S&P 500: Warum dieser Bullenmarkt mehr Substanz hat, als viele glauben

Veröffentlicht am 15.07.2025, 07:50

Der Bullenmarkt zeigt weiterhin eine außergewöhnliche Widerstandskraft. In der vergangenen Woche schloss der S&P 500 bei 6.259 Punkten – nur 0,33 Prozent unter seinem Allzeithoch. Und das, obwohl Präsident Trump gerade weitreichende neue Zölle angekündigt hatte. Offenbar gelingt es den Anlegern immer besser, den politischen Lärm auszublenden und sich stattdessen auf die starken Fundamentaldaten zu konzentrieren. Diese könnten den Weg für einen Anstieg auf 6.500 bis zum Jahresende und möglicherweise sogar 7.000 bis Mitte 2026 ebnen.

Wirtschaftskraft ohne Rezessionsgefahr

Trotz all der pessimistischen Stimmen wächst die US-Wirtschaft weiter in einem soliden Tempo von 1,5 bis 2 Prozent. Zwar ist die Rezessionswahrscheinlichkeit auf 40 Prozent gestiegen, doch Schlüsselindikatoren wie die Renditekurve, das Verbrauchervertrauen und die Produktionstätigkeit deuten bislang nicht auf eine breit angelegte Abschwächung hin.

Die „K-förmige“ Erholung bleibt bestehen (eine K-förmige Erholung bedeutet, dass Haushalte mit hohem Vermögen und Einkommen weiter profitieren, während weniger wohlhabende Gruppen zunehmend unter Druck geraten). Wohlhabende Haushalte, gestützt durch steigende Aktien- und Immobilienwerte, geben nach wie vor kräftig für Luxusgüter und Technologie aus. Gleichzeitig halten sich einkommensschwächere Verbraucher bei Reisen und nicht zwingend notwendigen Ausgaben zurück – das belastet Bereiche wie Discount-Einzelhandel und Freizeit.

Insgesamt sind die privaten Haushaltskassen aber nach wie vor gut aufgestellt. Das hohe Nettovermögen im Verhältnis zum Einkommen sorgt für überschaubare Verschuldung, und die fiskalischen Impulse aus staatlichen Defiziten schaffen ein zusätzliches Polster gegen mögliche Konjunkturschwächen.

Die KI-gesteuerte Gewinnmaschine

Künstliche Intelligenz treibt nicht nur den Technologiesektor an, sondern sorgt auch bei Industrie-, Finanz- und Versorgungsunternehmen für deutlichen Rückenwind. Das Ergebnis: ein überdurchschnittliches Ertragswachstum. Für die Kommunikationsdienste wird ein Gewinnanstieg von 29,5 Prozent erwartet, für Technologiewerte ein Plus von 16,6 Prozent – beide deutlich über dem prognostizierten Wachstum des S&P 500 von 5,8 Prozent im zweiten Quartal.

Die „Glorreichen Sieben“ und andere führende Tech-Unternehmen sind dabei nach wie vor die treibenden Kräfte dieser Entwicklung. Die Transformation des S&P 500 hin zu einem margenstarken, technologielastigen Index – oft auch als „Corporate America Exceptionalism“ bezeichnet – bedeutet, dass er zunehmend von Unternehmen geprägt ist, die über starke Preissetzungsmacht verfügen und weniger anfällig für Konjunkturzyklen sind.

Mit Blick auf 2026 wird ein Gewinn je Aktie (EPS) von rund 298 USD erwartet. Das aktuelle Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 20 bis 21 liegt zwar über dem historischen Durchschnitt von 15,5, erscheint angesichts dieser strukturellen Veränderungen und der robusten Gewinnerwartungen jedoch weiterhin gerechtfertigt.

Zollprobleme: Wenn das Bellen schlimmer ist als das Beißen

Trumps angekündigte 30-prozentige Zölle auf Waren aus der EU und Mexiko, die am 1. August in Kraft treten sollen, sind zweifellos ein zusätzliches Risiko für die Inflation. Dennoch scheinen die Auswirkungen beherrschbar. Die tatsächlich erhobenen durchschnittlichen Zollsätze haben sich bislang bei rund 18 Prozent eingependelt – deutlich unter den ursprünglich angedrohten Maßnahmen. Laufende Verhandlungen und der Druck der Märkte könnten diese Sätze sogar näher an 14 Prozent heranführen.

