Main Street kauft, Wall Street zweifelt – wer liegt richtig?

Veröffentlicht am 18.08.2025, 07:26

Edward Harrison von Bloomberg wies kürzlich auf eine wichtige Marktbeobachtung hin: „Das Kaufen von Dingen, an die man nicht glaubt, schafft ein Abwärtsrisiko.“

Überzeugung ist ein Maß dafür, wie stark Anleger an ihre Investments glauben. Ist diese Überzeugung hoch, sind sie eher bereit, kurzfristige Rückschläge zu akzeptieren – manche bauen ihre Positionen bei fallenden Kursen sogar noch aus. Umgekehrt gilt: Fehlt die Überzeugung, verkaufen viele beim ersten Anzeichen von Problemen. Genau dieses Risiko spricht Harrison an.

Die nachfolgenden Diagramme geben Aufschluss über die aktuelle Überzeugung und Risikobereitschaft der Fondsmanager. Die erste Grafik zeigt, dass eine Rekordzahl von 91 % der Fondsmanager die US-Aktienmärkte für überbewertet hält. Dennoch sind sie nahezu vollständig investiert, was die fast rekordniedrigen Kassenbestände in der zweiten Grafik deutlich machen. Mit anderen Worten: Die Fondsmanager sind voll investiert, doch es fehlt ihnen an wirklicher Überzeugung.

Harrison verweist darauf, dass die möglichen Marktturbulenzen aus diesem Mangel an Überzeugung beim plötzlichen Absturz Anfang April nach der Ankündigung neuer Zölle klar sichtbar wurden.

Dieses Beispiel verdeutlicht, wie sensibel die Märkte reagieren. Jede unerwartete geldpolitische Maßnahme oder ein Ereignis, das eine Rezession in den USA auslösen könnte, dürfte Anleger auf dem falschen Fuß erwischen.

Im Gegensatz dazu zeigen sich Privatanleger deutlich überzeugter. Ihre Käufe waren entscheidend für die kräftige V-förmige Erholung von den Tiefständen im April. Traditionell gilt die Wall Street als das „kluge Geld“ und die Main Street als das „dumme Geld“. Doch die Frage ist: Gilt das heute noch – oder erleben wir ein neues Marktparadigma?

FMS-Anleger: 91% glauben, dass US-Aktien überbewertet sind

Dienstleistungsinflation treibt den Erzeugerpreisindex deutlich über die Schätzungen

Nach dem eher moderaten Verbraucherpreisindex (VPI) überraschte der Erzeugerpreisindex (EPI) im Juli mit einem kräftigen Anstieg von 0,9 % – erwartet waren lediglich +0,3 %. Aktien- und Anleihemärkte reagierten erstaunlich gelassen, und die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im September blieb mit über 90 % praktisch unverändert. Haupttreiber des Anstiegs waren die Dienstleistungen, wie weiter unten erläutert. Die Endnachfrage nach Waren (ohne Nahrungsmittel und Energie) lag bei +0,4 % und damit nur leicht über dem Durchschnitt der vergangenen sechs Monate (0,3 %).

Etwa ein Drittel des Dienstleistungssektors entfällt auf Handelsdienstleistungen – ein Näherungswert für die Gewinnspannen im Einzel- und Großhandel. Diese Statistik unterliegt starken Schwankungen, da sich schon geringe Unterschiede zwischen Verkaufs- und Einkaufspreisen stark auf die kalkulatorischen Margen auswirken können. Ein einfaches Beispiel: Verkauft ein Supermarkt Wasser für 1 USD pro Flasche und kauft es für 90 Cent ein, beträgt die Marge 10 Cent. Steigt der Verkaufspreis nur um einen Cent auf 1,01 USD, entspricht das einem Preisplus von 1 % – die Marge wächst jedoch von 10 auf 11 Cent, also um 10 %.

Das zeigt, wie volatil Handelsdienstleistungen sind – wie auch die zweite Grafik verdeutlicht. Offenbar erkennen die Märkte diese Rechenfehler und die extreme Schwankungsanfälligkeit des Datenpunkts – und schenken ihm vorerst wenig Beachtung.

Chart zum Erzeugerpreisindex
Erzeugerpreisindex nach Ware

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