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Nasdaq-Einkauf

Veröffentlicht am 20.06.2023, 15:11
NDX
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LSEG
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In dem ganzen Trubel um Kurse, Gewinne, Emittenten, Prozente und Investoren geht ein Akteur immer wieder unter: die Börse selbst. Weder unter Anlegern noch in der akademischen Literatur wird der strategischen Rolle der Handelsplätze genügend Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei nehmen sie einen zentralen Teil des Kapitalmarktes ein und können durch verschiedene Stellschrauben die Entwicklung der Finanzmärkte beeinflussen. Die größte Börsengruppe, Nasdaq, kauft nun das Software-Unternehmen Adenza für $10.5 Milliarden und tätigt damit die größte Übernahme seiner Geschichte – kein unwesentliches Detail.

Die Handelsplätze in marktkapitalistischen Staaten sind oftmals ganz normale Unternehmen, die selbst am Handelsplatz gelistet sind – bestes Beispiel: die Deutsche Börse AG. Das liegt daran, dass 1993 die Stockholmer Börse als erster Handelsplatz mit der mitgliederbasierten Führungsstruktur der Handelsplätze brach. Schnell folgten viele andere Börsen, da man in der Welle der Finanztechnologien ein effizienteres Verwaltungsmodell brauchte. Aufgrund der strategischen Wichtigkeit waren Staaten lange Zeit abgeneigt, den Börsen mehr Autonomie zu verleihen. Jedoch stellte sich heraus, dass dies nur das Wachstum des Kapitalmarktes beflügelte.

Und wie andere normale Unternehmen auch, sehen Börsen zu, dass sie sich gut positionieren, Gewinne einfahren und andere Unternehmen kaufen und verkaufen. 2008 wurde die OMX Gruppe, welche aus den Börsen Kopenhagen, Helsinki, Island, Riga, Stockholm, Tallinn, Vilnius, Jerewan und Baltikum bestand, vom Handelsplatz Nasdaq Inc. aufgekauft. $3.8 Milliarden kostete dieser Move die nordamerikanische Börse und führte dazu, dass das Unternehmen auch die Technologien der OMX übernahm. Neben der Kontrolle über so viele Handelsplätze, bedient Nasdaq nun die halbe Welt mit Finanztechnologien für Börsen. Vom Abu Dhabi Securities Exchange bis zum Zagreb Stock Exchange beziehen dutzende Handelsplätze Technologien der Nasdaq. Vor einigen Jahren implementierte das Unternehmen ein System zur Abwicklung von Echtzeit-Orders an der Borsa İstanbul, was wegen der erhöhten Handelsfrequenz zu einem Bullenmarkt führte.

Jedoch stellen die Bereitstellung und die Ausführung von Systemen nur 44.2% des Einkommens des Unternehmens dar. Darunter fallen eben die Listung von Aktien, Ausführung von Handelsorders und Gebühren. Hier plant Nasdaq in Zukunft auch einen Vorstoß in Richtung digitale Wertanlagen und Emissionshandel. Auf der anderen Seite aber kommen 47% der Einnahmen aus Informationsdienstleistungen, wie Datensätzen, Datenverarbeitung und Geschäftskundenplattformen. Weitere 8.5% kommen aus der neu geschaffenen Sparte der Dienstleistungen rund um Finanzkriminalität. An der Schnittstelle der letzten beiden Einkommensparten lässt sich die Übernahme von Adenza einordnen.

Die Software von Adenza ist darauf spezialisiert, Finanzrisiken zu erkennen und zu minimieren. Natürlich wird hier auch auf komplexe Algorithmen zurückgegriffen, die in Zukunft auch mit künstlicher Intelligenz noch ausgefallener arbeiten dürfte. Zum Teil kreiert diese Übernahme eine erhöhte Nachfrage nach dem erst seit September ausgegliederten Geschäftsbereich um Finanzkriminalität, aber auf der anderen Seite sollte die Software auch die Qualität des bereits starken Datenverarbeitungssegments erhöhen und so den Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Handelsplätzen steigern. Gerade im Hinblick auf die Aktivitäten des London Stock Exchanges (LSE (LON:LSEG)), welche 2019 den Daten-Giganten Refinitiv für $27 Milliarden aufkaufte. Auch Euronext blieb nicht still und kaufte 2020 die italienische Börse von der LSE für $4.9 Milliarden ab. Mit der Übernahme von Adenza macht Nasdaq nun einen starken Gegen-Move.

Insgesamt ist dieser Sektor extrem spannend und vor allem einer der sichersten der Welt. Denn gibt es keinen Handelsplatz, kann man auch keine Aktien handeln. Somit erhält die Notwenigkeit des Investierens diese Unternehmen zwangsläufig am Leben. Und sollte eine Börse mal Pleite gehen, so besteht noch immer ein politisches Interesse daran, diese Unternehmen zu schützen, um einen wirtschaftlichen Ausfall und eine Prestige-Klatsche zu vermeiden.

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