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Handelsabkommen, Zollfeuerwerk, Datendrama – die vergangene Woche hatte es in sich. Hier sind die vier wichtigsten Erkenntnisse aus den zurückliegenden turbulenten Tagen – und worauf wir in den kommenden Tagen besonders achten sollten.
Die Zölle haben sich nicht so stark verändert, wie es vielleicht scheint
Letzte Woche habe ich mich gefragt, ob die Frist für Änderungen der Handelsbedingungen am 1. August anders ausgehen würde als die vielen Ultimaten zuvor – und dann doch wieder nicht. Ich war skeptisch, und offenbar lag ich richtig. Denn trotz der ganzen Ankündigungen von Zöllen, die diese Woche aus Washington kamen, hat sich im Kern kaum etwas verändert. Jedenfalls bislang nicht.
Nehmen wir das Abkommen mit der EU: Die Zölle auf Autos wurden von 25 % auf 15 % gesenkt. Gleichzeitig stieg der Basiszollsatz von 10 % auf 15 %. Wichtig dabei: Dieser neue Satz wird nicht mehr auf den bisherigen Durchschnittszoll von 1,5 % aufgeschlagen, der vor der Amtszeit von US-Präsident Donald Trump galt.
Rechnet man alles zusammen, ergibt sich: Der durchschnittliche Zoll auf alle US-Importe aus der EU steigt nach der Vereinbarung dieser Woche nur leicht – von 12,9 % auf 13,4 %. Im Grunde ist das kaum mehr als eine Rundungsdifferenz.
Sie haben sicher bemerkt, dass ich den Pharma-Sektor bisher ausgespart habe. Laut Abkommen gilt dort theoretisch ein Zoll von 15 % – ebenso für Chips und vermutlich eine ganze Reihe weiterer Branchen, die bislang weltweit von gegenseitigen Zöllen ausgenommen waren. Bezieht man diese ein, steigt der durchschnittliche EU-Zollsatz noch deutlicher.
Doch noch ist völlig offen, wann – oder ehrlich gesagt, ob – diese Pharma-Zölle überhaupt in Kraft treten. Ebenso fraglich ist, ob das Abkommen tatsächlich vierteljährlich überprüft wird, wie Finanzminister Scott Bessent andeutete. Und wie hart die USA künftig die europäischen Zusagen zu Energieeinkäufen und Investitionen einfordern werden, könnte sich noch als Konfliktpunkt erweisen.
Das sind nur einige der vielen offenen Fragen, die sich aus den „Deals“ dieser Woche ergeben. Und genau das ist das Problem: Der wichtigste – vielleicht sogar einzige – Vorteil der Vereinbarung für Europa wäre gewesen, die Unsicherheit für Unternehmen und Verbraucher zu verringern. Ich bin nicht überzeugt, dass das gelungen ist. Meine Kollegen in der Eurozone rechnen jedenfalls weiterhin mit schwachem Wachstum für den Rest des Jahres.

Abgesehen von der Pharmaindustrie hat sich der EU-Zollsatz durch das Handelsabkommen kaum erhöht.
Der US-Arbeitsmarkt ist nicht annähernd so stark, wie wir dachten
Beim Thema Arbeitsmarkt hat sich diese Woche alles verschoben – zumindest sehen das die Märkte so. Nach dem überraschend schwachen Arbeitsmarktbericht liegt die geschätzte Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung der Fed im September nun bei 93 %. Noch wenige Stunden zuvor lag sie bei gerade einmal 44 %.
James Knightley, Chief International Economist von ING (AS:INGA), hat das detailliert aufgearbeitet. Aber selbst ohne tiefen Einblick fällt eines sofort auf: Die Beschäftigungsdaten für Mai und Juni wurden massiv nach unten revidiert. Tatsächlich ist die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft in beiden Monaten kaum gewachsen. Werden die Daten später noch einmal an die Steuerstatistiken angepasst, könnte sich sogar herausstellen, dass es in diesen Monaten netto Jobverluste gab. Damit steht die Aussage von Fed-Chef Jerome Powell, der Arbeitsmarkt habe sich in den letzten Monaten nicht abgeschwächt, auf wackligen Füßen.
Powell betonte allerdings auch, dass er die Beschäftigungsdaten im Moment nicht für besonders aussagekräftig hält – und dass wir stattdessen die Arbeitslosenquote im Blick behalten sollten. Seine Argumentation: Das geringere Beschäftigungswachstum könnte schlicht daran liegen, dass die Zahl der Arbeitskräfte weniger stark zunimmt – ein Effekt der US-Einwanderungspolitik – und nicht unbedingt daran, dass Unternehmen weniger einstellen.
Das erklärt natürlich nicht die gesamte Schwäche bei den Beschäftigtenzahlen (ohne Landwirtschaft) im Mai und Juni. Aber nach Powells Logik könnte die Fed von diesen Zahlen weniger beunruhigt sein, als viele vermuten. Und was die von ihm bevorzugte Kennzahl – die Arbeitslosenquote – betrifft: Sie ist im Juli zwar leicht gestiegen, hat sich im vergangenen Jahr insgesamt aber kaum verändert.

