Charttechnik schlägt Alarm: Risiko für ungeschützte Depots steigt

Veröffentlicht am 09.03.2026, 11:52

Der S&P 500 beendete den Freitag bei 6.740 Punkten und damit auf dem niedrigsten Stand seit Mitte Dezember. Auf den Charts spiegeln sich damit die zunehmende technische Schwäche, der Einbruch bei den Gehaltsabrechnungen sowie der Ölpreis bei rund 90 USD wider. Gleichzeitig wurden sämtliche wichtigen gleitenden Durchschnitte nach unten durchbrochen.

Und so geht es weiter:

Der S&P 500 schloss am Freitag mit einem Minus von 90,69 Punkten beziehungsweise 1,33 % bei 6.740,02 Punkten. Damit endete eine Woche, in der der Index seine schwächste Performance seit Mitte Oktober verzeichnete und auf den niedrigsten Schlussstand seit Mitte Dezember fiel. Die technische Verschlechterung, die sich seit Wochen unter der Oberfläche aufgebaut hat, ist inzwischen klar sichtbar.

Der Freitag trug deutliche Spuren eines institutionellen Rückzugs - nicht die einer gewöhnlichen Marktschwäche. Der Dow verlor 453 Punkte, der Nasdaq gab 1,59 % nach, der Russell 2000 fiel um 2,33 %. Gleichzeitig sprang der VIX um 24 % nach oben und schloss bei 29,49. Das aktuelle Risikoszenario hat damit vor allem eine Entwicklung beschleunigt, die wir bereits in den vergangenen Wochen diskutiert haben.

"Aus technischer Sicht wirkt der Markt angeschlagen, wie der folgende Chart zeigt. Das Momentum lässt ebenso nach wie die Relative Stärke. Gleichzeitig bildet der Markt zuletzt niedrigere Hochpunkte aus und läuft Gefahr, die wichtige Unterstützung des gleitenden 100-Tage-Durchschnitts zu durchbrechen."

Dieser Chart wurde bis Freitag aktualisiert.

Der Markt durchbrach am Freitag tatsächlich die wichtige Unterstützung, woraufhin der Verkaufsdruck deutlich zunahm. Mehrere Faktoren wirkten gleichzeitig als Katalysator: Im Februar überraschte die Zahl der Beschäftigten (ohne Landwirtschaft) negativ und fiel um 92.000 - erwartet worden war ein Anstieg um 70.000. Gleichzeitig sprang die Arbeitslosenquote auf 4,4 %.

Hinzu kam die Entwicklung am Ölmarkt: WTI-Rohöl überschritt die Marke von 90 US-Dollar pro Barrel und verzeichnete mit einem Wochenplus von 35 % den stärksten Anstieg seit Beginn des Öl-Terminhandels im Jahr 1983. Hintergrund war die praktisch blockierte Straße von Hormus infolge der eskalierenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran.

Die makroökonomischen Schlagzeilen beschleunigten damit vor allem eine Korrektur, die sich charttechnisch bereits seit dem gescheiterten Anlauf auf das Allzeithoch von 7.002 Punkten Ende Januar abgezeichnet hatte. Nun rückt die technische Verschlechterung klar in den Vordergrund - und die einzig rationale Reaktion darauf ist ein konsequentes Risikomanagement.

Taktischer  Trading- Plan (Überblick)

Systemischer Zusammenbruch

Die besorgniserregendste Entwicklung ist derzeit das systematische Unterschreiten sämtlicher kurzfristiger gleitender Durchschnitte. Der S&P 500 notiert bereits seit dem 27. Februar unter seinem gleitenden 50-Tage-Durchschnitt bei 6.838 Punkten. Am 5. März fiel der Index anschließend auch unter den gleitenden 100-Tage-Durchschnitt bei 6.835 Punkten.

Mit dem Schlusskurs vom Freitag bei 6.740 Punkten liegt der Index inzwischen rund 100 Punkte unter diesem Cluster. Die Durchschnittslinien, die erst kürzlich nach unten durchbrochen wurden, fungieren damit nicht mehr als Unterstützung, sondern als Widerstand.

Von den zwölf gleitenden Durchschnittssignalen, die wir beobachten, senden derzeit zehn ein Verkaufssignal. Eine derart breite Übereinstimmung ist bei gewöhnlichen Marktkorrekturen eher selten.

Positionierung vs. Moving Average

Auch der gleitende 20-Tage-Durchschnitt ist inzwischen unter den 50-Tage-Durchschnitt gefallen. Dieses sogenannte "Todeskreuz" verstärkt den Widerstand nach oben und erhöht den Verkaufsdruck bei kurzfristigen Erholungen.

Wie es bei Pink Floyd heißt, handelt es sich um "einen weiteren Stein in der Wand" der Abwärtsbewegung seit dem Allzeithoch des Marktes bei 7.002 Punkten.

