Inflation, Zinsen, Rezession? Trumps gefährliches Spiel mit dem System

Veröffentlicht am 02.04.2025, 19:10

Viele von uns mögen Sonntags-Kreuzworträtsel – sie sind oft größer, etwas kniffliger und drehen sich in der Regel um ein cleveres Thema. Typischerweise gibt es drei oder vier thematische Hinweise, deren Lösungen sich über das ganze Rätsel erstrecken, was das Ganze besonders spannend macht. Hat man das Grundthema einmal durchschaut, wird auch das Rätsel etwas einfacher.

Ganz ähnlich hat Präsident Donald Trump in der Vergangenheit die Medien regelmäßig mit Hinweisen zu seiner Wirtschaftspolitik versorgt – vor allem zu seinen Vorstellungen, wie er die Inflation bekämpfen und die Zinsen senken will.

Da sowohl Inflation als auch Zinssätze eine zentrale Rolle für Wirtschaft und Finanzmärkte spielen, lohnt es sich, genauer hinzuschauen – und aus seinen bisherigen Aussagen abzuleiten, was Trump möglicherweise plant.

Die Märkte kennen keine Parteien

Angesichts des aktuell sehr angespannten politischen Klimas möchten wir zunächst ein paar allgemeine Hinweise zum Thema Geldanlage geben – bevor wir uns daran machen, das wirtschaftspolitische Rätsel rund um Donald Trump näher zu betrachten.

Als Bürger und Wähler ist es wichtig, über die Ziele und die Vorgehensweise Trumps offen zu diskutieren – das gehört zur demokratischen Auseinandersetzung.

Als Anleger hingegen ist es entscheidend, politische Überzeugungen bewusst außen vor zu lassen. Persönliche Meinungen und Emotionen sollten keinen Einfluss auf Investmententscheidungen haben.

Das gilt unabhängig von der politischen Ausrichtung. Natürlich fällt es nicht immer leicht, Gefühle und Erwartungen voneinander zu trennen – aber genau das ist notwendig, um emotionale Verzerrungen zu vermeiden, die langfristig dem Vermögensaufbau im Weg stehen könnten.

Das Trump-Rätsel lösen

Fangen wir mit einer simplen Frage und zwei Zitaten an – beides kann uns helfen, Trumps wirtschaftspolitischen Kurs besser einzuordnen:

Was sind die beiden wichtigsten Faktoren, die die Inflation antreiben?

„Ich werde sehr schnell deflationieren. Wir werden uns die Inflation vornehmen und sie deflationieren. Wir werden die Inflation besiegen.“
– Donald Trump

„Der Präsident will niedrigere Zinsen. Er und ich konzentrieren uns auf die 10-jährigen Staatsanleihen und ihre Rendite.“
– Finanzminister Scott Bessent

Hinweis #1: Wie kann der Präsident den privaten Konsum bremsen?

Die Regierung plant deutliche Einschnitte bei den Bundesausgaben – ein zentrales Element dabei ist die Reduzierung des staatlichen Personalbestands. Schätzungen zufolge könnten dabei zwischen 200.000 und 300.000 Stellen im öffentlichen Dienst wegfallen.

Diese Zahl könnte jedoch nur ein erster Hinweis auf die tatsächlichen Auswirkungen sein. Denn laut verschiedenen Analysen könnten im privaten Sektor auf jeden entfallenden Regierungsjob zwei bis drei weitere Stellen verloren gehen.

Besonders betroffen wären auch Unternehmen, die nicht direkt in staatliche Aufträge eingebunden sind, deren Geschäftsmodell aber stark vom Konsum staatlich Beschäftigter abhängt – etwa Kindertagesstätten oder Restaurants in Regierungsvierteln.

Hinzu kommen die vielen Jobs in der Privatwirtschaft, die indirekt an Bundesmittel gebunden sind. Laut Schätzung des Brookings Institute hängen rund 7,5 Millionen Arbeitsplätze im privaten Sektor direkt von staatlichen Aufträgen und Zuschüssen ab.

Die möglichen Folgen solcher Kürzungen reichen weit über den unmittelbaren Arbeitsplatzverlust hinaus. Auch das Vertrauen der Verbraucher – selbst unter denen, die nicht direkt betroffen sind – könnte stark beeinträchtigt werden. Und gerade das Vertrauen der Verbraucher spielt eine entscheidende Rolle für den privaten Konsum, der rund zwei Drittel der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage ausmacht.

Dass Konsumverhalten und Verbrauchervertrauen eng miteinander verbunden sind, überrascht kaum.

