(DailyFX.de) Es war nur ein kurzes Intermezzo, welches der Deutsche Aktienindex gestern über der Marke von 9.200 Punkten verbrachte. Sah es heute morgen zum Start des vorbörslichen Handels auch noch so aus, als würde er seinen Erholungstrend fortsetzen können, machte ihm die Veröffentlichung des deutschen Bruttoinlandsprodukts dann einen Strich durch die Rechnung. Mit einem Minus von 0,2 Prozent ist die Wirtschaftsleistung im „Zugpferd“ der Eurozone Deutschland doppelt so stark geschrumpft wie von den Volkswirten erwartet. Damit sorgen die internationalen Krisen, allen voran der Ukraine-Konflikt, für erste deutliche Bremsspuren in der sich bis dato zwar langsamen aber dennoch zumindest erholenden Konjunktur.
Rund um den Globus weiter sinkende Zinsen an den Anleihemärkten zeigen eine generelle Skepsis gegenüber der weltweiten wirtschaftlichen Entwicklung. Da passten die Zahlen zur deutschen Wirtschaft nur zu gut ins Bild. Denn auch die gestern in den USA veröffentlichten Einzelhandelsumsätze enttäuschten. Die Zinsen der US-Staatsanleihen längerer Laufzeiten nahmen ihren Abwärtstrend wieder auf. Der Euro-Bund-Future zog wieder kräftig an und markierte heute Morgen nach den schwachen Zahlen ein neues Rekordhoch bei 150,00.
Der DAX bleibt zwar mit dem Vorstoß an die 9.200 Punkte auf Erholungskurs. Doch bis zur Veröffentlichung der Wachstumszahlen der gesamten Eurozone heute um 11 Uhr sollte sich der Index schwer damit tun, die Enttäuschung aus Deutschland wegzustecken. Zu groß sind die Sorgen, dass die noch immer schwelenden politischen Krisen die wirtschaftliche Erholung nachhaltig beeinflussen und die Unternehmensgewinne belasten werden, was dann deutsche Aktien auf diesem Niveau wieder sehr viel teurer aussehen ließe.
Enttäuschende Zahlen aus der Eurozone könnten die Europäische Zentralbank zwar dazu ermutigen, zeitnah weitere Liquiditätsspritzen anzubieten und die Vorbereitungen der ABS-Ankäufe zu intensivieren. Sie würden deshalb nicht zwingend für Druck auf deutsche Aktien sorgen. Aber erst ein nachhaltiges Überwinden des Widerstands bei 9.250 Punkten könnte im DAX die nächste Etappe der Erholung einleiten. Bis es soweit ist, bleibt der DAX in seiner Korrektur weiterhin sehr empfänglich für Kursabgaben. Trotz der gewonnenen Distanz sollte man das Jahrestief gerade im Fall neuer Eskalationen in den geopolitischen Krisenregionen nicht komplett aus dem Auge verlieren, denn dahin kann es in dieser Marktverfassung jederzeit schnell gehen.
Analyse geschrieben von Niall Delventhal, Marktanalyst von DailyFX.de
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