Öl-Alarm! Trump lässt Venezuelas Tanker blockieren

Veröffentlicht am 17.12.2025, 08:02

Brent geriet gestern vor dem Hintergrund eines wachsenden Ölüberangebots deutlich unter Druck und fiel auf den niedrigsten Stand seit Februar 2021. Am frühen Morgen stabilisierten sich die Preise leicht, gestützt durch zunehmende Risiken für das venezolanische Ölangebot.

Energie - Risiken für Venezuelas Ölversorgung

Der Ausverkauf am Ölmarkt beschleunigte sich gestern. ICE Brent schloss 2,7 Prozent niedriger und fiel unter die Marke von 60 US-Dollar je Barrel – der tiefste Stand seit Februar 2021. Belastend wirkt vor allem der Ausblick auf ein zunehmendes Überangebot. Hoffnungen auf eine Waffenruhe zwischen Russland und der Ukraine dürften den Preisdruck zusätzlich erhöhen. Wie unsere Ölbilanz zeigt, wird der Höhepunkt des Überschusses im ersten Quartal 2026 erwartet. Da jedoch für jedes Quartal des kommenden Jahres ein Überangebot prognostiziert wird, dürften die Lagerbestände im Laufe von 2026 weiter steigen und zusätzlichen Druck auf die Ölpreise ausüben.

Es gibt jedoch klare Angebotsrisiken für diese Einschätzung. Die Risiken rund um Russland sind weithin bekannt, doch auch die venezolanische Ölversorgung birgt erhebliche Unsicherheiten. Die Ölpreise legten heute im frühen Handel wieder zu (WTI zum Zeitpunkt der Erstellung rund 1,3 Prozent im Plus), nachdem Präsident Trump eine Blockade sanktionierter Öltanker angeordnet hatte, die Venezuela anlaufen oder verlassen. Zuvor hatten die USA in der vergangenen Woche bereits einen Öltanker vor der Küste Venezuelas beschlagnahmt. Venezuela exportierte im November rund 600.000 Barrel Öl pro Tag. Angesichts der jüngsten Entwicklungen ist davon auszugehen, dass diese Mengen zurückgehen. Der Großteil des venezolanischen Öls wird nach China verschifft.

Stützend wirkten zudem die über Nacht veröffentlichten Lagerdaten des American Petroleum Institute (API). Demnach sollen die US-Rohöllagerbestände in der vergangenen Woche um 9,3 Millionen Barrel gesunken sein. Bei den raffinierten Produkten zeigte sich hingegen ein eher belastendes Bild: Die Bestände an Benzin und Destillaten stiegen um 4,8 Millionen beziehungsweise 2,5 Millionen Barrel.

Die europäischen Erdgaspreise standen gestern weiter unter Druck. Der Referenzpreis am Tittle Transfer Facility (TTF) gab um 2,4 Prozent nach. Belastend wirkten mildere Wetterbedingungen. Allerdings deuten die Prognosen darauf hin, dass es im weiteren Monatsverlauf kälter als üblich werden dürfte, was den Preisen Unterstützung verleihen sollte – insbesondere vor dem Hintergrund unterdurchschnittlicher EU-Gasspeicherstände. Diese sind derzeit zu 69 Prozent gefüllt, verglichen mit einem Fünfjahresdurchschnitt von 78 Prozent. Zudem stellt die rekordhohe Netto-Short-Position von Investmentfonds im TTF weiterhin ein Risiko dar.

Metalle - South32 schließt Aluminiumhütte Mozal

South32 wird seine Aluminiumhütte Mozal in Mosambik schließen, nachdem es dem Unternehmen nicht gelungen ist, eine langfristige Stromversorgung zu sichern. Dies verschärft die Lage in einem bereits angespannten Markt. Die Maßnahme dürfte die globalen Lagerbestände niedrig halten, während für das kommende Jahr weiteres Aufwärtspotenzial bei den Preisen erwartet wird. Mozal soll im März in den Wartungs- und Erhaltungsmodus überführt werden, wenn der aktuelle Stromliefervertrag ausläuft. South32 teilte mit, dass keine Rohstoffe beschafft wurden, um den Betrieb darüber hinaus aufrechtzuerhalten. Die Hütte, an der South32 einen Anteil von 64 Prozent hält, ist der größte industrielle Arbeitgeber Mosambiks und machte im Jahr 2025 rund 29 Prozent der gesamten Aluminiumproduktion des Konzerns aus. Aluminium ist Mosambiks drittwichtigstes Exportgut.

Die Aluminiumproduktion ist äußerst energieintensiv. Weltweit haben Schmelzhütten zunehmend Schwierigkeiten, langfristige Stromverträge zu wirtschaftlich tragfähigen Konditionen abzuschließen.

In der Folge dürfte sich das globale Aluminiumdefizit nun auf rund 600.000 Tonnen ausweiten. Dabei wird unterstellt, dass der zwölfmonatige Ausfall der Century-Hütte in Island sowie die chinesische Kapazitätsobergrenze von 45 Millionen Tonnen bestehen bleiben. Ein schneller als erwarteter Hochlauf neuer Kapazitäten in Indonesien könnte das Defizit jedoch verringern und preisdämpfend wirken.

Mozal war eine bedeutende Quelle für Aluminiumexporte nach Europa. Die Schließung der Hütte wird die Aluminiumindustrie der EU direkt treffen. Europa dürfte nicht in der Lage sein, ausreichend stillgelegte Schmelzkapazitäten wieder hochzufahren, um die Lücke zu schließen, da volatile Strompreise eine nennenswerte Erholung begrenzen. Die Folge sind höhere Prämien und eine weiter angespannte Versorgungslage, insbesondere bei kohlenstoffarmem Aluminium. Das in Mozal mit Wasserkraft erzeugte Aluminium gilt als CO₂-arm und half europäischen Abnehmern, Dekarbonisierungsziele zu erreichen und Risiken aus dem CO₂-Grenzausgleichssystem (CBAM) zu begrenzen.

Agrar - Weizen unter Druck durch Waffenruhe-Hoffnungen

Die Weizenpreise an der CBOT weiteten ihre Verluste gestern den dritten Handelstag in Folge aus. Sie fielen auf den niedrigsten Stand seit Oktober 2025, belastet durch Erwartungen eines reichlichen Angebots aus Südamerika sowie erneute Bemühungen um ein Ende des Krieges in der Ukraine. Für das Wirtschaftsjahr 2025/26 wird die Weizenproduktion des Landes auf rund 23 Millionen Tonnen geschätzt, etwa 10 Millionen Tonnen weniger als 2021/22, vor allem aufgrund geringerer Anbauflächen. Eine Waffenruhe könnte langfristig zu einer Erholung der Anbaufläche und der Produktion führen.

Aktuelle Schätzungen des französischen Landwirtschaftsministeriums zeigen, dass die heimische Wintergetreidefläche für 2026 dank günstigerer Witterungsbedingungen auf 6,4 Millionen Hektar steigen dürfte, ein Plus von 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch die Anbaufläche für weichen Winterweizen soll um 2,3 Prozent auf 4,6 Millionen Hektar zulegen und damit in etwa dem Fünfjahresdurchschnitt entsprechen. Die Maisernte ist abgeschlossen. Die Produktion (ohne Saatgut) wird auf 13,4 Millionen Tonnen geschätzt und liegt damit leicht über der Prognose des Vormonats von 13,2 Millionen Tonnen. Im Jahresvergleich entspricht dies jedoch einem Rückgang von acht Prozent, der vor allem auf Hitzewellen und Dürrebedingungen im Sommer zurückzuführen ist.

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