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Privathaushalte haben es in diesem Sommer deutlich gespürt: Wer die Wohnung kühl halten will, zahlt dafür rekordverdächtige Summen.
Nach Angaben des Bureau of Labor Statistics sind die Strompreise in den USA in den vergangenen 12 Monaten um 5,5 % gestiegen, während Erdgas sogar fast 14 % teurer wurde. Laut der National Energy Assistance Directors Association (NEADA – eine US-Non-Profit-Organisation, die einkommensschwache Familien bei Strom- und Heizkosten unterstützt) muss ein Durchschnittshaushalt allein für die Kühlung im Sommer fast 800 USD aufbringen – so viel wie seit über zehn Jahren nicht mehr.
Wenn Kosten so schnell steigen, suchen viele nach einem Schuldigen. Präsident Donald Trump, der selten ein Blatt vor den Mund nimmt, machte auf Truth Social „dumme und hässliche Windräder“ verantwortlich, die seiner Meinung nach die Energiepreise in New Jersey und im ganzen Land nach oben treiben. Viele von Ihnen haben seine Beiträge sicher gesehen.
Ganz falsch liegt er damit nicht: Energie ist immer auch ein politisches Thema, und der abrupte Versuch, alles auf „grün“ umzustellen, war häufig schlecht gemanagt und teuer.
Im konkreten Fall sind die Ursachen allerdings komplexer. Die geplanten Offshore-Windprojekte vor der Küste New Jerseys wurden nie gebaut. Erneuerbare Energien machen dort heute nur rund 8 % der Stromerzeugung aus, Windkraft liegt bei weniger als 1 %.
Das heißt: Für die höheren Stromrechnungen können Windräder nicht verantwortlich sein. Der eigentliche Preistreiber ist die starke Nachfrage – verstärkt durch ein veraltetes Netz, gestiegene Erdgaspreise und milliardenschwere Investitionen der Versorger in die Modernisierung ihrer Infrastruktur.
Amerikas Stromnachfrage steigt so schnell wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Die Stromnachfrage in den USA war fast zwei Jahrzehnte lang praktisch eingefroren. Zwischen 2005 und 2020 blieb der Verbrauch – dank effizienterer Geräte und einem schwächeren Wirtschaftswachstum – weitgehend stabil. Genau diese Entwicklung legten die Versorgungsunternehmen ihren Planungen zugrunde.
In den vergangenen drei Jahren hat sich dieses Bild jedoch grundlegend verändert. Nach Angaben der Energy Information Administration (EIA) wächst die landesweite Nachfrage aktuell jedes Jahr um 2 bis 3 %. In Regionen wie Texas oder dem Mittelatlantik, wo Rechenzentren und neue Produktionsanlagen wie Pilze aus dem Boden schießen, liegt das Wachstum sogar bei 10 % oder mehr pro Jahr.
Im Juli dieses Jahres stellte die USA gleich zweimal innerhalb von zwei Tagen einen neuen Rekord beim Stromverbrauch auf: Die Spitzenlast erreichte fast 760 Gigawatt – genug, um jeden Haushalt in Texas 60-mal mit Strom zu versorgen.
Versorgungsunternehmen investieren Rekordsummen in den Aufbau und die Stärkung des Stromnetzes
Ein wesentlicher Treiber ist der KI-Boom. Rechenzentren verbrauchten im vergangenen Jahr rund 180 Terawattstunden Strom – und bis zum Ende des Jahrzehnts könnte sich dieser Wert verdoppeln. Dazu kommen Elektrofahrzeuge, die Rückverlagerung von Produktionsstätten in die USA und immer heißere Sommer. All das sorgt dafür, dass die Nachfrage schneller steigt, als die Versorger Schritt halten können.
Das Edison Electric Institute (EEI), der Branchenverband der US-Versorgungsunternehmen, meldet für das vergangene Jahr Rekordinvestitionen von 178 Mrd. USD ins Stromnetz – das 13. Jahr in Folge mit einem Höchstwert. In den kommenden fünf Jahren dürften sich die Investitionen auf mehr als 1,1 Bio. USD summieren.