Damit rückt nun der gleitende 200-Tage-Durchschnitt in den Fokus, der aktuell bei rund 6.582 Punkten verläuft und zunehmend als letzte wichtige Verteidigungslinie erscheint. Notiert der Index in einer Phase steigender Ölpreise unter seinem 100-Tage-Durchschnitt, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer Mittelwertumkehr in Richtung des 200-Tage-Durchschnitts deutlich.

Auch der Wochenchart bestätigt die nachlassende Dynamik. Wie zu sehen ist, traten kombinierte „Verkaufssignale“ der kurz- und mittelfristigen Momentum-Indikatoren in einem Markt nahe dem Höhepunkt seines langfristigen Aufwärtstrends zuletzt im Jahr 2022 auf.

Gleichzeitig zeigt der langfristige Trend klar nach unten, was das Risikoprofil der Aktienmärkte aus Anlegersicht zunehmend verschlechtert.

Risikomanagementanalyse

Das Konsolidierungsmuster und die zunehmende Marktspaltung waren frühe Hinweise auf steigende Risiken. Entsprechend lautete die Empfehlung in den vergangenen Wochen, das Risiko zu reduzieren und die Portfolios neu auszurichten.

Gestörte bullische Muster sind häufig problematischer als klar ausgeprägte Abwärtstrends. Der Grund: Sie binden bestehende Long-Positionen, deren Halter irgendwann gezwungen sind zu verkaufen. Die zunehmende technische Verschlechterung der Marktstruktur setzt die Bullen damit spürbar unter Druck.

Die wichtigsten Schwellenwerte im aktuellen Markt

Für längerfristig orientierte Anleger bleibt es entscheidend, die wichtigsten Unterstützungs- und Widerstandsniveaus im Blick zu behalten. Die weitere Marktentwicklung wird darüber entscheiden, ob die Bullen ihre Kontrolle über den Markt behaupten können.

Wichtige Unterstützungs- und Widerstandsniveaus

Kurzfristig zeigt sich das Bild jedoch nicht ausschließlich negativ. Der 14-Tage-Relative-Strength-Index liegt aktuell bei 38,45 und nähert sich damit einem überverkauften Niveau. Noch wichtiger ist jedoch, dass der RSI am Allzeithoch eine klassische rückläufige Divergenz ausgebildet hat: Während der Kurs ein neues Hoch markierte, bestätigte das Momentum diese Bewegung nicht.

Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, dass eine solche Divergenz häufig das früheste Signal für die Phase der Verteilung ist, die sich nun entfaltet. Da sich der RSI weiterhin oberhalb der überverkauften Schwelle von 30 bewegt, besteht allerdings noch Spielraum für zusätzlichen Druck, bevor eine technische Gegenbewegung wahrscheinlicher wird.

Auch der MACD zeichnet ein negatives Bild. Mit einem Wert von -10,54 bleibt der Indikator klar im pessimistischen Bereich, nähert sich jedoch ebenfalls einem stärker überverkauften Niveau. Ende Februar unterschritt die MACD-Linie die Signallinie, während beide noch oberhalb der Nulllinie lagen - eine Konstellation, die historisch zu den stärksten Verkaufssignalen zählt. Das Histogramm zeigt zudem sechs aufeinanderfolgende, tiefere negative Balken ohne erkennbare Konvergenz, was darauf hindeutet, dass der kurzfristige Abwärtsdruck auf die Märkte anhält.

Auch die Bollinger-Bänder unterstreichen die technische Verschlechterung und bringen zusätzlich eine Volatilitätskomponente ins Spiel. Nachdem sich die Bänder auf einige der engsten Niveaus seit Oktober 2025 verengt hatten - eine klassische Squeeze-Formation - kam es zu einer deutlichen Aufweitung nach unten. Der Kurs liegt nun rund drei Standardabweichungen unter dem 50-DMA und damit auf einem Niveau, das in vielen Fällen reflexartige Gegenbewegungen begünstigt.

Die Auflösung dieser Squeeze-Formation nach unten deutet darauf hin, dass die Volatilität bis etwa Mitte März erhöht bleiben dürfte. Dieser Zeitraum fällt zudem mit einer saisonal oft schwächeren Marktphase sowie mit Liquiditätsabflüssen im Vorfeld der Steuersaison zusammen.

Fibonacci, Volumen und Breite

Auch die Fibonacci-Retracement-Niveaus bestätigen den rückläufigen Ausbruch des Marktes und unterstreichen das zunehmende Abwärtsrisiko. Ausgehend von den Tiefständen im April liegt das erste Retracement-Niveau bei 6.515 Punkten, was einem Rückgang von 23,6 % gegenüber dem Höchststand entspricht.

Sollte es dem Markt nicht gelingen, dieses Niveau zu halten, würde sich das Umfeld deutlich defensiver darstellen. In diesem Fall rücken die nächsten Retracement-Ziele bei 6.215 Punkten (38,2 %) und 5.973 Punkten (50 %) in den Fokus.

