Multi-Asset-Strategien: Überdurchschnittliche langfristige Renditen winken

Veröffentlicht am 05.12.2025, 06:46

Die langfristigen Erwartungen für den Global Market Index (GMI) liegen weiterhin bei einer annualisierten Gesamtrendite von über 7 % (basierend auf den Daten bis November). Diese Prognose hat sich in den vergangenen Monaten weitgehend stabil gezeigt und ist im Vergleich zur Schätzung des Vormonats leicht gestiegen.

Der GMI bildet ein marktwertgewichtetes Portfolio ab, das sämtliche wichtigen Anlageklassen umfasst (mit Ausnahme von Bargeld) und dabei auf eine Auswahl von ETF-Proxies zurückgreift. Die aktuelle Projektion stützt sich auf den Durchschnitt von drei Modellen (siehe unten). Mit einer erwarteten Jahresrendite von 7,2 % liegt der Wert leicht über der November-Schätzung, bleibt aber klar unter der annualisierten Rendite von 9,2 %, die der GMI in den vergangenen zehn Jahren erzielt hat.

Für die meisten Komponenten des GMI wird ein Ergebnis prognostiziert, das über ihren jeweiligen 10-Jahres-Werten liegt – mit drei Ausnahmen: US-Aktien, Rohstoffe und hochverzinsliche US-Anleihen. So wird für den US-Aktienmarkt langfristig eine annualisierte Gesamtrendite von 8,6 % erwartet, was 5,4 Prozentpunkte unter der Rendite der vergangenen zehn Jahre liegt.

Tabelle der erwarteten Renditen

Der GMI dient als theoretische Benchmark für das optimale Portfolio eines durchschnittlichen Anlegers mit einem unendlichen Anlagehorizont. Damit bildet er einen sinnvollen Ausgangspunkt, um Vermögensallokationen zu justieren und Portfolios an den individuellen Erwartungshorizont, die Ziele und die Risikotoleranz eines Anlegers anzupassen. Die historische Entwicklung des GMI zeigt zudem, dass die Performance dieser passiven Benchmark mit vielen aktiven Asset-Allocation-Strategien mithalten kann – insbesondere dann, wenn Risiko, Handelskosten und steuerliche Effekte berücksichtigt werden.

Natürlich ist es wahrscheinlich, dass einige – vielleicht sogar die meisten – der genannten Prognosen letztlich vom tatsächlichen Ergebnis abweichen. Dennoch gelten die GMI-Schätzungen insgesamt als verlässlicher als jene seiner einzelnen Komponenten. Die Prognosen für einzelne Marktsegmente (US-Aktien, Rohstoffe usw.) neigen zu höherer Volatilität und einem größeren Tracking-Error, während die Aggregation im Rahmen der GMI-Schätzung dazu beiträgt, Modellfehler über die Zeit zu reduzieren.

Die Projektionen können jedoch nicht nur direkt interpretiert, sondern auch als Grundlage für die Feinjustierung eigener Erwartungen genutzt werden. Punktprognosen lassen sich beispielsweise um zusätzliche Modellansätze erweitern, die weitere – hier nicht berücksichtigte – Faktoren einbeziehen. Ebenso empfiehlt es sich, Portfolios immer an die spezifischen Rahmenbedingungen eines Anlegers anzupassen, etwa an Risikotoleranz und Zeithorizont.

Um die realisierte Gesamtrendite des GMI besser einordnen zu können, lohnt der Blick auf die langfristige Entwicklung auf rollierender 10-Jahres-Basis. Die folgende Grafik stellt die GMI-Performance im letzten Monat der Entwicklung von ETFs gegenüber, die US-Aktien bzw. US-Anleihen abbilden. Die aktuelle 10-Jahres-Rendite des GMI liegt bei 9,2 % und damit auf einem robusten Niveau, das den jüngsten Spitzenwerten entspricht.

Rolling 10-Year Annualized Total Return

Im Folgenden finden Sie eine kurze Zusammenfassung, wie die Prognosen erstellt werden, sowie Definitionen der sonstigen Kennzahlen in der obigen Tabelle:

BB: Das Building-Block-Modell verwendet als Näherungswert für die Schätzung der Zukunft historische Renditen. Der Stichprobenzeitraum beginnt im Januar 1998 (dem frühesten verfügbaren Datum für alle oben aufgeführten Anlageklassen). Das Verfahren besteht darin, die Risikoprämie für jede Anlageklasse zu berechnen, die annualisierte Rendite zu ermitteln und dann einen erwarteten risikofreien Zinssatz hinzuzufügen, um eine Prognose der Gesamtrendite zu erstellen. Für den erwarteten risikofreien Zinssatz verwenden wir die aktuelle Rendite der 10-jährigen amerikanischen Inflationsanleihen (TIPS). Diese Rendite gilt als Marktschätzung einer risikofreien, realen (inflationsbereinigten) Rendite für einen "sicheren" Vermögenswert - dieser "risikofreie" Zinssatz wird auch für alle nachstehend beschriebenen Modelle verwendet. Beachten Sie, dass sich das hier verwendete BB-Modell (lose) auf eine ursprünglich von Ibbotson Associates (einer Abteilung von Morningstar) entwickelten Methodik stützt.