Wie James K. schreibt, hängt nun vieles vom nächsten Arbeitsmarktbericht Anfang September ab. Und ganz gleich, wann die Fed mit ihren Zinssenkungen tatsächlich startet – die jüngste Vergangenheit zeigt, dass sie entschlossen handeln dürfte, sobald der Schritt einmal getan ist. Die schnelle Zinssenkung um 100 Basispunkte im vergangenen Jahr war eine direkte Reaktion auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit im Frühsommer 2024.
Zölle machen sich in der US-Inflation allmählich bemerkbar
Die jüngsten, eher enttäuschenden Makrodaten werfen unweigerlich die Frage auf, ob sich die Fed überhaupt den Luxus leisten kann, in Ruhe auf die erwarteten heißen US-Inflationszahlen zu schauen.

Unser US‑Chefökonom betont schon lange, dass Zölle die Inflation mit einer gewissen Verzögerung belasten würden. Genau das scheint nun einzutreten. Der in dieser Woche veröffentlichte Kern-PCE-Deflator, die von der Fed bevorzugte Inflationskennzahl, zeigt eine Wareninflation von fast 4 %, wenn man die auf das Jahr hochgerechnete Veränderung der letzten drei Monate betrachtet. Dieser Wert könnte sich im Sommer noch deutlich erhöhen.
Und bei aller Aufregung um die Lage am US‑Arbeitsmarkt: Bis zur September‑Sitzung der Fed stehen noch zwei Verbraucherpreisberichte an – und die könnten die Erwartungen an eine baldige Zinssenkung durchaus wieder etwas bremsen.
Eine Zinssenkung der EZB im September ist unwahrscheinlicher geworden
Unser Team war sich zuletzt ohnehin nicht mehr so sicher, ob die Europäische Zentralbank im September wirklich eine Zinssenkung vornehmen würde – und in dieser Woche hat sich die Tendenz weiter in Richtung einer erneuten Vertagung der Entscheidung verschoben. Das Handelsabkommen dieser Woche ändert an der grundsätzlichen Lage für die Verantwortlichen in Frankfurt wenig, auch wenn es am Rande den Druck zu weiteren Lockerungsschritten etwas verringert.
Dass der Euro nach der Vereinbarung nachgab, spielt der EZB ebenfalls in die Karten – gerade zu einem Zeitpunkt, an dem die Offiziellen zunehmend besorgt waren, EUR/USD könnte die Marke von 1,20 überschreiten. Handelsgewichtet liegt der Euro in dieser Woche weiterhin im Minus, selbst nach der Dollar-Schwäche infolge der schwachen US-Arbeitsmarktdaten.
Dazu kommt: Das Wachstum liegt über den Erwartungen, die Inflation bei 2 %, und die Arbeitslosigkeit ist so niedrig wie nie zuvor – all das verstärkt den Eindruck, dass die EZB derzeit „gut aufgestellt“ ist.

