Leonardo-Aktie: Jetzt Kauf? Analysten sehen Potenzial
In der nächsten Woche startet die Berichtssaison für das 2. Quartal 2025 bei den S&P 500-Unternehmen – und wir können mit einer Flut an Ergebnissen rechnen, beginnend mit den Großbanken der Wall Street (Dienstag und Mittwoch). Da die Unternehmensgewinne den Markt bewegen und die Grundlage der Erwartungen der Anleger bilden, bleibt es spannend. Werfen wir also einen Blick auf das, was wir bisher wissen.
In den vergangenen Monaten sind die Gewinnschätzungen für das 2. Quartal 2025 laut Daten von S&P Global deutlich zurückgegangen: von ursprünglich 234 USD je Aktie im März 2024 auf 220 USD je Aktie am 15. Juni. Dieser Rückgang um 14 USD hängt zum Teil mit den Sorgen um neue Zölle zusammen, die sich spürbar auf die Geschäftsaussichten vieler Unternehmen ausgewirkt haben.

FactSet berichtet:
„Vor dem Ende des Quartals haben Analysten ihre Gewinnschätzungen für die S&P 500-Unternehmen für das 2. Quartal überdurchschnittlich stark gesenkt. Der Anteil der Unternehmen, die selbst negative Gewinnprognosen abgegeben haben, liegt jedoch unter dem historischen Durchschnitt. Infolgedessen sind die erwarteten Gewinne des S&P 500 für das zweite Quartal aktuell niedriger als zu Beginn des Quartals. Außerdem dürfte der Index die niedrigste Gewinnwachstumsrate im Jahresvergleich seit dem 4. Quartal 2023 (4,0 %) verzeichnen.“
„Bei den Korrekturen haben die Analysten ihre Schätzungen für das 2. Quartal 2025 bislang um 4,1 % nach unten angepasst. Dieser Rückgang liegt über dem 5-Jahres-Durchschnitt (-3,0 %) und dem 10-Jahres-Durchschnitt (-3,1 %) für ein Quartal.“
Auch hier sind viele dieser negativen Anpassungen auf die anhaltenden Sorgen um Zölle unter der aktuellen US-Regierung zurückzuführen. Das Fehlen endgültiger „Trade Deals“ sorgt weiter für Unsicherheit in den Vorabschätzungen. Im 3. und 4. Quartal dieses Jahres könnten jedoch positive Impulse – etwa Fortschritte im Handel oder eine stabilere Konjunktur – die Prognosen wieder festigen.
Derweil haben die Aktienmärkte im Juni neuen Schwung bekommen. Gründe dafür waren nachlassende Handelsspannungen, sinkende Energiepreise und der zunehmende Optimismus über mögliche Zinssenkungen der US-Notenbank. Doch ein Teil dieser Erleichterung könnte in den kommenden Wochen auf die Probe gestellt werden – gerade dann, wenn die Erwartungen an die Unternehmensgewinne auf weiterhin schwache Wirtschaftsdaten treffen.
Ein Warnsignal liefert der Economic Composite Index (mit rund 100 Datenpunkten), der in den letzten zwei Monaten deutlich nachgegeben hat. Historisch betrachtet folgen die Unternehmensgewinne oft der realen Wirtschaftsentwicklung – das deutet darauf hin, dass die Gefahr von Enttäuschungen aktuell nicht zu unterschätzen ist.