Weltweite Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien überschreitet die Marke von 40 %
Auch wenn Trump Wind- und Solarenergie scharf kritisiert, war ihre Wirtschaftlichkeit noch nie so überzeugend wie heute. Die jüngste Studie von Lazard zu den Stromgestehungskosten (Levelized Cost of Energy, LCOE) zeigt klar: Erneuerbare Energien bleiben – auch ohne Subventionen – die günstigste Form neuer Stromerzeugung. In den USA lässt sich Solarstrom mittlerweile für rund 0,04 USD pro Kilowattstunde produzieren – weniger als die Hälfte der Kosten neuer Kohle- oder Gaskraftwerke für Spitzenlast.

Weltweit liegt der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung inzwischen bei über 40 %. Solarenergie ist dabei zum 20. Mal in Folge die am schnellsten wachsende Quelle. In den USA sollen allein in diesem Jahr 64 Gigawatt an neuer Kapazität ans Netz gehen – mehr als die Hälfte davon aus Solarkraft, der Rest verteilt sich auf Batteriespeicher, Windkraft und Erdgas. Es wäre der größte jährliche Zuwachs seit 2002, als Erdgas noch den Markt dominierte.
Auch Private-Equity-Firmen richten sich danach aus. Nach Angaben von BloombergNEF fließt der Großteil ihrer neuen Energieinvestitionen heute in erneuerbare Quellen, nicht mehr in fossile Brennstoffe. Vor zehn Jahren war Solarstrom noch viermal so teuer wie fossile Energie – heute ist er mehr als 50 % günstiger.
Erneuerbare Energien schützen die Verbraucher vor schwankenden Gaspreisen
Das bedeutet nicht, dass erneuerbare Energien keine Herausforderungen mit sich bringen. Sie erfordern Investitionen in Übertragungsnetze, Speicherlösungen und Absicherung. Aber die Behauptung, „Windräder seien schuld an hohen Preisen“, hält den Fakten nicht stand. Tatsächlich tragen erneuerbare Energien eher dazu bei, die Schwankungen auf den Gasmärkten abzufedern.
Für Verbraucher ist das allerdings nur ein schwacher Trost, wenn plötzlich eine Stromrechnung von über 500 USD ins Haus flattert. Ein Blick auf die gesamte Energiebilanz der Haushalte zeigt jedoch ein anderes Bild: Der größte Kostenblock ist derzeit nicht Strom, sondern Benzin. Laut einem Bericht des Electric Power Research Institute (EPRI) geben US-Familien dafür im Schnitt fast 3.000 USD pro Jahr aus. Mit der Umstellung auf Elektrofahrzeuge verlagern sich diese Ausgaben von der Zapfsäule auf die Stromrechnung.
Das EPRI rechnet außerdem damit, dass die Energieausgaben der Haushalte bis 2050 real um mehr als ein Drittel sinken könnten – vor allem, weil weniger Geld für Benzin und Heizöl anfällt. Mit anderen Worten: Die Umstellung ist zunächst schmerzhaft, die langfristigen Vorteile sind jedoch real.
Hören Sie nicht auf die Politik – folgen Sie dem Geld
Was heißt das nun für Anleger?
Versorger galten lange als „langweilige“ Dividendenwerte. Heute sehe ich sie jedoch eher als Profiteure derselben KI- und Industrie-Trends, die auch Chip-Hersteller oder Robotik-Unternehmen antreiben. Im vergangenen Jahr haben 94 % der US-Versorger ihre Dividenden erhöht oder wieder eingeführt – laut dem Branchenverband EEI liegt die Ausschüttungsquote inzwischen höher als in jedem anderen Sektor der US-Wirtschaft.
Meine Einschätzung: Hören Sie nicht auf die Politik – folgen Sie dem Geld. Solar- und Windenergie sind nicht nur günstiger, sondern auch die bevorzugte Wahl von Entwicklern, Private Equity und internationalem Kapital.
Mit der steigenden Nachfrage modernisieren die Versorgungsunternehmen ihr Geschäft. Erneuerbare Energien sind dabei der kostengünstigste Weg nach vorn. Für Anleger bedeutet das: Die Transformation der Stromversorgung ist aus meiner Sicht eine der am meisten unterschätzten Investmentchancen dieses Jahrzehnts.
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