RWE (Analyse) - Aktie auf Erholungskurs

Veröffentlicht am 19.03.2025, 07:40

RWE

Nachdem die Aktie des DAX-Konzerns 2022 und 2023 in Folge von exorbitanten Preisen am Strommarkt durch die Decke ging, war das Jahr 2024 von deutlichen Gewinnmitnahmen geprägt. Rund 35 % an Marktkapitalisierung wurden zwischenzeitlich wieder abgegeben. Die Zeichen stehen bei RWE aber auch weiterhin auf Wachstum und durch die jüngsten Entwicklungen hat sich die Stimmung für die Aktie wieder aufgehellt. Analysten empfehlen die Aktie aktuell mehrheitlich zum Kauf, nicht zuletzt wegen einem angekündigten Aktienrückkauf.

Wie von uns prognostiziert war die Aktie von RWE (ISIN: DE0007037129) nach unserer letzten Analyse im Februar 2024 zunächst weiter gefallen und erst gegen Ende des Jahres nahezu exakt auf dem von uns ermittelten Einstiegskurs von 27,80 EUR in eine Bodenbildung mit anschließender Erholung übergegangen. Nach etwas mehr als einem Jahr scheint sich damit die Geduld nun auszuzahlen. Eine Reihe positiver Nachrichten hatte die Stimmung bei Anlegern und Analysten zuletzt wieder aufgehellt und den Aktienkurs beflügelt.

Auf Druck von namhaften aktivistischen Investoren kündigte RWE zunächst an, die Strategie für weitere Investitionen zu überdenken. Zwar hält RWE auch weiterhin daran fest bis 2030 das erklärte Ziel von 65 Gigawatt Kapazität zur Stromerzeugung zu erreichen, doch der Konzern will die Kapitalallokation optimieren und Mittel anderweitig verwenden, die durch Verzögerungen bei Windkraft- und Wasserstoffprojekten aktuell brach liegen. Eine der Maßnahmen ist das im November gestartete Aktienrückkaufprogramm über 1,5 Mrd. EUR, das in 3 Tranchen von 500 Mio. EUR bis Ende Mai 2026 umgesetzt werden soll.

Vorteilhaft hat sich zuletzt auch der Großhandelspreis für Strom entwickelt, der einen entscheidenden Faktor für die Ertragslage bei RWE darstellt. Aufgrund hoher Gaspreise und einer geringen Einspeisung aus Windkraftanlagen war dieser im Februar gegenüber dem Vorjahr um 111 % auf 128,4 EUR pro Megawattstunde gestiegen. Die Branche rechnet für 2025 mit einem leichten Anstieg der Strompreise, nachdem diese seit Ende 2023 rückläufig waren. Auf lange Sicht wird jedoch mit einer weiter rückläufigen Entwicklung gerechnet, aufgrund des steigenden Anteils aus erneuerbaren Energien.

100 Gigawatt in der Pipeline

Belastet werden dürfte das Nettoergebnis 2025 hingegen durch die kürzlich angekündigte Veräußerung der Anteile am Stromnetzbetreiber Amprion. Dieser hatte 2023 immerhin 213 Mio. EUR zum Nettoergebnis von RWE beigetragen, das 1,45 Mrd. EUR betrug. Amprion plant für die kommenden Jahre erhebliche Investitionen in den Ausbau seiner Stromnetze, womit der Ergebnisbeitrag erheblich sinken könnte und eine Veräußerung vermutlich sinnvoller ist. Ein weiterer Belastungsfaktor ist der laufende Ausstieg aus der Kohleenergie, deren Anteil am Gesamtportfolio in Q3/24 immer noch 7 von insgesamt 46 Gigawatt betrug. Die Gesamtkapazität blieb nach den ersten 9 Monaten 2024 gegenüber Ende 2023 unverändert. Durch Verzögerungen beim Ausbau konnte zum Beispiel der Wegfall von 2 Gigawatt aus Kohlestrom lediglich kompensiert werden.

Die zuletzt gemeldeten Quartalszahlen für Q3/24 waren gegenüber dem Vorjahr erwartungsgemäß deutlich schwächer. In Anbetracht der Tatsache, dass das Vorjahr erheblich von den Verzerrungen durch exorbitante Großhandelspreise am Strommarkt geprägt war, relativiert sich der Rückgang der Erträge jedoch. Die Konzernprognose von mindestens 2,56 EUR je Aktie für 2024 (Vj: 6,10 EUR) liegt immer noch deutlich über dem Wert von 2021 (2,32 EUR) und das Wachstumspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft. Berichten zufolge hat RWE Projekte mit einem Gesamtvolumen von 100 Gigawatt in der Pipeline und die Zeichen für erneuerbare Energien stehen - zumindest in Europa - weiterhin auf grün. Für die USA, wo RWE aktuell ca. 8 GW an Kapazitäten installiert hat und weitere 4 Gigawatt im Aufbau befindlich sind, gehen Branchenkenner zwar von einer Verlangsamung der Energiewende durch die neue US-Administration aus, es wird allerdings nicht damit gerechnet, dass diese den Prozess aufhalten kann, weil lokale Behörden und die Bundesstaaten über die Klima- und Energiepolitik entscheiden.