Das folgende Schaubild zeigt, wie stark diese Beziehung ist – dargestellt wird die Korrelation zwischen dem Verbrauchervertrauen und der Arbeitslosenquote. Um den Zusammenhang deutlicher zu machen, ist die Achse für die Arbeitslosigkeit umgekehrt dargestellt.

UM Verbrauchervertrauen und Arbeitslosigkeit

Antwort #1 – Die Nachfrage senken

Was ist einer der beiden Haupttreiber der Inflation? Die Antwort lautet: Nachfrage.

Und was hilft, die Inflation zu senken? Richtig – eine geringere Nachfrage.

Was könnte die Zinsen wieder nach unten bringen? Auch hier ist die Antwort: weniger Nachfrage.

„Wir sehen die Nachwirkungen der übermäßigen Ausgaben in den vier Biden-Jahren. In 6 bis 12 Monaten wird es Trumps Wirtschaft sein.“
– Finanzminister Scott Bessent

Dieses Zitat legt nahe, dass die Regierung davon ausgeht, dass der Stellenabbau die Wirtschaft gezielt abschwächen wird. Weniger Konsum, also weniger Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen, könnte demnach zu sinkender Inflation und niedrigeren Zinsen führen.

Wichtig dabei: Veränderungen auf der Nachfrageseite können sehr plötzlich auftreten – ebenso wie ihre wirtschaftlichen Folgen.

Es ist gut möglich, dass Finanzminister Bessent mit seiner Aussage auch einem Vorwurf zuvorkommen will: Sollte die Konjunktur ins Stocken geraten oder eine Rezession folgen, soll die Verantwortung bereits vorab der Vorgängerregierung zugeschrieben werden – konkret Präsident Biden.

Hinweis #2 – Wie kann der Präsident das Angebot an Waren und Dienstleistungen erhöhen?

Werfen wir dazu einen Blick auf einige Aussagen von Donald Trump:

„Um unsere Wirtschaft anzukurbeln: Wir haben das aggressivste Deregulierungsprogramm der Geschichte gestartet und werden die größten Steuersenkungen in der Geschichte der Vereinigten Staaten anstreben.“

„Unter der Trump-Regierung wird es keinen besseren Ort auf der Welt geben, um Arbeitsplätze zu schaffen, Fabriken zu bauen oder ein Unternehmen zu vergrößern, als genau hier in den guten alten USA.“

„Die neuen Steuersenkungen werden auch eine vollständige Sofortabschreibung (100 % expensing) für den Bau neuer Fabriken in den Vereinigten Staaten beinhalten.“

Diese und ähnliche Aussagen lassen deutlich erkennen, worauf Trumps wirtschaftspolitische Strategie abzielt: Mit Steuersenkungen und einem massiven Abbau von Regulierungsvorgaben soll die heimische Industrie gestärkt werden. Ziel ist es, die Produktionskapazitäten in den USA auszuweiten und das Angebot an Waren und Dienstleistungen spürbar zu erhöhen.

Antwort #2 – Das Angebot erhöhen

Was ist der zweite zentrale Treiber der Inflation? Die Antwort lautet: das Angebot.

Und was hilft, Inflation zu senken? Weniger Nachfrage bei gleichzeitig höherem Angebot.

Was kann die Zinsen nach unten bringen? Auch hier: weniger Nachfrage in Kombination mit mehr Angebot.

Steuersenkungen, Deregulierung und ein insgesamt unternehmensfreundlicheres Umfeld sollen Investitionen ankurbeln und die Expansion von US-Unternehmen erleichtern.

Ein weiterer Punkt: Trump plant, die Regulierung im Bankensektor zu lockern. Das würde Banken mehr Spielraum geben, Unternehmen zu finanzieren – was wiederum Investitionen und Wachstum fördern könnte.

Wenn diese Maßnahmen greifen, dürfte das Angebot an Waren und Dienstleistungen im Laufe der Zeit zunehmen. Allerdings: Anders als auf der Nachfrageseite wirken Veränderungen beim Angebot meist verzögert – ihre Effekte auf die Inflation und die Zinssätze zeigen sich oft erst nach einiger Zeit.

Angebot und Nachfrage

Wenn wir die beiden zentralen Einflussfaktoren – Angebot und Nachfrage – zusammen betrachten, lässt sich besser einschätzen, wie sich Wirtschaft und Inflation unter Donald Trump entwickeln könnten.

Ein wichtiger Aspekt auf der Nachfrageseite ist die Stimmung der Verbraucher. Sie verschlechtert sich erfahrungsgemäß, wenn das Vertrauen in Löhne und Beschäftigungsaussichten nachlässt. Wie bereits erwähnt, kann sich die Nachfrage sehr schnell verändern.