Warum die Schätzungen immer vorsichtiger werden
Drei Hauptfaktoren erklären, warum die Gewinnprognosen für das 2. Quartal 2025 aktuell stärker als üblich nach unten angepasst wurden:
1. Ansteigende Handelsrisiken: Die jüngsten Zollinitiativen von US-Präsident Trump haben erneut für Nervosität an den Märkten gesorgt. Branchenverbände und Strategen von Goldman Sachs (NYSE:GS), Bank of America (NYSE:BAC) und Citi warnen, dass jede Erhöhung der effektiven Zollsätze um 5 Prozentpunkte das EPS-Wachstum um etwa 1 bis 2 % drücken könnte. Wir gehen davon aus, dass die aktuelle Zollpause noch bis ins 3. Quartal verlängert wird, da die Regierung derzeit aktiv an Handelsabkommen arbeitet. Dennoch sollten sich Anleger auf mögliche Turbulenzen im Sommer einstellen und entsprechende Absicherungen prüfen.
2. Schwäche bei den Verbraucherausgaben: Unsere größte Sorge für die Ergebnisse des 2. Quartals 2025 – und darüber hinaus – bleibt die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums, die zunehmend auch die Konsumausgaben belastet. Wie wir bereits in unserem Artikel „Konsumausgaben beflügeln das Ertragswachstum“ erläutert haben, gibt es eine enge Korrelation zwischen den Konsumausgaben (PCE) und den Haushaltseinkommen.
„Eine der besten Größen, um künftige Erträge abzuschätzen, sind die privaten Konsumausgaben, da sie fast 70 % der Wirtschaftsleistung ausmachen. Die jährliche Veränderungsrate der erwarteten Unternehmensgewinne folgt dabei erstaunlich genau der jährlichen Veränderungsrate des PCE-Werts.“

Angesichts der jüngsten Schwäche in den Beschäftigungsdaten und des Rückgangs beim PCE steigen die Risiken für die Unternehmensgewinne.
Hinzu kommt: Der Abschwung bei den Erträgen im Energie- und Materialsektor spiegelt die wirtschaftliche Schwäche direkt wider. Im 2. Quartal 2025 sind die Gewinne im Energiesektor im Jahresvergleich um rund 19 % zurückgegangen, während die Materialien-Branche ein Minus von etwa 12 % verzeichnete. Diese Rückgänge sind besonders relevant, da sie eng mit der realen wirtschaftlichen Aktivität verknüpft sind.
Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Signale: Technologie- und Kommunikationsunternehmen – vor allem angesichts ihres hohen Gewichts im Index – stützen die Gesamterträge der Unternehmen. Die anhaltend starke Investitionstätigkeit in den Bereichen KI und Infrastruktur, insbesondere durch die „Magnificent 7“, dürfte zu kräftigem Gewinn- und Umsatzwachstum führen. Ihre Prognosen und Kommentare für das 2. Quartal könnten daher einen Teil der Risiken aus Handelsspannungen und schwächeren Konsumausgaben abfedern.
Positionierung für die Berichtssaison
Bei RIA Advisors haben wir unsere Strategie mit Blick auf die bevorstehenden Q2-Ergebnisse entsprechend angepasst.
Nach der starken Rally an den Märkten seit den Tiefs im April sind die Bewertungen mittlerweile wieder auf technisch überkaufte Niveaus gestiegen. Gleichzeitig ist die Anlegerstimmung in den Bereich „extreme Gier“ zurückgekehrt. Diese Konstellation erhöht das Risiko, dass enttäuschende Unternehmenszahlen stärkere Kursreaktionen auslösen könnten, als es sonst der Fall wäre.


