Die beste KI-Aktie im März (+46% in 3 Wochen)
„Digitales Geld“ – so lautete der Titel der TBAC-Präsentation vom 30. April 2025 vor dem US-Finanzministerium. Ein Thema, das auch für Anleger zunehmend an Bedeutung gewinnt. TBAC steht für Treasury Borrowing Advisory Committee – ein Beratungsgremium des US-Finanzministeriums, dem hochrangige Anlageprofis aus großen Banken, Brokern, Hedgefonds und Versicherungen angehören. Der Ausschuss informiert das Finanzministerium regelmäßig über die Lage an den Märkten und spricht Empfehlungen zur Emission von Staatsanleihen aus. Diese Empfehlungen haben durchaus Gewicht.
Bei seiner letzten Sitzung nahm sich der TBAC ein Thema vor, das längst im Alltag der Finanzmärkte angekommen ist: digitales Geld – konkret Stablecoins. Sie wurden in der Sitzung als ein „neuer Zahlungsmechanismus“ bezeichnet, der für das Finanzministerium vor allem deshalb interessant ist, weil er zu einer „deutlich höheren Nachfrage“ nach Treasury Bills (den kurzfristigen US-Staatsanleihen) führen könnte.
Dass Stablecoins und digitale Zahlungsformen inzwischen ernsthaft auf dieser Ebene diskutiert werden, zeigt, wie stark sich das Finanzsystem gerade verändert. Es lohnt sich daher, den Bericht des TBAC genauer anzuschauen – und darüber nachzudenken, welche Auswirkungen solche Entwicklungen auf den Anleihemarkt und das System als Ganzes haben könnten.
Wer tiefer in das Thema einsteigen möchte, dem empfehlen wir unseren Artikel zur Digitalisierung von Vermögenswerten: Tokenisierung und Kapitalmärkte: Entwicklung, Chancen und Herausforderungen.
Was sind Stablecoins?
Stablecoins sind eine besondere Form von Kryptowährungen – mit dem Ziel, einen möglichst stabilen Wert zu halten. Anders als etwa Bitcoin, dessen Kurs oft stark schwankt, sollen Stablecoins so gut wie keine Volatilität aufweisen. Ihr Wert ist in der Regel an eine klassische Währung wie den USD gebunden.
Gerade diese Stabilität macht sie besonders attraktiv für digitale Zahlungen. Im Vergleich zu anderen Kryptowährungen eignen sie sich deutlich besser für den täglichen Einsatz – ähnlich wie Geldmarktfonds oder klassische Spar- und Girokonten im traditionellen Finanzsystem dienen sie im digitalen Raum als Wertaufbewahrungsmittel.
Um diese Stabilität zu sichern, hinterlegen Stablecoin-Anbieter ihre digitalen Tokens mit realen Vermögenswerten – etwa USD, US-Staatsanleihen, Repos (Rückkaufvereinbarungen) oder anderen konservativen Anlagen. Die bekanntesten Vertreter dieser Kategorie sind Tether (USDT) und USD Coin (USDC).
Durch ihre geringe Volatilität und die nahtlose Integration in Blockchain-Systeme kommen Stablecoins besonders häufig im dezentralen Finanzwesen (DeFi) zum Einsatz – also in Transaktionen, die ohne traditionelle Vermittler wie Banken oder Börsen ablaufen. Auch bei internationalen Überweisungen spielen sie zunehmend eine Rolle.
Die folgende Grafik zeigt: Über 80 % der Vermögenswerte, mit denen Tether abgesichert ist, bestehen aus Bargeld, Bargeldäquivalenten und kurzfristigen Einlagen. Die restlichen rund 20 % stecken in risikoreicheren Assets – teils riskanter als das, was klassische Geldmarktfonds typischerweise halten dürften.

Stablecoins ermöglichen schnellere und günstigere Transaktionen als das klassische Bankensystem. Sie eröffnen zudem Menschen den Zugang zu Finanztransaktionen, die bisher keine oder nur eingeschränkte Möglichkeiten hatten, Bankdienstleistungen zu nutzen. In der Welt der Kryptowährungen übernehmen sie gewissermaßen die Rolle von „digitalem Bargeld“: Sie ermöglichen Zahlungen, den digitalen Handel oder einfach das Halten von Geld – ohne dass man sich ständig Sorgen um Kursschwankungen machen muss.