Die S&P 500-Unternehmen sind gut auf das zweite Quartal vorbereitet: mit hohen Lagerbeständen und flexiblen Lieferkettenstrategien wie dem Wechsel von Zulieferern und gezielten Preisanpassungen. Viele dieser Ansätze wurden bereits während Trumps erster Amtszeit etabliert und seitdem weiter verfeinert.

Fed-Politik und Inflationsdynamik

Der am Dienstag anstehende Bericht zum Verbraucherpreisindex (CPI) könnte wegweisend sein. Erwartet wird ein Anstieg um 0,28 Prozent im Juni gegenüber dem Vormonat (zum Vergleich: im Mai waren es 0,13 Prozent). Die Prognosen sind dieses Mal besonders herausfordernd, nachdem der Konsens in den vergangenen neun Monaten jeweils exakt 0,30 Prozent vorhergesagt hatte.

Positive Signale gibt es bei den Wohnkosten, die inzwischen rückläufig sind, sowie bei der Inflation im Bereich Kfz-Versicherungen, die sich offenbar abschwächt. Beide Faktoren dürften den Kerninflationsindex entlasten.

Wichtig ist zudem: Zölle wirken eher wie eine Steuer als wie klassische Inflationstreiber. Sie führen zu einmaligen Preisänderungen, die an den Staat fließen, statt zu einem nachhaltigen Preisanstieg über die gesamte Wirtschaft hinweg.

Würde man die europäische Berechnungsmethodik anwenden, läge die Kerninflation in den USA derzeit bei etwa 1,9 Prozent – ein Wert, der nahelegt, dass das 2 Prozent-Ziel der Fed greifbar ist. Das wiederum stärkt die Aussicht auf eine mögliche Zinssenkung im September.

Berichtssaison: Ein Dreh- und Angelpunkt

Für das zweite Quartal wird aktuell ein Gewinnwachstum von 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr erwartet. Allerdings haben viele Unternehmen in den vergangenen Quartalen die Prognosen regelmäßig deutlich übertroffen – oft um mehr als 5 Prozentpunkte. Das deutet darauf hin, dass das tatsächliche Wachstum am Ende eher bei 10 Prozent liegen könnte, selbst wenn der Energiesektor die Gesamtergebnisse um rund 25 Prozent belastet.

Angeführt wird die Entwicklung von KI-getriebenen Sektoren, mit folgenden erwarteten Ertragszuwächsen:

  • MAG7: +16 Prozent

  • Kommunikationsdienste ohne MAG7: +15 Prozent

  • Technologie ohne MAG7: +14 Prozent

Die bevorstehenden Quartalsberichte der Banken in dieser Woche werden zudem spannende Einblicke liefern – etwa zu IPO- und M&A-Aktivitäten, zur Entwicklung der Kreditqualität und zur Erholung der Gebühren. Bei Wells Fargo (NYSE:WFC) eröffnet die Aufhebung langjähriger regulatorischer Beschränkungen neues Wachstumspotenzial.

Ebenso wichtig sind die anstehenden Zahlen von Netflix (NASDAQ:NFLX), ASML (NASDAQ:ASML) und Taiwan Semiconductor Manufacturing (NYSE:TSM). Sie werden entscheidend sein, um die Stärke der laufenden Investitionen in KI-Infrastruktur zu bestätigen.

Stimmung und technisches Setup

Die aktuelle Rallye genießt weiterhin nur begrenzte Zustimmung. Etwa 7 Billionen USD an Barmitteln warten noch immer an der Seitenlinie, und Hedgefonds haben ihre Short-Positionen zuletzt ausgeweitet – was zumindest die Möglichkeit für einen Short-Squeeze eröffnet. Für institutionelle Anleger entsteht zunehmend das Risiko, den Trend zu verpassen. Sollte die Dynamik anhalten, könnten daraus FOMO-getriebene Käufe resultieren.