Ein Rückgang der privaten Konsumausgaben hätte zunächst eine dämpfende Wirkung auf die Inflation und könnte zu sinkenden Zinssätzen führen. Gleichzeitig steigt in einem solchen Szenario das Risiko einer Rezession. Und wie bereits angedeutet, scheint Finanzminister Bessent dieses Szenario bereits kommunikativ vorzubereiten.

Das folgende Schaubild stellt die aktuelle Verbraucherstimmung in einen historischen Zusammenhang.

US Consumer Surveys Index

Wir gehen davon aus, dass die Fed auf eine konjunkturelle Abschwächung mit Zinssenkungen reagieren wird. Gleichzeitig könnte sie das Programm der quantitativen Straffung (QT) beenden und zu einer Phase der quantitativen Lockerung (QE) übergehen, um der wirtschaftlichen Schwäche entgegenzuwirken. Wenn alles nach Plan läuft, könnte dieser Liquiditätspuffer der Fed dazu beitragen, die Wirtschaft und die Finanzmärkte zu stabilisieren – zumindest solange, bis die positiven Effekte niedrigerer Steuern und gelockerter Regulierung greifen.

Mit einer wirtschaftlichen Erholung dürfte die Nachfrage wieder anziehen. Gleichzeitig sollte auch das Angebot zulegen – als Ergebnis von Trumps wirtschaftspolitischen Maßnahmen. Steigende Produktion könnte die Inflation im Zaum halten und so ein Umfeld niedriger Zinsen begünstigen.

Dieser doppelte Effekt – eine heute sinkende Nachfrage und ein künftig wachsendes Angebot – könnte es Trump ermöglichen, sein Ziel von niedriger Inflation und niedrigen Zinsen zu erreichen. Gleichzeitig würde er damit seinem langfristigen makroökonomischen Plan näherkommen: dem Staat weniger Einfluss auf die Wirtschaft zu geben und stattdessen den Privatsektor zu stärken.

Im Gegensatz zu einem Kreuzworträtsel mit klaren Lösungen bietet Trumps wirtschaftspolitisches „Rätsel“ jedoch viele mögliche Antworten – und es ist anfällig für Kurswechsel. Wirtschaftliche oder geopolitische Herausforderungen können jederzeit die Agenda verschieben.

Unser Rat: Stellen Sie sich auf Turbulenzen ein. Während sich Trumps Wirtschaftspolitik entfaltet, dürfte es zu spürbaren Schwankungen kommen. Neben einer möglichen Rezession oder einem gedämpften Wachstum könnte auch eine Phase nachlassender Inflation oder sogar Deflation folgen. Der mögliche Vorteil: niedrigere Preise und niedrigere Zinsen.

Eine Garantie, dass sich die Dinge so entwickeln, wie in dieser Analyse beschrieben oder wie von der Regierung geplant, gibt es natürlich nicht. Aber wer das übergeordnete Drehbuch kennt, kann besser einschätzen, welche politischen Maßnahmen zu erwarten sind – und welchen Einfluss diese auf verschiedene Anlageklassen und Marktsegmente haben könnten.

Aktuelle Kommentare

Bitte warten, der nächste Artikel wird geladen ...
Installieren Sie unsere App
Risikohinweis: Beim Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust Ihres investierten Kapitals führen können. Die Kurse von Kryptowährungen unterliegen extremen Schwankungen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden. Durch den Einsatz von Margin-Trading wird das finanzielle Risiko erhöht.
Vor Beginn des Handels mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Es wird empfohlen, sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten zu lassen.
Fusion Media weist darauf hin, dass die auf dieser Website bereitgestellten Kurse und Daten möglicherweise nicht in Echtzeit oder vollständig genau sind. Diese Informationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass sie indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sein können. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für Handelsverluste, die durch die Verwendung dieser Daten entstehen können.
Die Nutzung, Speicherung, Vervielfältigung, Anzeige, Änderung, Übertragung oder Verbreitung der auf dieser Website enthaltenen Daten ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenproviders ist untersagt. Alle Rechte am geistigen Eigentum liegen bei den Anbietern und/oder der Börse, die die Daten auf dieser Website bereitstellen.
Fusion Media kann von Werbetreibenden auf der Website aufgrund Ihrer Interaktion mit Anzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.
Im Falle von Auslegungsunterschieden zwischen der englischen und der deutschen Version dieser Vereinbarung ist die englische Version maßgeblich.
© 2007-2025 - Fusion Media Limited. Alle Rechte vorbehalten.