Aktienmarkt: Bewertungs-Reset überstanden

Veröffentlicht am 08.05.2025, 07:07

Die jüngste Korrektur im S&P 500 wurde vor allem durch eine kurze, aber spürbare Schwächephase bei den großen Tech-Werten ausgelöst – gemeint sind die sogenannten „Glorreichen 7“.

Ein Auslöser für den Verkaufsdruck waren die von Donald Trump angestoßenen Zollspannungen, die für Unsicherheit sorgten. Gleichzeitig gerieten vor allem die hoch bewerteten IT-Aktien im S&P 500 unter Druck – insbesondere die Glorreichen 7. Nachdem am 24. Januar das Open-Source-Projekt „Deep Seek“ veröffentlicht wurde, kamen am Markt Sorgen auf, dass die Investitionsausgaben in KI-Infrastruktur deutlich zurückgehen könnten. Das führte zu einer Neubewertung der zuvor sehr hohen Multiplikatoren.

Wichtige Fakten dazu:

(1) Der SPY (also der ETF auf den S&P 500) verlor zwischen dem 19. Februar und dem 8. April rund 19,0 %. Der Roundhill Magnificent Seven ETF (NYSE:MAGS), der die sieben Schwergewichte gleich gewichtet und vierteljährlich neu ausrichtet, büßte in derselben Zeit sogar 26,7 % ein. Der XMAG ETF, der nach Streubesitzkapital gewichtet ist, kam mit einem Minus von 16,2 % etwas glimpflicher davon.

Seit dem 8. April haben sich die Kurse allerdings wieder deutlich erholt: Der SPY legte um 10,9 % zu, der MAGS um 14,8 % und der XMAG um 9,4 %.

SPY vs MAG7

Kurse der

(2) Das Forward-KGV (P/E) der Glorreichen 7 (G-/7) sank von 30,0 zu Jahresbeginn auf 21,7 am 8. April. Im selben Zeitraum ging das Forward-KGV des S&P 500 von 22,4 auf 19,2 zurück. Der XMAG fiel beim Forward-KGV etwas moderater – von 18,6 auf 17,8.

Auch das Kurs-Umsatz-Verhältnis (Forward P/S) der G-7 gab spürbar nach: Es sank von 7,7 zu Beginn des Jahres auf 5,6 am 8. April.

Inzwischen ist das Kurs-Umsatz-Verhältnis der G-7 wieder leicht auf 5,9 gestiegen. Zum Vergleich: Das Forward P/S-Verhältnis des S&P 500 ohne die Glorreichen 7 ist im gleichen Zeitraum – bis zur Woche vom 17. April – leicht von 2,2 auf 2,1 zurückgegangen.

(3) Der Anteil der Glorreichen 7 an der Marktkapitalisierung des S&P 500 ist von 32,0 % zu Jahresbeginn auf aktuell 28,4 % zurückgegangen. Gleichzeitig erreichen ihre Anteile an den erwarteten Umsätzen und Gewinnen neue Höchststände: 11,8 % der prognostizierten Umsätze und 22,6 % der erwarteten Gewinne im Index entfallen mittlerweile auf die G-7.

Marktkapitalisierung der G-7

(4) Auch die gemeinsame Gewinnmarge der Glorreichen 7 lag Ende April mit 26,2 % auf einem Rekordniveau. Zum Vergleich: Die übrigen 493 Unternehmen im S&P 500 kommen im Schnitt nur auf eine Gewinnspanne von 11,9 % – damit erzielen die G-7 mehr als das Doppelte.

(5) Die von Analysten im Konsens erwarteten kurzfristigen Wachstumsraten – also die voraussichtlichen (Forward) Werte – für Umsätze und Gewinne im S&P 500 sind seit Jahresbeginn rückläufig. Angeführt wird dieser Rückgang ausgerechnet von den Glorreichen 7, die zuvor noch als wichtigste Wachstumstreiber galten.

Das erwartete Umsatzwachstum für den S&P 500 liegt aktuell weiterhin bei soliden 5,3 %. Für die Glorreichen 7 ist die entsprechende Prognose seit Jahresbeginn zwar von 13,8 % auf 12,1 % gesunken, bleibt aber auf einem hohen Niveau. Auch bei den erwarteten Gewinnzuwächsen gab es einen Rückgang: Die Konsensschätzungen liegen inzwischen bei 11,5 % für den S&P 500 und bei 17,2 % für die G-7 – beides nach wie vor robuste Wachstumsraten.

(6) Die Erholung an den Aktienmärkten seit dem 8. April lässt sich unter anderem darauf zurückführen, dass Donald Trump seine angedrohten Gegenzölle – mit Ausnahme gegenüber China – vorerst ausgesetzt hat. Gleichzeitig schlägt er im Hinblick auf mögliche Handelsgespräche mit China nun einen moderateren Ton an. Auch seine jüngsten Angriffe auf Fed-Chef Powell hat er deutlich zurückgefahren.

Positiv wirkt sich außerdem aus, dass Anleger offenbar wieder Vertrauen in die Glorreichen 7 fassen: Seit dem 8. April sind diese Titel um 14,8 % gestiegen – und liegen damit klar vor dem Anstieg des XMAG, der im selben Zeitraum 9,4 % zulegen konnte.

Unsere Einschätzung: Künstliche Intelligenz ist nicht der Beginn einer völlig neuen Ära, sondern die nächste Stufe einer digitalen Entwicklung, die bereits Mitte der 1960er Jahre begann. KI ist eine weitere Technologie, die es ermöglicht, große Datenmengen schneller und kostengünstiger zu verarbeiten – das kurbelt die Geschäfte der Cloud-Computing-Anbieter an und führt zu weiteren Investitionen in Cloud-Infrastruktur.

(7) Die jüngsten Quartalszahlen der Google Cloud Platform (GCP) bestätigen diesen Trend. Im 1. Quartal 2025 erzielte Alphabet einen GCP-Umsatz von 12,26 Mrd. USD – knapp unter den Erwartungen der Wall Street (12,27 Mrd. USD), aber dennoch ein starkes Wachstum von 28 % im Jahresvergleich.

Besonders erfreulich: Die operative Marge verbesserte sich deutlich – von 9,4 % im Vorjahr auf 17,8 %. Das spricht für steigende Effizienz im Geschäftsbetrieb.

Googles Investitionen in KI beginnen Früchte zu tragen: Das KI-Angebot der Cloud-Sparte – basierend auf dem Sprachmodell Gemini – gewinnt neue Kunden und bringt größere Aufträge. Die Nutzung von Gemini durch Entwickler hat sich im zweiten Halbjahr 2024 auf 4,4 Millionen Nutzer verdoppelt.

Für 2025 plant Alphabet (NASDAQ:GOOGL), seine Investitionsausgaben deutlich zu erhöhen – auf 75 Mrd. USD, nach 52,5 Mrd. USD im Jahr 2024. Im Fokus stehen dabei der Ausbau der KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur.

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