Der Bitcoin, der häufig als Barometer für die Risikobereitschaft gilt, hat kürzlich die Marke von 118.000 USD überschritten und damit 2,4 Mrd. USD an Leerverkäufen ausgelöst. Mein kurzfristiges Ziel von 120.000 USD ist bereits erreicht, und bis Jahresende sehe ich weiteres Potenzial in Richtung 150.000 USD. Auch der Ausbruch von Ethereum deutet auf einen möglichen Anstieg auf 4.000 USD hin, während Solana gute Chancen auf eine Erholung hat, sofern sich der Kurs oberhalb von 185 USD behaupten kann – unterstützt durch die anhaltende Dynamik im DeFi- und NFT-Bereich.

Investment-Playbook

Meine bevorzugten Gewichtungen:

  • Die „Glorreichen Sieben“ sowie die KI-Infrastruktur, die voraussichtlich weiter von der Ertragsvalidierung und der zunehmenden Monetarisierung von KI-Anwendungen profitieren werden.

  • Bitcoin, der innerhalb eines robusten langfristigen Aufwärtstrends aktuell Ausbruchsmomentum zeigt.

  • Industriewerte, die durch KI-getriebene Infrastrukturausgaben und die Stärkung der heimischen Produktion Rückenwind erhalten.

  • Finanzwerte, insbesondere Groß- und Regionalbanken, die von M&A-Aktivitäten und möglichen Zinssenkungen profitieren dürften.

  • Small Caps, die bei klareren politischen Rahmenbedingungen und einem lockereren Zinsumfeld Chancen auf eine Erholung haben.

Gleichzeitig sollten Anleger die Risiken nicht aus den Augen verlieren – etwa eine hartnäckige Inflation, die die Fed zu einer restriktiveren Haltung zwingt, unerwartete Zolleskalationen oder enttäuschende Entwicklungen in den stark KI-fokussierten Sektoren.

Meine Prognose: 6.500 und mehr

Ich halte an meinem Ziel von 6.500 Punkten für den S&P 500 bis zum Jahresende fest. Aus meiner Sicht stützen vor allem drei Faktoren diese Prognose: ein Gewinnwachstum von 5 bis 7 Prozent, mehr Klarheit in der Politik und die nach wie vor hohe Liquidität im Markt.

In einem optimistischen Szenario – getragen von einer beschleunigten Monetarisierung der KI und einer weniger restriktiven Geldpolitik der Fed – könnte der Index bis Mitte 2026 sogar die Marke von 7.000 Punkten erreichen.

Fazit

Trotz aller Schlagzeilen über Zölle, die zögerliche Haltung der US-Notenbank und geopolitische Spannungen bleibt das Fundament des Marktes stabil. Dieser Bullenmarkt, der gerade einmal 31 Monate alt ist, hat weiterhin Potenzial. Starke Unternehmensgewinne, ein rasanter technologischer Wandel und enorme Liquiditätsreserven schaffen ein solides Umfeld für weitere Kursgewinne.

Die besten Chancen entstehen oft gerade dann, wenn die Unsicherheit groß ist. Anleger, die sich auf die Fundamentaldaten statt auf die Schlagzeilen konzentrieren, haben die größten Erfolgsaussichten.

Aktuelle Kommentare

Wenn jetzt noch die FED die Leitzinsen endlich senken würde!!! Dann gehen die US-Indices durch die Decke.
Der Markt ist doch durch und durch manipuliert - Firmen kaufen reihenweise eigene Aktien in Milliardenhöhe zurück und manipulieren so den price per Share, Analysten senken die Erwartungen vor der Berichtsaison, so das welch Wunder die meisten besser abschneiden, Trump regiert nicht nur die USA, sondern die Weltmärkte mit seinem social Media Irrsinn, die Verschuldung nimmt untragbare Ausmaße an und die Märkte feiern das.....die Blase wird immer weiter aufgeblasen, höher, schneller, weiter.....man hat offenbar aus der Vergangenheit rein gar nichts gelernt!
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