werden.
Vor diesem Hintergrund belassen wir unsere Prognose für das jährliche BIP-Wachstum für dieses Jahr bei 5,7 %, wobei die letztgenannte Schätzung auch statistische Besonderheiten widerspiegelt und der kurzfristige Wachstumspfad unsicher bleibt. Außerdem haben wir unsere Inflationsprognose für China von 2,8 % auf 2,0 % für das vierte Quartal 2022 und von 1,8 % auf 1,3 % für das vierte Quartal 2023 gesenkt, da trotz des scheinbar hohen BIP-Wachstum ein substantieller Output Gap (NYSE:GPS) und versteckte Arbeitslosigkeit nur langsam reduziert werden.