Autonomes Fahren: Mit wem hat Uber, Lyft und Co zu kämpfen?

Veröffentlicht am 20.02.2020, 11:04

Automobilkonzerne liefern sich in Sachen „Autonomes Fahren“ ein wahres Wettrennen. Es ist entscheidend künftig bestens positioniert zu sein, denn davon hängt ein Stück weit auch das Überleben der Automobilbranche ab. Die Mobilität von Morgen wird durch das autonome Fahren grundlegend verändert werden. Die Fahrzeuge werden erst gar keine Lenkräder und Pedale mehr haben – in Zukunft steuert Kollege Computer, basierend auf einer gigantischen Menge von KI-Daten, begleitet durch zahlreiche Sicherheitsassistenten und weiterer technischer Meisterleistung (Sensor, Radar, Ultraschall, Laser und Kamera wären hier zu nennen) die Kunden durchs Leben. Ein bestens funktionierendes autonomes Fahren bringt den kompletten mobilen Wandel mit sich und sorgt höchstwahrscheinlich auch dafür, dass aus den Kunden (Käufern) der Automobilkonzerne zukünftig nur noch Nutzer (User) werden.

Intelligenz der modernen Autos ist hoch ausgeprägt. Vollautonom sind sie jedoch nicht. Noch nicht...

Forschungs- und Entwicklungsabteilungen der involvierten Konzerne treiben das Thema „Autonomes Fahren“ massiv voran. Doch die Kosten sind immens. Eine der wichtigsten Fragen geht wohl quer durch alle beteiligten Unternehmen, nämlich ab wann wird aus der Vision eine Realität. Elon Musk von Tesla schwärmte bereits vor einigen Jahren, dass Tesla-Fahrzeuge in 2018 vollautomatisiert unterwegs sein werden. Als dies nicht eintrat sprach er von 2020. Doch „vollautomatisiert“ ist nicht „autonom“. Zwar ist Tesla in diesem Forschungsfeld sehr weit fortgeschritten, doch für ein einwandfreies autonomes Fahren auf allen Straßen reicht es auch heute noch nicht. Vor allem bestehen länderübergreifend oft die Voraussetzungen nicht, denn es wird neben einem penibel genauem digitalen Kartenmaterial auch eine qualitativ hochwertige digitale Infrastruktur (5G) benötigt. Auch wird es neben ausgereifter Technik ebenso auf ein ausgereiftes, geprüftes rechtliches Regelwerk ankommen. Wer wird zum Beispiel verklagt, wenn es Schäden bei einem Unfall durch autonomes Fahren gab oder gar Tote im Straßenverkehr zu beklagen sind? Erst nach der Beantwortung dieser Fragen wird man diese Technik vollends freigeben können.

Grundsätzlich ist das autonome Fahren als sicherer, sparsamer und mitunter auch zeitschonender einzuordnen. Ein autonomes Fahrzeug schließt Gafferei und somit schon Staubildungen aus, es wechselt nicht sinnlos ständig die Spuren, spart durch gleichmäßiges Fahren Energie, reagiert in Millisekunden, ist nie abgelenkt, immer wach, trinkt keinen Alkohol und streitet nicht mit den Mitfahrern – kurzum: Viele Fehlerquellen und Schwachstellen der Menschen werden aus dem Straßenverkehr verbannt und somit den Verkehr allgemein betrachtet sicherer machen.

Sicheres „Autonomes Fahren“ erfordert viele Testkilometer – Waymo fährt allen davon

Ein in absehbarer Zukunft erfolgreiches und sicheres „Autonomes Fahren“ erfordert sehr viele Testmeilen, um die vielen Fehlerquellen und Sicherheitsrisiken im Straßenverkehr zu erkennen, zu erfassen, zu katalogisieren und sie damit künftig größtenteils ausschließen zu können. Ein Unternehmen ist den großen Automobilkonzernen und auch in diesem Forschungsfeld ebenso tätigen Unternehmen wie zum Beispiel Uber Technologies (NYSE:UBER) oder Lyft (NASDAQ:LYFT) meilenweit voraus, nämlich Waymo. Waymo ist eine Gründung der Google-Muttergesellschaft Alphabet (NASDAQ:GOOGL). Die Fahrzeuge von Waymo verwiesen per autonom absolvierte Meilen bereits Ende Dezember 2018 Ford, GM, Nissan (T:7201), Tesla (NASDAQ:TSLA), Uber Technologies und Lyft deutlich auf die Plätze, die addiert zu diesem Zeitpunkt gerade einmal rund zwei Millionen Meilen absolviert hatten. Waymo hat bereits mit dem Stand des Januar 2020 über 20 Millionen Meilen an Testfahrten absolviert.

