Asiens mittlerweile ehemaliger reichster Mensch ist im Visier nordamerikanischer Short-Seller. Der Multimilliardär und einer der weltweit größten Spender, Gautam Adani, kämpft seit letzter Woche mit Attacken von Short-Sellern aus den USA, die ihm Betrug und Steuerhinterziehung vorwerfen. Hindenburg Research, die sich besonders auf die Recherche „shortbarer“ Unternehmen spezialisiert hat, nahm die Adani Gruppe unter die Lupe und berichtete, dass das Konglomerat seine Schulden durch Konten in Steuerparadiesen, wie Mauritius, verdeckt. Mit massiven Short-Positionen verloren die Unternehmen der Adani Gruppe allein letzten Mittwoch $11 Milliarden an Marktkapitalisierung.
Bis heute büßten die Unternehmen der Adani Gruppe insgesamt mehr als $85 Milliarden an Marktkapitalisierung ein, da sich im Laufe der Woche immer mehr Anleger, darunter auch institutionelle Anleger, Hindenburg Research anschlossen und die Unternehmen shorteten. Damit ist Gautam Adani nicht mehr drittreichster Mensch der Welt, sondern rutscht auf Platz 11 ab. Zur Gruppe gehören die Unternehmen Adani Transmission, Adani Total (EPA:TTEF) Gas, Adani Green Energy, Adani Power, Adani Wilmar und das Flaggschiff Adani Enterprises. Alle Unternehmen stehen im Vergleich zur Vorwoche im Minus, was von 5 bis über 20% reicht. Laut Hindenburg sind die Unternehmen einem 85%igen Abwärtsrisiko ausgesetzt.
Herr Adani wies die Vorwürfe zurück und gab zu verstehen, dass all seine Unternehmen nicht nur die Gesetzesvorgaben, sondern auch alle nötigen und erforderlichen Transparenzmaßnahmen einhalten. Laut ihm ist dies lediglich ein Versuch, ihm und seinen Unternehmen zu schaden. Auch von den zahlreichen Investoren kamen weder im Rahmen der Hauptversammlungen noch außerhalb dieser irgendeine Kritik oder bedenkliche Äußerungen zum Schuldenstand der Gruppe. Gautam Adanis Unternehmen wuchsen vor allem in den letzten Jahren zu sehr großen Konzernen mit massiver Marktkapitalisierung an und bilden einen Grundpfeiler in Indiens Energieinfrastruktur.
Natürlich darf man die Einwände von Hindenburg Research nicht in den Wind schlagen. Erst recht nicht, wenn man sich mal an Skandale wie Enron oder Wirecard (ETR:WDIG) erinnert. Wir haben alle schon zu viel gesehen, um solche Einwände als Schwachsinn abzutun. Auffällig ist aber, dass diese Vorwürfe kurz nach dem Aufstieg des emsigen Geschäftsmannes in die Riegen der reichsten Menschen der Welt auftraten. Angeblich sollen die Bilanzierungsprobleme schließlich seit 10 Jahren bestehen. Das Timing macht diesen Angriff recht unglaubwürdig und schadet dem Unternehmen auch ohne Nachweis von Fehlverhalten nachhaltig. Wie es weitergeht, werden wir natürlich weiterverfolgen!
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