S P 500 Prognose 2026: Steht der Aktienmarkt vor der Trendwende?

Veröffentlicht am 15.12.2025, 08:57

Der Dezember könnte sich als ein denkwürdiger Monat für die Federal Reserve erweisen. Vor dem Hintergrund weltweit steigender Zinsen signalisiert der Markt für Fed-Funds-Futures, dass die nächste Zinssenkung um einen Viertelprozentpunkt möglicherweise erst im Juni erfolgen dürfte. Sollte sich diese Einschätzung bestätigen, hätte Fed-Chef Jay Powell in diesem Monat womöglich bereits seine letzte Anpassung des Leitzinses vorgenommen.

Eine gespaltene Fed: Der neue Normalzustand?

Abgesehen von ausgeprägten Krisenphasen fällt es schwer, sich an eine vergleichbar dramatische Episode der US-Geldpolitik zu erinnern. Abweichende Voten galten lange als Ausnahme, inzwischen sind sie unter den zwölf stimmberechtigten Mitgliedern des Offenmarktausschusses (FOMC) nahezu zur Routine geworden.

Aktuell besteht sogar die Möglichkeit, dass ein Trump-Loyalist Einfluss auf Entscheidungen im eigentlich unabhängigen Gouverneursrat nimmt. Rückblickend blieb der Abgang der früheren Fed-Vertreterin Adriana Kugler weitgehend unbeachtet; Medienberichten zufolge erfolgte ihr Rücktritt wegen Verstößen gegen Handelsregeln. Mit Blick nach vorn könnte eine stärker politisierte Notenbank zur neuen Normalität werden, insbesondere dann, wenn Kevin Hassett, derzeit Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats der Trump-Regierung, den Vorsitz übernehmen sollte.

Wintertrend: Globale Anleihemärkte heizen sich auf

Doch nicht nur im Inland ist Bewegung. International liegen die Zinsen inzwischen auf dem höchsten Stand seit 2009. Die Renditen von Staatsanleihen in Deutschland, Großbritannien, Japan und Australien sind deutlich gestiegen. Händler preisen inzwischen sogar eher Zinserhöhungen der EZB ein als Senkungen.

Das ist eine Erinnerung daran, dass Zyklen an den Anleihemärkten oft sehr lang sind – geprägt von jahrelanger Seitwärtsbewegung, bevor kräftige Trends höherer Ordnung einsetzen. Kenner von Elliott-Wellen oder der Dow-Theorie dürften das zu schätzen wissen.

AGG – Tageschart
Das Anleihejahr im Überblick. Die PerfChart-Grafik von AGG und IAGG zeigt bei beiden solide Renditen im mittleren einstelligen Prozentbereich. Quelle: StockCharts.com.

Unternehmen unter wachsendem Jahresenddruck

Steigende Zinsen sind längst kein reines Thema für Staaten. Auch Unternehmen mit hoher Bonität reagieren zunehmend sensibel auf einen unruhigen Rentenmarkt. Vorstände und Finanzchefs, die über die Kapitalallokation entscheiden, dürften zum Jahresende daher unter zusätzlichem Druck stehen.

Wie das Wall Street Journal berichtet, haben großvolumige, schuldenfinanzierte Übernahmen im Umfang von zehn Milliarden US-Dollar und mehr zum Jahresende 2025 ein Rekordniveau erreicht. Gleichzeitig gelten Unternehmensübernahmen als ein zentraler Pfeiler der These eines Bullenmarkts im Jahr 2026.

Die sogenannten Bond-Vigilanten könnten jedoch eine andere Sichtweise vertreten – und dabei womöglich insbesondere den KI-Handel ins Visier nehmen.

Metalle und Kryptowährungen senden gemischte Signale

Mit etwas Abstand betrachtet liefern Edelmetalle möglicherweise einen wichtigen Hinweis über verschiedene Anlageklassen hinweg. Gold bewegt sich nahe der Marke von 4.200 US-Dollar je Feinunze, Silber wurde am Spotmarkt erstmals oberhalb von 61 US-Dollar je Unze gehandelt, während Platin und Palladium offenbar wieder an Boden gewinnen. Rohstoffe insgesamt stehen damit zum Jahresende bei vielen breit diversifizierten Investoren weit oben auf der Wunschliste.

Auch Kryptowährungen haben sich von ihren Tiefständen Mitte November erholt – der Abwertungs-Trade ist zurück im makroökonomischen Gesamtbild.

GLD – 60-Minuten-Chart
Jahresperformance von Silber und Gold. Edelmetalle haben stark zugelegt: Silber liegt mit 110 Prozent im Plus, Gold mit 60 Prozent. Quelle: StockCharts.com.

Aus Intermarket-Perspektive gehen stark schwankende Zinsen und steigende Rohstoffpreise häufig mit einer erhöhten Volatilität an den Aktienmärkten einher. Davon ist aktuell jedoch kaum etwas zu erkennen. Zwar kletterte der Cboe Volatility Index (VIX) zur Wochenmitte auf 17 Punkte, zuletzt ging die Volatilität jedoch ebenso rasch zurück, wie sie zuvor angestiegen war. So lag der 1-Tages-VIX unmittelbar vor der Fed-Entscheidung bei moderaten 13,7 Punkten – ein klares Zeichen für fehlende Jahresendnervosität.