EQ: Beim Gleichgewichtsmodell (Equilibrium Model) wird die erwartete Rendite durch das Risiko umgekehrt. Anstatt zu versuchen, die Rendite direkt zu prognostizieren, stützt sich dieses Modell auf die etwas zuverlässigere Verwendung von Risikokennzahlen zur Schätzung der künftigen Performance. Das Verfahren ist insofern relativ robust, als die Risikoprognose etwas einfacher ist als die Renditeprognose. Die drei Inputgrößen:

  • Eine Schätzung des erwarteten Marktrisikopreises des Gesamtportfolios, definiert als Sharpe-Ratio, d. h. das Verhältnis von Risikoprämien zur Volatilität (Standardabweichung). Hinweis: Das "Portfolio" ist hier und im Folgenden als GMI definiert
  • Die erwartete Volatilität (Standardabweichung) jedes Vermögenswerts (Marktkomponenten de GMI)
  • Die erwartete Korrelation für jeden Vermögenswert im Verhältnis zum Portfolio (GMI)

Dieses Modell zur Schätzung von Gleichgewichtsrenditen wurde ursprünglich in einem Aufsatz von 1974 von Professor Bill Sharpe vorgestellt. Eine Zusammenfassung findet sich in Gary Brinsons Erklärung in Kapitel 3 von The Portable MBA in Investment. Ich bespreche das Modell auch in meinem Buch Dynamic Asset Allocation. Dabei ist zu beachten, dass diese Methode zunächst eine Risikoprämie schätzt und dann einen erwarteten risikofreien Zinssatz hinzufügt, um zu Prognosen für die Gesamtrendite zu gelangen. Der erwartete risikofreie Zinssatz ist im Absatz BB oben beschrieben.

ADJ: Diese Methode ist identisch mit dem oben beschriebenen Gleichgewichtsmodell (EQ) , mit einer Ausnahme: Die Prognosen werden auf der Grundlage von kurzfristigen Momentum- und längerfristigen Mean-Reversion-Faktoren angepasst. Das Momentum ist definiert als der aktuelle Kurs im Verhältnis zum gleitenden 12-Monats-Durchschnitt. Der Mean-Reversion-Faktor wird als aktueller Kurs im Verhältnis zum gleitenden Durchschnitt der letzten 60 Monate (5 Jahre) geschätzt.

Die Gleichgewichtsprognosen werden auf der Grundlage der aktuellen Preise im Verhältnis zu den gleitenden 12-Monats- und 60-Monats-Durchschnitten angepasst. Wenn die aktuellen Kurse über (unter) den gleitenden Durchschnitten liegen, sinken (steigen) die unbereinigten Risikoprämienschätzungen. Die Formel für die Anpassung ist einfach die Umkehrung des Durchschnitts zwischen dem aktuellen Kurs und den beiden gleitenden Durchschnitten.

Ein Beispiel: Liegt der aktuelle Kurs einer Anlageklasse 10 % über ihrem gleitenden 12-Monats-Durchschnitt und 20 % über ihrem gleitenden 60-Monats-Durchschnitt, wird die nicht bereinigte Prognose um 15 % (den Durchschnitt aus 10 % und 20 %) reduziert. Die Logik dabei ist, dass die Gleichgewichtsprognosen reduziert werden, wenn die Preise im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit relativ hoch sind. Auf der anderen Seite werden die Gleichgewichtsprognosen erhöht, wenn die Preise im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit relativ niedrig sind.

Avg: Diese Spalte ist ein einfacher Durchschnitt (Average) der drei Prognosen für jede Zeile (Anlageklasse)

10-Jahres-Renditen: Zur Veranschaulichung der tatsächlichen Renditen zeigt diese Spalte die annualisierte 10-Jahres-Gesamtrendite für die Anlageklassen bis zum aktuellen Zielmonat.

Spread: Prognose nach dem Durchschnittsmodell abzüglich der 10-Jahres-Rendite.

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