Im Bericht des TBAC heißt es dazu:
„Stablecoins sind digitale Vermögenswerte, die ihren Wert stabil halten sollen, indem sie an ein Reservemedium wie eine Fiat-Währung (USD) gekoppelt werden. Diese angestrebte Stabilität hat Stablecoins zu einem wichtigen Baustein für Zahlungen und als Mittel zur Wertaufbewahrung in On-Chain-Ökosystemen gemacht.“
Die folgende Grafik aus dem TBAC-Bericht zeigt, wie unterschiedlich die Sicherheitsniveaus bei Stablecoins ausfallen können. Einige gelten als besonders sicher, weil sie durch Staatsanleihen, Repo-Geschäfte und Geldmarktfonds gedeckt sind. Je weiter man in der Grafik nach unten schaut, desto risikoreicher werden allerdings die Modelle – etwa dann, wenn algorithmische Mechanismen oder Smart Contracts zur Stabilisierung eingesetzt werden.

Vorteile für den Fiskus
In der TBAC-Präsentation wurde auch diskutiert, wie Stablecoins dem US-Finanzministerium konkret nützen könnten.
Laut einer Grafik im Bericht beläuft sich der aktuelle Gesamtwert ausgegebener Stablecoins auf etwa 234 Mrd. USD. Der TBAC hält es für möglich, dass sich diese Summe bis 2028 auf rund 2 Billionen USD vervielfacht.
Schon heute sind Stablecoins laut TBAC-Schätzung mit US-Schatzanweisungen im Wert von etwa 120 Mrd. USD hinterlegt. Sollte das Marktvolumen wie erwartet wachsen, könnten künftig über 1 Billion USD an Treasury Bills zur Absicherung neuer Stablecoins benötigt werden.
Das hätte weitreichende Folgen: Stablecoin-Emittenten würden dann mehr US-Staatsanleihen halten als Großbritannien (779 Mrd. USD) oder China (765 Mrd. USD) – derzeit die zweit- bzw. drittgrößten staatlichen Halter von US-Schuldtiteln. Nur Japan läge mit 1,13 Billionen USD noch darüber.

Verschiebung der Emissionsmuster von Staatsanleihen
Der TBAC bewertet die steigende Nachfrage nach Schatzanweisungen grundsätzlich positiv – vor allem im Hinblick auf die Finanzierung des US-Staatshaushalts.
Die Ausschussmitglieder sehen darin die Chance, eine neue Käuferschicht zu erschließen, was tendenziell zu niedrigeren Renditen führen könnte. Gleichzeitig würde die größere Unabhängigkeit von ausländischen Investoren die fiskalische Stabilität der USA stärken – und damit auch die weltweite Führungsrolle des US-Dollars weiter festigen.
Eine zusätzliche Nachfrage nach Schatzanweisungen in Höhe von 1 Billion USD hätte jedoch auch Auswirkungen auf die Strategie des Finanzministeriums bei der Schuldenaufnahme. Um diesen neuen Bedarf zu decken, müsste das Angebot an kurzfristigen Anleihen (T-Bills) ausgeweitet werden – zulasten von Anleihen mit längeren Laufzeiten.
Das Ergebnis wären – bei sonst gleichbleibenden Bedingungen – tendenziell niedrigere langfristige Zinsen. Allerdings bringt eine stärkere Fokussierung auf kurzfristige Schuldtitel auch Risiken mit sich: Sollte sich etwa die Zinskurve invertieren – also die kurzfristigen Zinsen über den langfristigen liegen – könnte die Refinanzierung für den Staat deutlich teurer werden.
Das GENUIS-Gesetz
Ein aktueller Gesetzesvorschlag aus dem Februar – das sogenannte GENIUS-Gesetz – nimmt genau dieses Thema auf und soll klare Regeln für Stablecoin-Emittenten schaffen.
GENIUS steht für Guiding and Establishing National Innovation for U.S. Stablecoins. Der Entwurf sieht vor, dass Stablecoins vollständig durch hochwertige Vermögenswerte gedeckt sein müssen – und zwar im Verhältnis 1:1. Besonders hervorgehoben werden dabei US-Schatzwechsel mit einer Restlaufzeit von unter 93 Tagen.
