Warum hohe Zinsen die Weltwirtschaft (noch) nicht abwürgen

Veröffentlicht am 12.01.2026, 06:56

Hohe Zinsen sollen irgendwann etwas zum Brechen bringen. Die Logik dahinter ist einfach: Eine stark verschuldete Volkswirtschaft muss einen enormen Schuldenberg zu zunehmend teuren Konditionen bedienen - mit der Folge, dass weniger Spielraum für Einkommen und Konsum bleibt.

Der entscheidende Fehler vieler Beobachter liegt jedoch darin, auf die falschen Schulden zu schauen.

Nicht die Staatsverschuldung ist dabei der zentrale Risikofaktor, sondern die Verschuldung des privaten Sektors und deren Entwicklung. Denn anders als der Staat verfügt der private Sektor nicht über die Möglichkeit, Geld zu schöpfen. Wer sich zu stark verschuldet und zugleich seine Fähigkeit zur Einkommensgenerierung einbüßt, spürt die Konsequenzen unmittelbar und ohne zeitliche Verzögerung.

Genau hier liegt der entscheidende Punkt.

In den vergangenen 15 Jahren haben die meisten großen Volkswirtschaften den Schuldenabbau im privaten Sektor konsequent vorangetrieben. Die nachstehende Grafik zeigt, dass die Verschuldung privater Haushalte und Unternehmen in Relation zum Bruttoinlandsprodukt in der Europäischen Union, im Vereinigten Königreich und in den USA deutlich zurückgegangen ist.

Während die Staaten mit fiskalischen Impulsen einsprangen, blieb die gesamtwirtschaftliche Entwicklung insgesamt stabil - und der private Sektor konnte seine Verschuldung gleichzeitig spürbar reduzieren.

EU-UK-US Private Sector Debt as % GDP

Ein geringer verschuldeter privater Sektor ist deutlich besser in der Lage, höhere Zinsen zu verkraften.

Nach der globalen Finanzkrise haben die Staaten zunehmend die Rolle des Geldschöpfers übernommen und damit einen Teil der wirtschaftlichen Anpassung abgefedert. Dieser Prozess ist jedoch keineswegs grenzenlos. Kapazitätsengpässe, Inflationsrisiken und Fragen der fiskalischen Glaubwürdigkeit markieren klare Beschränkungen.

Damit rückt eine zentrale offene Frage in den Fokus der Märkte: Kann der bemerkenswerte Schuldenabbau im privaten Sektor fortgesetzt werden - und sind die Staaten in der Lage, ihre Defizite weiter auszuweiten, ohne dabei schwerwiegende wirtschaftliche Konsequenzen auszulösen?

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