Noch ist ein Fahrer bei Waymo mit an Board. Soll aber nur im Zweifelsfall eingreifen.

Exkurs – Waymo

Waymo wurde im Dezember 2016 durch den Google-Mutterkonzerns Alphabet (die dem Alphabet-Konzern zuzuordnende Wagniskapitalgesellschaft „Google Ventures“ hält übrigens auch beträchtliche Anteile an Uber Technologies und auch an Lyft) gegründet. Mit der Gründung von Waymo werden die Arbeiten des ehemaligen Google-Projektes „Google Driverless Car“ fortgesetzt. Waymo kann praktischerweise auf alle Google-Dienste zurückgreifen, wie zum Beispiel Google Street View, Google Maps. Je genauer die Kartendaten werden, umso erfolgreicher und sicherer werden die Fahrzeuge sich bewegen können. Waymo nutzt derzeit Fahrzeuge des Typs Chrysler Pacifica in der Version eines Plug-In-Hybrid-Produktes als Plattform. Künftig sollen noch bis zu 20.000 Jaguar I-Pace zur Waymo-Flotte hinzukommen. Seit Dezember 2018 gibt es den kommerziellen Dienst „Waymo One“. Mit einer Applikation auf dem Smartphone oder Tablet kann ein Waymo-Fahrzeug ähnlich wie bei Uber oder Lyft geordert werden. Das Fahrzeug holt dann autonom fahrend die Nutzer ab und fährt sie an das angegebene Ziel. Zur Sicherheit ist derzeit aber immer noch ein Fahrer von Waymo an Bord, der noch im Falle des Falles eingreifen könnte. Der Waymo-One-Service ist derzeit nur in einem begrenzten Bereich von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona verfügbar. Enorm teuer und auch zeitaufwändig ist der eigene Aufbau von detailliertem Kartenmaterial. Dieses Material muss schließlich von Straßenprofilen, Bürgersteigen über Markierungen, Fußgängerüberwegen, Ampeln und Stoppschildern und noch viel mehr bieten und mögliche Fehlerquellen ausschließen helfen. Dennoch: So weit wie Waymo ist derzeit kein Unternehmen.

Autonomes Fahren benötigt massenhaft Daten – US-Konzerne wie Tesla haben die Nase vorn

Waymo hat aufgrund seiner Position als Gründung von Alphabet ohnehin die beste Datenversorgung durch Google. Doch auch Tesla holt hier seit Jahren auf. Je mehr Tesla-Fahrzeuge auf den Straßen unterwegs sind, desto mehr Fahrerdaten und auch Fahrdaten sammelt der kalifornische Elektrofahrzeughersteller mittels der Sensoren für den konzerneigenen Datenpool. Dieser Datenpool speist letztlich die von den Tesla-Kunden „erfahrenen“, gesammelten Daten in die für das autonome fahren genutzte KI-Einheit bei Tesla. Je mehr Fahrdaten gesammelt werden, desto kompakter und auch genauer wird der künftig zur Verfügung stehende Datensatz, der übrigens auch für weitere Zwecke monetarisierbar ist. In Bezug auf diese Thematik hört und liest man von den deutschen Automobilkonzernen derzeit leider recht wenig. Dagegen zeigt die Entwicklung der Tesla-Aktie, dass die Anleger die Visionen von Elon Musk teilen.

Tesla dominiert bei der Elektronik – Massenhersteller Volkswagen und Toyota weit abgeschlagen

Die Elektronik von Tesla ist anderen Herstellern gegenüber schon heute stark überlegen. Einem Bericht der japanischen Nachrichtenagentur Nikkei zufolge ist Tesla in Sachen Elektronik den großen Massenherstellern Toyota und VW um bis zu 6 Jahre voraus und das vor allem bei der zentralen Recheneinheit. Die Recheneinheit beinhaltet Tesla-intern entwickelte KI-Chips. Somit ist Tesla nicht nur ein Produzent von E-Fahrzeugen, sondern auch Entwickler und Produzent von Hardware und Software, die zum besten Ergebnis bis hin zu Ziel des autonomen Fahrens führen sollen. Das derzeitige Leistungsspektrum von Tesla ist somit enorm beeindruckend. Die Chancen für Tesla stehen als „First Mover“ in vielen Bereichen ohnehin gut.

