Die beste KI-Aktie im März (+46% in 3 Wochen)
International Business Machines (NYSE:IBM) hat sich in diesem Jahr unerwartet als Gewinner der KI-Rally positioniert. Die Aktie legte bis zum 7. November um 44,99 % zu und übertraf damit den Zuwachs von 40,06 % bei Nvidia (NASDAQ:NVDA). Am Mittwoch erreichten die Papiere des Traditionskonzerns 312,42 US-Dollar - die stärkste Jahresperformance seit Langem, befeuert vom Fokus auf Unternehmens-KI und Cloud-Dienste.
Die Entwicklung erfolgte trotz Nvidias dominanter Stellung im Markt für KI-Chips. Das Unternehmen aus Santa Clara kommt auf eine Marktkapitalisierung von 4,6 Billionen US-Dollar, während IBM bei 292 Milliarden US-Dollar liegt. IBMs Geschäft mit generativer KI überschritt im Juli die Marke von 7,5 Milliarden US-Dollar, nach 6 Milliarden US-Dollar im Mai. Das deutet auf eine schnelle Verbreitung der Watsonx-Plattform bei Unternehmenskunden hin. IBM aus Armonk, New York, profitiert damit von der Nachfrage nach praxistauglichen KI-Anwendungen, ohne direkt im Halbleitermarkt konkurrieren zu müssen.
Die Ergebnisse für das dritte Quartal stärkten den Aufwärtstrend. IBM meldete bereinigte Gewinne von 2,65 US-Dollar je Aktie und übertraf damit die Analystenerwartungen von 2,45 US-Dollar. Der Softwareumsatz stieg im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 10 %, während die Hybrid-Cloud-Sparte Red Hat beim Auftragseingang - bereinigt um Währungseffekte - um 14 % zulegte. Die Unternehmensführung hob die Prognose für den freien Cashflow im Jahresverlauf dreimal an, zuletzt im Oktober auf 14 Milliarden US-Dollar.
Bewertungslücke zwischen NVDA und IBM schrumpft
Die Neubewertung beider Unternehmen zeigt, dass Investoren ihre Prioritäten anpassen, während der KI-Boom über die anfänglichen Hardware-Investitionen hinausgeht. IBM wird derzeit mit einem erwarteten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 23,92 gehandelt, Nvidia mit 29,94. Das signalisiert, dass Anleger beim Unternehmenssoftware-Anbieter mehr Spielraum für Bewertungsausweitung sehen. Die Lücke ist deutlich kleiner geworden als zu Jahresbeginn, als Nvidia weitaus höhere Aufschläge erzielte.
Die im Februar abgeschlossene Übernahme von HashiCorp im Wert von 6,4 Milliarden US-Dollar stärkte IBMs Position in der Infrastrukturautomatisierung und im Management hybrider Cloud-Umgebungen. Mit dem Deal kamen Werkzeuge wie Terraform und Vault in das Portfolio, was die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Amazon Web Services und Microsoft Azure erhöht. Zudem kündigte das Unternehmen Pläne zur Übernahme von DataStax an, um die Fähigkeiten der Watsonx-Plattform weiter auszubauen.
Nvidia hingegen sieht sich Exportbeschränkungen und Fragen zur Nachhaltigkeit der Infrastruktur-Ausgaben im KI-Bereich gegenüber. Jüngste Aussagen aus der Trump-Regierung zu einem „no federal bailout“ für KI-Unternehmen belasteten den Kurs, der am 7. November um 3,65 % sank. Das KGV von 53,81 spiegelt hohe Erwartungen wider, die nach Einschätzung von Analysten wenig Raum für Enttäuschungen lassen.
Die gegensätzlichen Kursentwicklungen verdeutlichen unterschiedliche Strategien zur Monetarisierung von künstlicher Intelligenz: IBM setzt auf die Implementierung im Unternehmensumfeld, während Nvidia die hardwareseitige Infrastruktur dominiert. Beide bleiben zentrale Akteure im KI-Ökosystem, doch Anleger scheinen sich vermehrt jenen Unternehmen zuzuwenden, die sofort nutzbare Geschäftsmodelle bieten, statt reiner Infrastruktur.
Beiden Technologieriesen stehen Herausforderungen bevor
Trotz der starken Entwicklung sieht sich IBM fortdauernden Problemen in seinen traditionellen Geschäftsbereichen gegenüber, die das Wachstum bremsen könnten. Der Infrastrukturbereich verzeichnete im ersten Quartal einen Rückgang von 4 %, während der Umsatz mit Mainframe-Systemen der Reihe IBM Z um 14 % schrumpfte - ein Zeichen für den Wechsel vieler Unternehmen zu Cloud-Lösungen. Die Beratungsdivision, ein wichtiger Umsatzträger, stagnierte sowohl im ersten als auch im zweiten Quartal 2025.
Ende 2025 kündigte das Unternehmen Stellenabbau im Rahmen der laufenden Transformation an, was Fragen zu Umsetzungsrisiken und Mitarbeitermoral aufwirft. Gleichzeitig bleibt der Wettbewerb mit Microsoft (NASDAQ:MSFT), Amazon (NASDAQ:AMZN) und Google (NASDAQ:GOOGL) im Cloud-Geschäft intensiv – Konzerne, die über deutlich größere Ressourcen und Reichweite verfügen. Mehrere Analystenhäuser äußerten zudem die Einschätzung, dass die IBM-Aktie nach ihrem 45-%-Anstieg weitgehend ausgereizt sein könnte, was den kurzfristigen Spielraum begrenzt.
Auch Nvidia sieht sich trotz seiner Führungsrolle im KI-Chipmarkt strukturellen Risiken gegenüber. Regulatorische Unsicherheiten im Zusammenhang mit Halbleiterexporten nach China bedrohen einen wichtigen Wachstumsmarkt, während Intel und Advanced Micro Devices den Wettbewerb im Data-Center-GPU-Segment verschärfen. Zudem ist offen, ob die Unternehmensnachfrage nach KI-Anwendungen das aktuelle Tempo der Chipkäufe halten kann, insbesondere nachdem Firmen in den vergangenen zwei Jahren massiv in Infrastruktur investiert haben.
Beide Unternehmen agieren in einem sich schnell wandelnden KI-Umfeld, in dem Investorenstimmung stark von Quartalszahlen und regulatorischen Entwicklungen abhängt. Die Nachhaltigkeit von IBMs Überperformance dürfte von anhaltender KI-Nachfrage im Unternehmenssektor und der erfolgreichen Integration jüngster Zukäufe abhängen. Nvidias weitere Entwicklung wiederum hängt davon ab, ob das Unternehmen seine technologische Führungsrolle halten und seine Umsätze über das Datacenter-Geschäft hinaus breiter aufstellen kann.