Unser Team hält vorerst an seiner Forderung nach einer Zinssenkung fest. Doch wie wir in dieser Woche bereits geschrieben haben, könnte sich die Diskussion über den Zeitpunkt der ersten Zinserhöhung rasch drehen – nämlich dann, wenn das Schlimmste bei den US‑Zöllen tatsächlich überstanden ist und die Wirtschaft wieder erste Lebenszeichen zeigt.
Entwicklung in den Industrieländern
Vereinigte Staaten (James Knightley)
US-Daten: Nach dem schwachen Arbeitsmarktbericht für Juli richtet sich die Aufmerksamkeit nun darauf, ob sich weitere Fed-Mitglieder einer Zinssenkung im September anschließen könnten. Michelle Bowman und Christopher Waller haben sich bereits dafür ausgesprochen und zeigen sich deutlich besorgt über die jüngsten Arbeitsmarktdaten. Datenseitig ist der ISM-Dienstleistungsindex der wichtigste Aktivitätsbericht – auf Basis regionaler Erhebungen ist hier eine leichte Verbesserung zu erwarten. Zudem dürfte das überraschend geschrumpfte Handelsdefizit bei Waren dazu beitragen, dass sich auch das Gesamtdefizit der Handelsbilanz verringert.
Kanada (James Knightley)
Beschäftigungsbericht (Fr): Angesichts der anhaltenden Sorge über die Auswirkungen der Zölle auf den wichtigen Handel zwischen den USA und Kanada – immerhin gehen rund drei Viertel aller kanadischen Exporte in die USA – wird der Arbeitsmarktbericht diese Woche das zentrale Datenevent sein. Wir gehen davon aus, dass die Wirtschaft die überraschend starke Beschäftigungsentwicklung aus dem Juni halten konnte, sehen aber das Risiko erneuter Schwäche im weiteren Jahresverlauf.
Vereinigtes Königreich (James Smith)
Bank of England (Do): Der britische Arbeitsmarkt zeigt deutliche Spannungen, was eine Zinssenkung um 25 Basispunkte in diesem Monat durchaus rechtfertigt. Das Bild bleibt jedoch differenziert: Die stabilen Inflationsdaten lassen der Bank of England kaum Anlass, bereits nächste Woche eine aggressivere Lockerung anzudeuten. Wir rechnen mit einer Dreiteilung der Stimmen, da der geldpolitische Ausschuss weiterhin gespalten ist.
Entwicklung in Mittel- und Osteuropa
Ungarn (Peter Virovacz)
Handel & Industrie (Mi): Nachdem die ungarische Wirtschaft im 2. Quartal positiv überrascht hat, rechnen wir mit einem realen monatlichen Wachstum bei Industrieproduktion und Einzelhandelsumsätzen. Das Plus im Einzelhandel dürfte jedoch durch das schwache Verbrauchervertrauen begrenzt bleiben. Auch in der Industrie ist die Bodenbildung zwar erkennbar, doch sie markiert erst den Beginn eines langen Wegs zu einer langsamen Erholung.
Inflation (Fr): Wir gehen davon aus, dass sich der Trend moderater monatlicher Preisbewegungen fortsetzt. Ein stärkerer Forint, geringere importierte Inflation (handelbare Güter), niedrigere Kraftstoffpreise und saisonale Effekte wirken dämpfend. Gleichzeitig bleibt der Preisdruck bei Lebensmitteln – vor allem bei unverarbeiteten – wegen angebotsseitiger Schocks hoch. Basiseffekte dürften die Jahresrate diesmal stützen, sodass die Inflation zum ersten Mal seit Ende 2024 auf 4,0 % sinken könnte. Da die Teuerung weitgehend von Nicht‑Kernkomponenten bestimmt wird, dürfte die Kerninflation im Monatsvergleich unverändert bleiben. Zusammen mit dem hohen Vorjahresniveau dürfte das die jährliche Kerninflation auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2021 drücken.
Tschechische Republik (David Havrlant)
Inflation (Di): Wir gehen davon aus, dass die jährliche Inflation im Juli zurückgegangen ist und auch die Kerninflation schwächer ausfällt als im Vormonat. Allerdings ist die Prognose der Lebensmittelinflation im Sommer schwierig, da die Preise für Obst und Gemüse stark schwanken. Besonders der holprige Verlauf der Kartoffelpreise dürfte entscheidend sein: Wir rechnen damit, dass der Juli-Rückgang der Kartoffelpreise in den Verbraucherpreisdaten sichtbar wird.
Handel & Industrie (Mi/Do): Industrieproduktion und reale Einzelhandelsumsätze dürften im Juni solide Jahreswachstumsraten aufweisen. Die Verbraucher entwickeln sich weiter besser als die Produzenten – gestützt durch steigende nominale und reale Löhne sowie gute Stimmung. Für die Industrie bleibt die Lage herausfordernd, doch das Schlimmste scheint überstanden.
Zinsentscheidung (Do): Die Tschechische Nationalbank dürfte die Zinsen am Donnerstag unverändert lassen. Verbesserte Wachstumsaussichten – unter anderem dank sinkender Unsicherheit nach den jüngsten Handelsabkommen – sprechen dafür. Gleichzeitig steigt der Inflationsdruck mittelfristig, sei es durch die angespannte Lage am Arbeitsmarkt oder einen robusten Wohnungsmarkt, der Mieten und damit auch die Kerninflation treiben könnte. Der jüngste Zinssenkungszyklus dürfte damit beendet sein.
Türkei (Muhammet Mercan)
Inflation (Mo): Nach einer 25-prozentigen Erdgas‑Preiserhöhung, automatischen Steueranpassungen (auf Alkohol, Tabak und Treibstoff) und der Abwertung der Lira gegenüber dem Euro – was die Preise für Autos und Haushaltsgeräte belastet – erwarten wir für Juli eine monatliche Inflationsrate von 2,5 %. Günstige Basiseffekte dürften jedoch dafür sorgen, dass die Jahresrate leicht auf 34,1 % fällt (von 35 % im Vormonat).
Armenien (Dmitri Dolgin)
Zinsentscheidung (Di): Die armenische Zentralbank entscheidet am Dienstag über den Leitzins. Wir sehen die Wahl zwischen einer Senkung auf 6,50 % und einem unveränderten Satz von 6,75 %. Eine Senkung halten wir für wahrscheinlicher: Der Verbraucherpreisindex hat sich abgeschwächt, das Wirtschaftswachstum verliert an Dynamik – und das bei einer weiterhin starken Währung und einer insgesamt stabilen Entwicklung des Bankensektors.

Wichtige EMEA-Daten in dieser Woche

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