Cruise testet ebenso aktuell seine Robotertaxi-Flotte. Aktuell auch noch mit Personal am Steuer.

GM stellt selbstfahrendes E-Mobil vor und sieht gigantische Marktvolumina für die Branche

Auch General Motors (NYSE:GM) präsentierte ein selbstfahrendes E-Mobil. Das Elektrofahrzeug des Start-ups „Cruise“ trägt den Namen „Origin“ und verfügt weder über ein Lenkrad noch über Pedale. Die Origin-Modellreihe soll für die von Cruise geplante Robotertaxi-Flotte genutzt werden. General Motors hat das Zeug dazu damit in die Massenfertigung zu gehen. Vor allem sollen die Fahrzeuge für die Verwendung als Robotaxis ultrarobust daherkommen, denn sie sollen schließlich lange halten. Cruise hat in San Francisco seinen Sitz und ist auf „autonomes Fahren“ spezialisiert. Einem jüngst veröffentlichten Bericht der Nachrichtenagentur CNBC zufolge, prognostizierte Cruise für die gesamte Industrie rund um das autonome Fahren einen Marktwert von rund 8 Billionen US-Dollar. Die Schätzungen beinhalten sowohl das Geschäft von Fahrdiensten beziehungsweise Fahrdienstvermittlungen mit einem Marktwert von schätzungsweise 5 Billionen US-Dollar, als auch 2 Billionen US-Dollar Bewertung für den Frachtbereich und jeweils 500 Milliarden US-Dollar für das Geschäft mit Daten und mit Fahrzeugen. Das Problem mit Cruise ist allerdings, dass bis dato noch kein genaues Datum vorliegt, an dem das Start-Up den Betrieb eines Fahrdienstunternehmens mit den neuartigen autonomen Fahrzeugen namens „Origin“ aufzunehmen gedenkt (noch laufen weitere Fahrtests unter anderem in San Francisco). Termin vorerst hin oder her, mit den Plänen von Cruise droht Uber (NYSE:UBER) und Lyft (NASDAQ:LYFT) Ungemach. Der Wettbewerb ist ohnehin ultrahart und durch das rein auf autonomes Fahren ausgelegte Geschäftsmodell wäre der Preisvorteil für Cruise immens (ähnlich bei Waymo), da Uber und Lyft mangels der eigenen Fortschritte im Bereich selbstfahrender Autos auf absehbare Zeit weiter an Fahrern festhalten werden müssen. Das als disruptiv geltende Geschäftsmodell von Uber und Lyft wird also aller Voraussicht durch ein noch viel disruptiveres Geschäftsmodell abgelöst werden. Der Beruf des Taxifahrers oder Uber- und Lyft-Fahrers wird künftig wohl obsolet.

Fazit

Setzt sich autonomes Fahren massenhaft durch, so wird dies die gesamte Automobilindustrie in den nächsten Jahrzehnten auf den Kopf stellen und möglicherweise auch den derzeitigen Status des Automobils verändern oder gar komplett in Frage stellen. Dies könnte dazu führen, dass Privatpersonen nicht mehr unbedingt ein Fahrzeug erwerben, sondern diese je nach Bedarf via Smartphone ein Fahrzeug ordern, welches autonom zum Kunden fährt und den Kunden dann zu den gewünschten Zielen bringt. Abgerechnet wird höchstwahrscheinlich über eine Smartphone-Applikation. Sollte dies so kommen, so wäre dies sicherlich das Ende für Edelmarken, Individualität in der Automobilbranche. Nur Massenhersteller, wie GM, Toyota oder Volkswagen würden dies möglicherweise überleben. Auf der anderen Seite würden auch reine Fahrdienstanbieter wie Uber oder Lyft ohne „in-house“ produzierte Fahrzeuge auf Dauer nicht mit Anbietern wie Cruise von GM oder zum Beispiel einer Verschmelzung aus Waymo und Tesla überleben. Dies könnte neben Tesla auch Uber Technologies oder Lyft zu möglichen Übernahmezielen machen, um sich deren Forschung, Technologien und Patente anzueignen. Alleingestellt haben Uber Technologies und Lyft aufgrund ihrer bis auf Weiteres hohen operativen Kosten durch Fahrer im direkten Vergleich zu auf autonomen Fahren aufgesetzten Fahrdiensten keine Überlebenschance in diesem Markt.

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