Zinssenkung im Juli? Ein Fed-Gouverneur will den Schritt nach unten

Veröffentlicht am 22.07.2025, 07:19

Fed-Gouverneur Christopher Waller ließ in einer Rede am Donnerstag keinen Zweifel daran, dass er sich im Juli eine Zinssenkung der Fed wünscht. Gleich zu Beginn seiner Ansprache an der NYU machte er das unmissverständlich klar:

"Ich möchte heute Abend erläutern, warum ich glaube, dass der Offenmarktausschuss (FOMC) auf seiner nächsten Sitzung (30. Juli) den Leitzins um 25 Basispunkte senken sollte."

Wie wir weiter unten sehen werden, liegt die von den Märkten eingepreiste Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juli aktuell nur bei 4,7 %. Kein anderes Mitglied der Fed hat bisher öffentlich eine Senkung zu diesem Zeitpunkt gefordert. Umso interessanter ist es, einen genaueren Blick auf Wallers Argumente zu werfen und die Gründe zu beleuchten, warum er schon im Juli Handlungsbedarf sieht.

Zölle verursachen keine Inflation: "Zölle sind einmalige Erhöhungen des Preisniveaus und führen nicht zu einer anhaltenden Inflation, die über einen vorübergehenden Anstieg hinausgeht. Die gängige Praxis der Zentralbanken besteht darin, solche Preiseffekte nicht in ihre geldpolitischen Entscheidungen einzubeziehen (Look-Through-Effekt) – vorausgesetzt, die Inflationserwartungen bleiben stabil. Und das sind sie."

Schwächelnder Arbeitsmarkt: Waller räumt ein, dass der Arbeitsmarkt "auf den ersten Blick gut aussieht". Doch er verweist auf Datenrevisionen des Bureau of Labor Statistics sowie auf andere Quellen, die aus seiner Sicht Abwärtsrisiken signalisieren. Besonders besorgniserregend: In den ADP-Beschäftigungsberichten war in den letzten drei Monaten kein nennenswertes Wachstum mehr zu erkennen.

Übertrieben restriktive Zinssätze: Das reale BIP-Wachstum liegt aktuell bei rund 1 %, und Waller rechnet auch im zweiten Halbjahr mit einer ähnlich schwachen wirtschaftlichen Entwicklung. Vor diesem Hintergrund – schwacher Arbeitsmarkt und nur vorübergehende zollbedingte Preisschübe – zieht er folgendes Fazit:

"Insgesamt deuten die Daten darauf hin, dass der Leitzins näher am neutralen Wert liegen sollte, den der Median der FOMC-Teilnehmer bei 3 % sieht – und nicht bei dem aktuellen Niveau, das 1,25 bis 1,50 Prozentpunkte darüber liegt."

Fed Wahrscheinlichkeiten

Wochenausblick:

Die Unternehmensgewinne dürften in dieser Woche der wichtigste Treiber für die Aktienmärkte sein. Mit Tesla (NASDAQ:TSLA), Google (NASDAQ:GOOGL) und zahlreichen weiteren großen Namen, die ihre Bücher öffnen (Grafik mit Genehmigung von Earnings Whisper), richten sich die Blicke der Anleger verstärkt auf die Quartalszahlen.

Besonders interessant finden wir die Ergebnisse konsumentennaher Unternehmen wie Tesla, Coca-Cola (NYSE:KO), Domino’s Pizza (NASDAQ:DPZ) und Southwest Airlines (NYSE:LUV). Sie könnten wichtige Hinweise darauf liefern, wie sich die Verbraucherausgaben entwickeln – ein Schlüsselfaktor für das BIP.

Am Dienstag steht außerdem eine Rede von Fed-Vorsitzendem Jay Powell auf dem Kalender. Nach den jüngsten Inflationsdaten und dem Rückgang der Inflationserwartungen stellt sich die Frage, ob Powell nun eine etwas gemäßigtere Haltung einnehmen wird. Achten Sie in diesem Zusammenhang auch auf die 1‑Jahres-Inflationsprognose der University of Michigan, die am Freitag (weiter unten auf der Seite) zurückging. Nicht zu erwarten ist hingegen, dass Powell sich zu den Spekulationen um eine mögliche vorzeitige Entlassung durch Trump äußert.

BerichtssaisonUS-Inflationsdaten

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Aktuelle Kommentare

Diese Annahme unterstellt, dass Zollerhöhungen 1:1 auf das Endprodukt aufgeschlagen werden und das ist nun einmal nicht so! Dies ist ein fließender Prozess bestehend aus der Mischkalkulation von Alt- und Neubeständen, in der Übergangsphase Verteilung der Mehrkosten auf Käufer und Verkäufer etc! Und selbstverständlich gibt es auch hier 2. und 3.-Rundeneffekte, da eine Zollspirale nicht ausgeschlossen ist! Wir sind erst am Anfang der Auswirkungen und das politische Wirrwarr DES Protagonisten zwingt die FED in eine defensive Haltung! Denn eine Sache würde vernichtende Marktwirkung verursachen; nach einer zu frühen Zinssenkung danach eine erzwungene Zinserhöhung! Darum geht es die ganze Zeit!
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