Zugleich zielt das Gesetz darauf ab, die Möglichkeiten von Stablecoins einzuschränken, aktiv Renditen zu erwirtschaften – was sie stärker in Richtung „digitales Bargeld“ rücken und spekulative Elemente reduzieren würde.
Der folgende Tweet von Senator Bill Hagerty, der den Gesetzesentwurf in den US-Senat eingebracht hat, bringt die zentralen Vorteile des vorgeschlagenen GENIUS-Gesetzes auf den Punkt.

Risiken für die Banken
Während das US-Finanzministerium von der zusätzlichen Nachfrage durch Stablecoins profitieren könnte, sieht die Lage für Banken weniger günstig aus.
Sollten Stablecoins künftig wettbewerbsfähige Renditen bieten, könnten manche Bankkund:innen den Komfort und die Flexibilität digitaler Alternativen bevorzugen. Für Banken hieße das: entweder attraktivere Zinsen anbieten, um Einlagen zu halten – oder riskieren, einen wichtigen Teil ihrer Refinanzierung zu verlieren.
Dabei darf man nicht vergessen: Diese Einlagen sind für Banken essenziell, um Kredite zu vergeben. Sinkt das Einlagenniveau, könnte das die Kreditvergabe einschränken – was langfristig zu weniger Investitionen und damit zu einer Verlangsamung des Wirtschaftswachstums führen kann.
Rolle der Fed
Aktuell kann die US-Notenbank (Fed) über die Zinssätze und ihre Bilanz die Kreditvergabe der Banken stark beeinflussen – und damit auch die Geldmenge im Umlauf.
Wichtig dabei: Die Fed „druckt“ kein Geld im klassischen Sinne. Geld entsteht erst, wenn es verliehen wird. Die Fed stellt den Banken Reserven zur Verfügung, um sie zu ermutigen, Kredite zu vergeben – das ist der zentrale Mechanismus der Geldschöpfung im heutigen System.
Wenn Banken jedoch an Bedeutung verlieren, könnte genau dieser Mechanismus an Wirkung verlieren. Die Fähigkeit der Fed, mit geldpolitischen Maßnahmen über die Banken auf die Wirtschaft einzuwirken, würde geschwächt. Und in einer Krise könnte es für die Notenbank schwieriger werden, Krypto-Institutionen zu unterstützen, die nicht in das traditionelle Bankensystem eingebunden sind.
Um Risiken durch Stablecoins zu vermeiden – vor allem im Krisenfall – wären deshalb klare gesetzliche Vorgaben notwendig: etwa zu den Arten von Sicherheiten, mit denen Stablecoins gedeckt sein müssen, sowie zur Höhe der Reserveanforderungen.
Fazit
Fed und US-Finanzministerium werden alles daransetzen, dem Staat die günstigste Finanzierung zu ermöglichen. Wie wir bereits in unserem täglichen Kommentar im Mai beschrieben haben, sind bereits konkrete Maßnahmen in Vorbereitung.
Einem Bericht der Financial Times zufolge planen die US-Bankenaufsichtsbehörden, die Eigenkapitalanforderungen für Banken zu lockern. Besonders relevant für den Anleihemarkt ist dabei die sogenannte Supplementary Leverage Ratio (SLR). Anders als andere risikobasierte Kapitalvorschriften verlangt die SLR eine feste Mindestkapitalquote für sämtliche Aktiva in der Bilanz – unabhängig vom Risiko. Sie wurde 2014 eingeführt, um eine übermäßige Verschuldung im Bankensektor zu verhindern.
Eine Senkung dieser Anforderungen für die größten Banken würde es ihnen ermöglichen, mehr US-Staatsanleihen zu halten. Stablecoins, die ebenfalls mit US-Schuldtiteln besichert sind, würden damit eine weitere potenzielle Finanzierungsquelle für das Finanzministerium darstellen.
Stablecoins und digitales Geld bringen zweifellos tiefgreifende Veränderungen mit sich – und damit auch Herausforderungen für das bestehende Finanzsystem. Sie sind nicht ohne Risiken, doch das Potenzial ist groß: niedrigere Transaktionskosten, schnellere Zahlungen – und mit ihnen ein neuer, verlässlicher Käuferkreis für US-Staatsanleihen. Das alles könnte die Struktur der Staatsfinanzierung dauerhaft verändern.