Daher passen wir unser Risikomanagement an: Wir reduzieren die Risiken in Bereichen mit dem größten „Enttäuschungspotenzial“ und erhöhen die Liquiditätsquote leicht. So schaffen wir uns einerseits einen Puffer gegen mögliche Rückschläge und haben andererseits Kapital zur Verfügung, um auf übertriebene Kursreaktionen in strukturell starken Sektoren reagieren zu können.
Unser Fokus liegt dabei auf folgenden Punkten:
(Hinweis: Dies ist keine Empfehlung oder Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren, sondern dient ausschließlich zu Informationszwecken und gibt die Positionierung von RIA Advisors wieder.)
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Fokus auf strukturell starke Sektoren: Wir bleiben bei den Schwergewichten im Bereich Künstliche Intelligenz, wie Microsoft (NASDAQ:MSFT), Nvidia (NASDAQ:NVDA) und Alphabet (NASDAQ:GOOGL). Diese Unternehmen profitieren weiterhin von einem starken Gewinnmomentum, und neue Prognosen zu KI-Investitionen könnten die Stimmung zusätzlich stützen. Umgekehrt meiden wir hochvolatile, zyklische Aktien, die bei handelspolitischen Turbulenzen stärker unter Druck geraten könnten.
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Ausrichtung auf defensive, dividendenstarke Titel: Da die Bewertungen am Aktienmarkt trotz nachlassender Konjunkturaussichten hoch bleiben, setzen wir verstärkt auf defensive Segmente mit niedriger Volatilität und soliden Dividenden, etwa Konsumgüter oder Versorger (NYSE:XLU). Zu den Kernpositionen unseres Portfolios zählen unter anderem Procter & Gamble (NYSE:PG), Berkshire Hathaway (NYSE:BRKa), RTX und Visa (NYSE:V).
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Nicht nur auf die Zahlen, sondern auch auf den Ausblick achten: Unternehmen könnten ihre Prognosen zurückziehen oder sich vorsichtiger äußern. Im letzten Quartal haben etwa 4 % der S&P 500-Unternehmen aufgrund von Zollunsicherheiten ihre EPS-Guidance zurückgezogen. Bei den Q2-Calls wird es entscheidend sein, genau auf die Einschätzungen zyklischer, diskretionärer und defensiver Unternehmen zur gesamtwirtschaftlichen Lage zu achten, um mögliche negative Trends frühzeitig zu erkennen.
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Mit positiven Überraschungen rechnen, aber realistisch bleiben: Historisch schlagen 75–77 % der S&P 500-Unternehmen die Konsensschätzungen – ein Effekt der zuvor oft kräftigen Schätzungsanpassungen. Auch diesmal ist eine hohe „Beat-Rate“ möglich, besonders in den Bereichen Technologie (MSFT, NVDA), Gesundheit (AbbVie (NYSE:ABBV), Eli Lilly (NYSE:LLY)) und Kommunikation (Meta Platforms (NASDAQ:META), Alphabet).
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US- statt internationaler Schwerpunkt: Die USA bleiben der Motor des globalen Gewinnwachstums. Während viele Zentralbanken weltweit die Zinsen senken, um schwaches Wachstum zu stützen, bleiben US-Unternehmen – vor allem wegen ihrer führenden Rolle im Bereich KI – ein attraktives Ziel für globale Investoren. Das erklärt auch die deutliche Outperformance der US-Märkte gegenüber internationalen Märkten in den letzten 15 Jahren – ein Trend, der sich aus heutiger Sicht kaum umkehren dürfte.

Fazit
Die Berichtssaison für das 2. Quartal 2025 zeichnet ein vorsichtigeres Bild: Das Gewinnwachstum verlangsamt sich, die Schätzungen wurden stärker als üblich gekürzt, und auch die Unternehmensprognosen dürften diese Tendenz widerspiegeln. Dennoch bleiben die fundamentalen Aussichten solide – insbesondere in den Bereichen Technologie, Kommunikation und defensive Sektoren. Historisch überwiegen positive Überraschungen meist die negativen, was bei stabilen makroökonomischen Rahmenbedingungen weiteres Aufwärtspotenzial eröffnet.
Unsere größte Sorge bleibt jedoch der nachlassende Wachstumstrend in den Wirtschaftsdaten. Zusammen mit steigenden Zahlungsausfällen, wachsenden Kreditrisiken und sinkendem Konsum deutet dies darauf hin, dass die Geldpolitik aktuell zu restriktiv sein könnte – und dass die US-Notenbank mit Zinssenkungen im Rückstand ist. Wie wir kürzlich festhielten:
„Das birgt die Gefahr einer politischen Fehlsteuerung: Wenn die Fed auf eine Inflation wartet, die nicht eintritt, könnte sie die Realzinsen zu lange zu hoch halten – so wie sie nach der Pandemie zu lange zu niedrig waren. Die Folgen könnten gravierend sein.“
In der kommenden Woche, wenn die Berichtssaison richtig Fahrt aufnimmt, sollten Anleger den Fokus auf Qualität legen, defensive Einkommensquellen abwägen, den Ton der Unternehmensprognosen genau verfolgen und gegebenenfalls mit abgesicherten Positionen arbeiten. Eine ausgewogene Strategie – mit einem klaren Schwerpunkt auf KI-getriebenem Wachstum und gleichzeitig einer konservativen Ausrichtung – dürfte das Risiko-Ertrags-Profil vor potenziell marktbewegenden Unternehmensmeldungen optimal austarieren.