RWE ist immer noch klar auf Wachstumskurs und daher ist es nicht verwunderlich, dass die Aktie im Februar von mehreren namhaften Analystenhäusern wieder zum Kauf empfohlen wurde, insbesondere mit Verweis auf die günstige Bewertung und das bereits gestartete Rückkaufprogramm. Von 21 Analysten raten momentan 19 zum Kauf und 2 zum Halten der Aktie, mit Kurszielen zwischen 34 und 50 EUR.

Bewertung auf Basis der Dividende

Bewertung auf Basis der Dividende

Analysten gehen davon aus, dass RWE die angekündigte Dividendenstrategie beibehält und die Dividende für 2025 - Ausschüttung 2026 - erneut steigern wird. Die Strategie sieht vor die Dividende bis 2030 jährlich um mindestens 5 % zu erhöhen. Durch den bis dahin abgeschlossenen Aktienrückkauf dürfte es bei gleichbleibender Ausschüttungssumme möglich sein die Dividende sogar auf ca. 1,18 EUR (+7 %) zu erhöhen, was dem Analystenkonsens entspricht.

Die Anfang 2025 erfolgte Bodenbildung im Bereich von 28 EUR entspricht damit bereits einer Dividendenrendite von 4,2 %, was ziemlich exakt der durchschnittlichen Dividendenrendite am Jahrestief der Jahre 2019 und 2020 entspricht. Höher war die Dividendenrendite nur 2 Mal in den letzten 12 Jahren, in den Jahren 2013 und 2018 mit jeweils rund 4,8 %. Es spricht aus unserer Sicht jedoch nichts für einen weiteren Anstieg der Dividendenrendite.

Am Jahreshoch 2024 lag die Dividendenrendite bei rund 2,6 %, was ebenfalls dem Durchschnitt der Dividendenrenditen an den Jahreshochs der Jahre 2019 und 2020 entspricht. Diesen Wert legen wir für die Ermittlung unseres Kursziels zugrunde und berechnen damit durch Diskontierung der erwarteten Dividende von 1,18 EUR je Aktie für 2025 ein Kursziel von 45,60 EUR.

Charttechnik

Aus übergeordneter Sicht bewegt sich die Notierung seit 2020 in einer Seitwärtsbewegung zwischen 28 und 44 EUR. Nach einer Bodenbildung im Bereich von 28 EUR zwischen November und Februar hat die Notierung von RWE den seit Ende 2023 bestehenden keilförmigen Abwärtstrend in der ersten Märzwoche gebrochen und damit einhergehend auch gleich die knapp darüber liegende 200-Tage-Linie (31,20 EUR) zügig überwunden. Damit einhergehend hat die relative Stärke (RSI 14 Wochen) bei einem Wert von 47 einen charttechnischen Widerstand überwunden, nachdem diese zuvor bei einem Wert von 36 bereits frühzeitig gedreht und dabei eine klare Divergenz zum Kursverlauf ausgebildet hat. Wir werten das als starkes positives Signal.

Die nächsten Widerstände liegen auf der Oberseite im Bereich von 36 bis 39 EUR. Ein Rückfall unter den bislang intakten langfristigen Aufwärtstrend bei 28 EUR würde Abwärtspotenzial bis in den Bereich von 25 und anschließend 23 EUR eröffnen. Kurzfristig ist die Aktie auf Basis des RSI auf Sicht von 14 Tagen bereits stark überkauft, so dass ein Rückfall auf die 200-Tage-Linie kurzfristig nicht unwahrscheinlich erscheint.

RWE Wochenkurse

Fazit

Die jüngsten Entwicklungen haben der Aktie von RWE ganz klar positive Impulse verliehen und in Anbetracht der positiven Stimmung gehen wir davon aus, dass diese Entwicklung sich über das Jahr fortsetzen wird. Auf lange Sicht besteht für RWE erhebliches Wachstumspotenzial. Profitieren dürfte die Aktie auch von der momentanen Präferenz für europäische Aktien, die tendenziell günstiger bewertet sind. Wir erachten die Aktie auf dem aktuellen Kursniveau als leicht unterbewertet und als klaren Kauf. Bis zu unserem Kursziel bei 45,60 EUR besteht eine Gewinnchance von 41 %. Anleger sollten beachten, dass RWE am 20. März den Jahresabschluss für 2024 offenlegen wird. Vorsichtige Anleger warten die Meldung der Zahlen ab.

Investmentidee(n) auf RWE

In diesem Umfeld bietet sich für mutige Anleger ein Discount-Call-Optionsschein auf RWE an. Das Papier mit der ISIN DE000PL2V6J0 ist neutral ausgerichtet mit einem Cap (Höchstauszahlungsbetrag) knapp unter dem aktuellen Niveau bei 33 EUR. Sollte die Aktie bei Fälligkeit im September 2025 mindestens auf dem Cap bei 33 EUR notieren, erzielen Anleger eine Maximalrendite von 71,4 % (140,9 % p.a.). Liegt die RWE-Aktie (ETR:RWEG) dann unterhalb des Caps, verringert sich die Rendite, der Break-Even befindet sich bei 31,73 EUR. Unterhalb des Basispreises von 30 EUR entsteht bei Fälligkeit ein Totalverlust.

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