Rezession unwahrscheinlich - doch der Arbeitsmarkt wackelt

Veröffentlicht am 27.11.2025, 06:55

Der verspätete BIP-Bericht für das dritte Quartal wird zwar irgendwann veröffentlicht, doch zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits an Relevanz verloren haben. Der Fokus liegt inzwischen auf einer Reihe neuer Datenpunkte aus unterschiedlichen Quellen für Oktober und November. Die Konsensmeinung formt sich noch, doch eines zeichnet sich klar ab: Das Rezessionsrisiko für das vierte Quartal bleibt bislang gering.

Auf BIP-Ebene zeigt sich im dritten Quartal weiterhin deutlicher Rückenwind, worauf auch das Modell GDPNow der Atlanta Fed hinweist. Die vergangene Woche veröffentlichte Aktualisierung signalisiert eine Wachstumsbeschleunigung auf 4,2 %, leicht über den soliden 3,8 % des zweiten Quartals. Andere Indikatoren deuten zwar auf eine Abkühlung im dritten Quartal hin, doch selbst, wenn man sich an den niedrigeren Schätzungen orientiert, lässt sich für den Zeitraum von Juli bis September wohl nur festhalten, dass sich die Wirtschaft verlangsamt hat – jedoch in moderatem Ausmaß.

Reales BIP vs Atlanta GDPNow

Eine ähnliche Diskussion stellt sich nun für das vierte Quartal. Die zentrale Frage lautet: Wie deutlich wird sich die Wirtschaft zum Jahresende tatsächlich abschwächen?

Der wöchentliche Wirtschaftsindex (WEI) der Dallas Fed (Daten bis zum 15. November) liefert hier einen ersten Anhaltspunkt und zeigt einen spürbaren Abwärtstrend. Auf Grundlage der aktuellen Schätzung liegt das BIP-Wachstum im vierten Quartal bei 2,3 % und damit leicht über den 2,1 % des zweiten Quartals. Zwar hat die Dynamik der WEI-Schätzungen zuletzt nachgelassen, doch das Rezessionsrisiko bleibt nach diesem Indikator weiterhin gering.

WEI Index

Ein weiterer frühzeitiger Indikator für die wirtschaftliche Aktivität im November zeichnet ebenfalls ein vergleichsweise optimistisches Bild. So hat sich die US-Konjunktur im November den zweiten Monat in Folge beschleunigt, wie der US Composite PMI – ein umfragebasierter BIP-Proxy – zeigt.

„Der Aufschwung scheint derzeit auf einer ermutigend breiten Basis zu stehen, da die Produktion sowohl im verarbeitenden Gewerbe als auch im umfangreichen Dienstleistungssektor zunimmt“, erklärt Chris Williamson, Chief Business Economist bei S&P Global Market Intelligence. „Ein deutlicher Anstieg der Unternehmenszuversicht in Bezug auf die Erwartungen für das kommende Jahr trägt zusätzlich zu diesem positiven Gesamtbild bei.“

EMI vs. BIP

Einige Analysten warnen jedoch vor zunehmenden Risiken. Neil Dutta, Head of Economics bei Renaissance Macro Research, skizziert ein deutlich skeptischeres Szenario und betont:

Auch wenn „die Wirtschaft oberflächlich betrachtet in Ordnung zu sein scheint“, „lauern unter der Oberfläche unserer Wirtschaft ernsthafte Gefahren, und es ist besser, sie klar zu benennen, als sie zugunsten breit angelegter aggregierter Maßnahmen zu ignorieren.“

Seine größte Sorge gilt den Beschäftigtenzahlen, die er als „besorgniserregendste Signale“ bezeichnet. Dutta warnt, dass „der Arbeitsmarkt weiterhin eine Quelle von Abwärtsrisiken für die Gesamtwirtschaft bleibt.“

Diese Einschätzung stützt sich auf mehrere private Datenquellen. So schätzt Revelio Labs, dass die Beschäftigtenzahl im Oktober zurückgegangen ist, während ADP berichtet, dass „private Arbeitgeber durchschnittlich 2.500 Stellen pro Woche abgebaut haben, auch wenn sich der Beschäftigungsabbau im November verlangsamt hat.“

NER Pulse

Die entscheidende Frage für den kurzfristigen Wirtschaftsausblick bleibt, wie sich der Arbeitsmarkt entwickelt. Die zuvor genannten Arbeitsmarktdaten lassen vermuten, dass sich der Trend bereits abzeichnet, doch die wöchentlichen Anträge auf Arbeitslosenunterstützung – ein klassischer Frühindikator – bestätigen dieses eher pessimistische Bild bislang nicht.

Wie das Arbeitsministerium in der vergangenen Woche berichtete, gingen die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung in der Woche zum 15. November um 8.000 auf saisonbereinigte 220.000 zurück. Im historischen Vergleich liegt dieser Wert weiterhin niedrig und signalisiert damit, dass der Arbeitsmarkt derzeit noch kein erhöhtes Rezessionsrisiko widerspiegelt.

Gleichwohl kann sich die Lage jederzeit ändern. Mit jeder neuen Veröffentlichung zusätzlicher Regierungsdaten zu zentralen Wirtschaftsbereichen dürfte sich ein Teil der Unsicherheit über das vierte Quartal verringern. Doch zum jetzigen Zeitpunkt ist es zu früh, um von einer einsetzenden oder unmittelbar bevorstehenden Rezession zu sprechen.

Aktuelle Kommentare

Installieren Sie unsere App
Risikohinweis: Beim Handel mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen bestehen erhebliche Risiken, die zum vollständigen oder teilweisen Verlust Ihres investierten Kapitals führen können. Die Kurse von Kryptowährungen unterliegen extremen Schwankungen und können durch externe Einflüsse wie finanzielle, regulatorische oder politische Ereignisse beeinflusst werden. Durch den Einsatz von Margin-Trading wird das finanzielle Risiko erhöht.
Vor Beginn des Handels mit Finanzinstrumenten und/oder Kryptowährungen ist es wichtig, die damit verbundenen Risiken vollständig zu verstehen. Es wird empfohlen, sich gegebenenfalls von einer unabhängigen und sachkundigen Person oder Institution beraten zu lassen.
Fusion Media weist darauf hin, dass die auf dieser Website bereitgestellten Kurse und Daten möglicherweise nicht in Echtzeit oder vollständig genau sind. Diese Informationen werden nicht unbedingt von Börsen, sondern von Market Makern zur Verfügung gestellt, was bedeutet, dass sie indikativ und nicht für Handelszwecke geeignet sein können. Fusion Media und andere Datenanbieter übernehmen daher keine Verantwortung für Handelsverluste, die durch die Verwendung dieser Daten entstehen können.
Die Nutzung, Speicherung, Vervielfältigung, Anzeige, Änderung, Übertragung oder Verbreitung der auf dieser Website enthaltenen Daten ohne vorherige schriftliche Zustimmung von Fusion Media und/oder des Datenproviders ist untersagt. Alle Rechte am geistigen Eigentum liegen bei den Anbietern und/oder der Börse, die die Daten auf dieser Website bereitstellen.
Fusion Media kann von Werbetreibenden auf der Website aufgrund Ihrer Interaktion mit Anzeigen oder Werbetreibenden vergütet werden.
Im Falle von Auslegungsunterschieden zwischen der englischen und der deutschen Version dieser Vereinbarung ist die englische Version maßgeblich.
© 2007-2026 - Fusion Media Limited. Alle Rechte vorbehalten.