ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Berichte über US-Friedensplan für Iran stützen
In der vergangenen Woche ordnete Präsident Donald Trump eine Blockade von Öltankern an, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Damit erhöhte Washington den Druck auf das Regime von Präsident Nicolás Maduro spürbar. Bereits zuvor hatten die USA einen venezolanischen Öltanker beschlagnahmt. In einem Beitrag auf Truth Social ließ Trump zudem anklingen, dass US-Streitkräfte das südamerikanische Land erst dann verlassen würden, wenn es „das gesamte Öl, Land und andere Vermögenswerte zurückgibt, die sie uns zuvor gestohlen haben“.
Noch schärfer formulierte es Stephen Miller, Trumps einflussreichster Politikberater, der Venezuela auf der Plattform X des „größten jemals verzeichneten Diebstahls amerikanischen Vermögens und Eigentums“ beschuldigte.
Bis zur vergangenen Woche war das Engagement der USA in Venezuela offiziell als Teil eines umfassenderen Vorgehens gegen den Drogenhandel dargestellt worden, insbesondere im Zusammenhang mit Fentanyl.
Die Trump-Regierung informierte den Kongress inzwischen darüber, dass sich die USA in einem „bewaffneten Konflikt“ mit Drogenkartellen befänden, während Präsident Maduro beschuldigt wird, „Narco-Terrorismus“ zu unterstützen. In der Region nahe Venezuela kam es zuletzt zu 25 Angriffen auf Boote, bei denen mindestens 95 Menschen ums Leben kamen.
Die unbequeme Realität ist jedoch, dass Venezuela keine Quelle für Fentanyl ist - jenes synthetische Opioid, das seit 2021 für den Tod von mehr als einer Viertelmillion Amerikaner verantwortlich gemacht wird. Nach Angaben des US-Außenministeriums und der Drogenbekämpfungsbehörde DEA fungiert Venezuela in erster Linie als Transitland für Kokain.
Fentanyl wird hingegen überwiegend in Mexiko produziert, unter Verwendung von Vorläuferchemikalien aus China und Indien, und gelangt meist über legale Grenzübergänge in die USA - überwiegend durch US-Bürger selbst. Laut einer Auswertung von Regierungsdaten durch das libertäre Cato Institute waren im Jahr 2024 vier von fünf verurteilten Drogenschmugglern (80 Prozent) US-Staatsangehörige.
Wenn es also nicht primär um Fentanyl geht, stellt sich für Investoren die entscheidende Frage: Warum Venezuela - und warum gerade jetzt? Die Antwort hat aus meiner Sicht deutlich weniger mit Drogen zu tun als vielmehr mit Energie und Macht.
Die „Donroe“-Doktrin
Anfang dieses Monats hat die Trump-Regierung die Monroe-Doktrin offiziell wiederbelebt - jenes außenpolitische Leitprinzip aus dem 19. Jahrhundert, das die westliche Hemisphäre als Einflusszone der USA definiert und fremde Mächte dort ausschließen soll.
In ihrer zeitgemäßen Auslegung, die die Regierung als Trump-Korollar bezeichnet - von Kritikern auch als „Donroe“-Doktrin betitelt -, rückt die Politik die Vorherrschaft der USA auf dem amerikanischen Kontinent in den Vordergrund und positioniert sich klar gegen den Einfluss der Globalisierung.
Vor diesem Hintergrund gewinnt Venezuela strategisch an Bedeutung. Das Land verfügt über umfangreiche Bodenschätze und besitzt mit geschätzten 303 Milliarden Barrel die weltweit größten nachgewiesenen Ölreserven - mehr als das Sechseinhalbfache der Reserven der USA.