Auch die Analyse des Handelsvolumens bestätigt, dass die technische Verschlechterung vor allem von institutionellen Anlegern und nicht von Privatinvestoren ausgelöst wird. Der Einbruch am 5. März unter den gleitenden 100-Tage-Durchschnitt erfolgte bei einem Handelsvolumen, das rund 20 bis 25 % über dem 20-Tage-Durchschnitt lag - ein klares Signal für Verkäufe mit hoher Überzeugung.

Der Kontrollpunkt des Volumenprofils der vergangenen 90 Tage liegt im Bereich zwischen 6.860 und 6.900 Punkten. Das deutet darauf hin, dass ein Großteil der während der Konsolidierungsphase aufgebauten Positionen inzwischen im Minus notiert. Dieser Positionsüberhang erhöht den Verkaufsdruck zusätzlich, da gefangene Long-Positionen gezwungen sein können, ihre Engagements zu reduzieren.

Auch die Marktbreite verschlechtert sich bereits seit Wochen schleichend. Die Divergenz der „Mag 7“ war ein frühes Warnsignal dafür, dass sich die Rallye zunehmend gefährlich verengte. Wie bereits im „Business Cycle Narrativ“ beschrieben, ist eine Rotation in Richtung defensiver Werte typisch für die späte Phase eines Konjunkturzyklus - eine Phase, mit der Anleger im Zuge der aktuellen Korrektur nun zwangsläufig konfrontiert sind.

Fazit

Die aktuellen Entwicklungen lassen den Anlegern kaum Raum zum Durchatmen. Anzeichen für eine Deeskalation des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sind nicht erkennbar. Der Ölpreis dürfte weiter steigen, solange der Schiffsverkehr im Persischen Golf beeinträchtigt bleibt. Gleichzeitig hat der Schock über die schwachen Beschäftigungszahlen im Februar die Erwartungen einer Zinssenkung durch die Fed in den Herbst verschoben und die Debatte über mögliche Stagflationsrisiken neu entfacht. Entsprechend richtet sich der Blick der Händler in dieser Woche auf den VPI-Bericht, von dem sie sich Hinweise auf den weiteren geldpolitischen Kurs der Fed erhoffen.

All das bedeutet jedoch nicht, dass der langfristige Bullenmarkt endgültig beendet ist. Der Aufwärtstrend in den Monatscharts seit dem Tief im Oktober 2022 bleibt intakt, und der gleitende 200-Tage-Durchschnitt hat sich in der Vergangenheit während Korrekturen innerhalb eines Zyklus häufig als verlässliche Unterstützung erwiesen. Dennoch verlangt das Ausmaß der technischen Verschlechterung über mehrere Zeiträume und Indikatoren hinweg nach einem disziplinierten Risikomanagement - nicht nach einem reflexhaften „Buy-the-Dip“-Ansatz.

Für engagierte Anleger ergibt sich daraus eine klare taktische Marschroute. Jede Erholungsbewegung in den Bereich zwischen 6.830 und 6.850 Punkten - dort, wo die zuvor gebrochenen 100-Tage- und 50-Tage-Durchschnitte nun als Widerstand wirken dürften - kann genutzt werden, um Hedge-Positionen aufzubauen oder Long-Positionen zu reduzieren. Als Ausstiegspunkt bietet sich ein Niveau bei 6.960 Punkten an, also oberhalb des bisherigen Kontrollpunkts.

Für Long-only-Portfolios kann eine Erhöhung der Cashquote auf etwa 10 bis 15 % des Portfolios sowie eine stärkere Gewichtung kurzfristiger Anleihen zusätzlichen Schutz vor weiteren Schwankungen bieten. Gleichzeitig ist Geduld gefragt: Der Markt ist kurzfristig bereits deutlich überverkauft, sodass eine technische Gegenbewegung durchaus wahrscheinlich bleibt.

Die Märkte bewegen sich selten in geraden Linien. Das Zusammentreffen eines gescheiterten Ausbruchs auf ein Allzeithoch, eines Bruchs der Konsolidierung, geopolitischer Schocks und einer Neubewertung der Erwartungen hat das anspruchsvollste technische Umfeld seit mehr als zwei Jahren geschaffen. Entscheidend ist daher weniger die Frage, ob Risikomanagement in einer Phase technischer Verschlechterung sinnvoll ist, sondern ob es bereits implementiert war, bevor sich dieser Trend abzeichnete.

Für diejenigen, bei denen das bislang nicht der Fall ist, bietet sich jetzt zumindest der zweitbeste Zeitpunkt, ein konsequentes Risikomanagement aufzubauen.

Aktuelle Kommentare

Mit Ring Energy ist das in Zukunft auch durch egal
wirecard jetzt kaufen, wer will nochmal, wer hat noch nicht, reite weiter das tote Pferd, nur zu hoffen, das auf deinen Müll keiner reinfällt
andrrrry du mit deinem möchtegern schrott... sitze in minuskeller ... ggggg
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Toller Beitrag, vielen Dank dafür.
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