Während Anleihen unter Verkaufsdruck stehen, Metalle gefragt sind und der Pessimismus bei Kryptowährungen nachlässt, bleibt die Volatilität insgesamt gedämpft. Vor diesem Hintergrund bewegt sich der US-Dollar-Index ($USD) seit Mitte des zweiten Quartals nahezu seitwärts.

US-Dollar – Tageschart
US-Dollar-Index weitgehend stabil. Seit Mai bewegt sich der Dollar in einer Spanne zwischen 96 und 100 Punkten. Quelle: StockCharts.com.

Die Zehnjahresrendite: Der Nordstern der Märkte?

Eine Einschätzung: Solange die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen unter etwa 4,5 Prozent bleibt, dürfte der Aktienmarkt gut aufgestellt sein. Dieser Bereich in der Mitte der Vier-Prozent-Zone hat sich als entscheidende Schwelle erwiesen – aktuell sind wir noch rund 30 Basispunkte von der Gefahrenzone entfernt.

Auf längere Sicht zeigt sich, dass US-Staatsanleihen in einer Seitwärtsphase bei sinkender Volatilität verharren – ein konstruktives Umfeld für Vorstände und Finanzchefs, die tägliche Veränderungen der Kapitalkosten im Blick haben. Vor diesem Hintergrund überrascht es kaum, dass fremdfinanzierte Übernahmen derzeit gefragt sind.

TNX – Tageschart
Zehnjährige Rendite in Seitwärtsbewegung. Die kritische Zone beginnt oberhalb von 4,5 Prozent. Quelle: StockCharts.com.

Saisonalität spricht für Jahresendrally

Auch die Saisonalität verdient Beachtung. Laut Goldman Sachs zählt die zweite Dezemberhälfte zu den viertbesten Zwei-Wochen-Phasen des Jahres. Aufwärtsbewegungen beginnen häufig um diese Zeit und reichen bis in den frühen Januar hinein – die klassische Santa-Claus-Rally läuft in diesem Jahr vom 24. Dezember bis zum 5. Januar.

Könnten Anleihen die Basis für eine „Wall of Worry“ bilden, die die großen Aktienindizes auf neue Höchststände treibt? Das halte ich für möglich. Besonders ermutigend ist die jüngste relative Stärke zyklischer Werte wie Transporttitel, Einzelhandelsaktien und Nebenwerte.

Ein heikler Januar steht bevor?

Zu Beginn des neuen Jahres sind allerdings alle Wetten offen. In den vergangenen 20 Jahren waren Januar und Februar mit durchschnittlichen Zuwächsen von 0,3 beziehungsweise 0,2 Prozent nicht besonders stark. Zudem gelten Zwischenwahljahre historisch als schwierig: Die durchschnittliche Rendite des S&P 500 liegt unter fünf Prozent, begleitet von erhöhten zwischenzeitlichen Rücksetzern – gemessen an Daten seit 1950.

Sollte sich 2026 der „Reflations“-Trade in eine Neuauflage der Inflation verwandeln, könnten Erinnerungen an das Jahr 2022 wieder aufleben.

SPX – Saisonalität
Winterflaute. Schwache Januar- und Februar-Renditen des S&P 500 seit 2006. Quelle: StockCharts.com.

Arbeitsmarkt als entscheidender Dreh- und Angelpunkt

Das Aufwärtsszenario für 2026 könnte maßgeblich vom US-Arbeitsmarkt abhängen. Zu Wochenbeginn sorgte ein ermutigender ADP-Arbeitsmarktbericht für Aufmerksamkeit, der für die vier Wochen bis zum 22. November einen Netto-Beschäftigungszuwachs auswies – entgegen dem negativen Trend seit Anfang Oktober. Sollten Strategen der Sell Side recht behalten, etwa bei Goldman Sachs, die bis zum zweiten Quartal 2026 mit einem Anstieg der monatlichen Stellenzuwächse auf rund 100.000 rechnen, könnten Jobwachstum und steigende Reallöhne für die unteren Einkommensgruppen diese Stimmungsschwäche durchbrechen.

Auf Unternehmensebene könnten niedrigere Steuern – etwa durch vollständige Abschreibung von Investitionen und Forschung – sowie Deregulierung den ISM-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe endlich wieder über die Schwelle von 50 Punkten heben. Neue Zuversicht bei privaten Haushalten und Unternehmen stellt aus meiner Sicht ein unterschätztes Aufwärtspotenzial dar.

Fazit

Man kann dies als meinen Ausblick auf 2026 bezeichnen – zu einer Zeit, in der viele ihre Prognosen veröffentlichen. Die letzte Zinssenkung der Fed um einen Viertelpunkt trifft auf global unter Druck stehende Anleihemärkte. Das makroökonomische Umfeld wirkt wie ein Balanceakt zwischen Reflation und Inflation – erstere wäre positiv, letztere belastend.

Aktien zeigen sich dennoch widerstandsfähig. Breit aufgestellte Anleger konnten 2025 ihre besten Jahresgewinne seit 2021 verbuchen, da Aktien, Anleihen und Rohstoffe allesamt mit ansehnlichen Renditen ins Jahresende gehen.

Hinweis: Dieser Blog dient ausschließlich Bildungszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Die dargestellten Ideen und Strategien sollten nicht ohne Prüfung der eigenen finanziellen Situation oder ohne Rücksprache mit einem Finanzberater umgesetzt werden.

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