Nach Jahren umfassender US-Sanktionen hat Präsident Maduro seine Beziehungen zu China, Russland und dem Iran deutlich intensiviert, um das wirtschaftliche Überleben des Landes zu sichern. Ein Großteil des venezolanischen Rohöls wird inzwischen mit erheblichen Abschlägen nach China exportiert - häufig über intransparente Transportstrukturen, die gezielt der Umgehung bestehender Sanktionen dienen.
Aus Sicht eines Venezuela-Experten fügt sich die Vorstellung eines rohstoffreichen Landes in der westlichen Hemisphäre, das enge Handelsbeziehungen zu China und Russland pflegt, „nicht wirklich in Trumps Weltbild“.
Diesel: Das Rückgrat der Weltwirtschaft
Damit rückt Öl, insbesondere Diesel, verstärkt in den Fokus.
Venezolanisches Rohöl zählt zu den schwersten und schwefelreichsten Qualitäten weltweit. Es ist zähflüssig und technisch anspruchsvoll in der Verarbeitung. Über Jahrzehnte hinweg wurden vor allem in den USA hochkomplexe Raffinerien gezielt auf diese Rohölsorten ausgelegt.
Das ist von zentraler Bedeutung, da schweres Rohöl eine überproportional wichtige Rolle in der Dieselproduktion spielt - und Diesel wiederum das Rückgrat der Weltwirtschaft darstellt. Er ist unverzichtbar für den Betrieb von Lastwagen, Schiffen, den Bergbau, die Landwirtschaft sowie zahlreiche weitere Industriezweige.
Steigende Dieselpreise haben sich in der Vergangenheit häufig als schneller Inflationstreiber erwiesen. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine Anfang 2022 führten Störungen bei der Versorgung mit schwerem Rohöl und Raffinerieprodukten zu einem deutlichen Anstieg der Dieselpreise, was weltweit höhere Lebensmittel- und Verbraucherpreise nach sich zog.

Derzeit betont Venezuela, dass die Ölexporte weiterhin reibungslos verlaufen. Sollte es jedoch zu Störungen im Handel kommen, wären die Folgen nicht auf Venezuela oder Südamerika begrenzt, sondern würden sich entlang der gesamten globalen Wirtschaftskette bemerkbar machen.
Wird ein Dieselschock unterschätzt?
Die Ölpreise sind in diesem Jahr deutlich unter Druck geraten. Der Preis für Brent-Rohöl liegt seit Jahresbeginn um mehr als 20 Prozent niedriger, belastet durch eine nachlassende Nachfrage aus China sowie anhaltende Sorgen über ein Überangebot.

Die Lagerbestände an Mitteldestillaten, darunter Diesel, bleiben laut der Internationalen Energieagentur (IEA) in vielen Regionen auf historisch niedrigen Niveaus.
Ich erwarte keinen unmittelbaren Anstieg der Ölpreise, halte das Risiko einer durch Diesel ausgelösten Inflation jedoch für unterschätzt. Wenn Regierungen Inflationsrisiken verkennen, reagieren sie häufig zu spät - und neigen anschließend zu übermäßigen Gegenmaßnahmen, was sich für die Märkte in der Vergangenheit nur selten als positiv erwiesen hat.
Vor diesem Hintergrund erscheint mir eine Diversifizierung in reale Vermögenswerte weiterhin attraktiv - auch in Phasen fallender Ölpreise.
Diversifikation mit Gold
Wie bereits mehrfach hervorgehoben, hat sich Gold historisch insbesondere in Phasen erhöhter Unsicherheit und steigender Inflationsrisiken als widerstandsfähig erwiesen.
Nach Angaben des World Gold Council ist der Goldpreis inzwischen fünf Wochen in Folge gestiegen und erreichte in der vergangenen Woche mit über 4.300 US-Dollar je Feinunze ein neues Rekordhoch. Seit Jahresbeginn beläuft sich das Plus auf rund 67 Prozent und liegt damit deutlich über der Wertentwicklung der meisten Anlageklassen, darunter Aktien, Anleihen und Rohstoffe.
Zu den zentralen Treibern zählt eine geldpolitische Ausrichtung, die zunehmend unterstützend wirkt. Historisch betrachtet erwiesen sich Phasen von Zinssenkungen sowie eine Ausweitung der Zentralbankbilanzen als förderlich für den Goldpreis.
Hinzu kommt eine Abschwächung des US-Dollars. Ein schwächerer Dollar gilt traditionell als einer der verlässlichsten Rückenwinde für Gold.
Darüber hinaus bleiben die geopolitischen Risiken erhöht - nicht nur mit Blick auf Venezuela. Der World Gold Council verweist auf anhaltende Spannungen im Zusammenhang mit Russland und der Ukraine, den Nahen Osten sowie zunehmende Instabilität in mehreren Weltregionen.
Vor diesem Hintergrund empfehle ich weiterhin eine Goldquote von zehn Prozent, aufgeteilt zwischen physischem Gold und qualitativ hochwertigen Goldminenwerten. Entscheidend bleibt, das Portfolio mindestens einmal jährlich neu auszubalancieren.
Der FAO-Lebensmittelpreisindex (FFPI) ist ein monatlicher Indikator der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, der die Preisentwicklung von fünf zentralen Lebensmittelgruppen abbildet: Getreide, Pflanzenöle, Milchprodukte, Fleisch und Zucker - gewichtet nach ihrem jeweiligen Exportanteil.
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