Zinsen, Bonds, Börse: Entscheidet 2026 der Anleihemarkt alles?

Veröffentlicht am 28.12.2025, 11:11

Es ist schwierig, wenn nicht gar unmöglich, die Bewegungen an den Aktienmärkten eindeutig auf einzelne Faktoren zurückzuführen. Der Rückgang der Zinssätze dürfte in diesem Jahr jedoch einen wesentlichen Beitrag zum Aufschwung der Aktienmärkte geleistet haben. Eine zentrale Frage mit Blick auf 2026 lautet daher: Hält dieser Rückenwind an?

Vor diesem Hintergrund lohnt sich ein Blick auf die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen - möglicherweise den wichtigsten Zinssatz weltweit, da er eine Vielzahl von Kredit- und Finanzierungsbedingungen beeinflusst. Zwar war die Rendite im Zehnjahresbereich im Jahr 2025 zeitweise von deutlichen Schwankungen geprägt, der Rückblick auf das Gesamtjahr zeigt jedoch einen klaren Abwärtstrend.

Tageschart Renditen 10-jährige US-Treasuries

Trotz zahlreicher Risikofaktoren - von zollbedingtem Inflationsdruck bis hin zu Sorgen über das steigende Haushaltsdefizit der US-Regierung - dürfte die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen zum Jahresende 2025 deutlich unter ihrem Niveau zu Jahresbeginn liegen. Am Freitag, den 19. Dezember, lag sie bei 4,14 %, nachdem sie im Januar noch einen Höchststand von rund 4,80 % erreicht hatte. Die Erwartung einer nachlassenden Konjunkturdynamik trägt maßgeblich zu diesem Trend bei.

Auch die geldpolitische Ausrichtung der US-Notenbank hat unterstützend gewirkt. Zwar besitzt die Fed nur begrenzten, mitunter sogar keinen direkten Einfluss auf das lange Ende der Zinskurve, doch die drei Zinssenkungen in diesem Jahr haben dazu beigetragen, die Stimmung am Anleihemarkt zu stabilisieren.

Ein weiterer positiver Faktor für Bonds ist das bislang Ausbleiben klarer inflationärer Effekte infolge der Zollerhöhungen. Während viele Ökonomen mit einem deutlichen Anstieg des Preisdrucks gerechnet hatten, lassen die offiziellen Daten bislang keinen eindeutigen Zusammenhang erkennen. Die in der vergangenen Woche veröffentlichte - verspätete - Verbraucherpreisstatistik für November zeigt, dass die Inflation nach den höheren Zöllen nicht weiter angezogen hat. Laut Regierungsangaben bewegte sich die Inflation im Jahr 2025 weitgehend stabil in einer Spanne zwischen 2,5 % und 3,0 %. Auch wenn dieser Wert weiterhin über dem Inflationsziel der Fed von 2 % liegt, verdeutlichen die Daten, dass sich der Preisdruck in diesem Jahr insgesamt als vergleichsweise konstant erwiesen hat.

VPI-Daten USA

Skeptiker geben jedoch zu bedenken, dass die Novemberdaten des VPI möglicherweise zu positiv ausfallen. „Es ist schwierig, aus den Inflationsdaten für November belastbare Schlüsse zu ziehen. Der Shutdown hatte eindeutig einen erheblichen Einfluss auf die Datenerhebung“, schrieb Heather Long, Chefökonomin der Navy Federal Credit Union, in einer Mitteilung an Investoren.

Unabhängig von der Verlässlichkeit der Daten scheint der Anleihemarkt die Einschätzung zu teilen, dass sich die Inflation derzeit in einer Spanne von 2,5 % bis 3,0 % bewegt. Selbst die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihen – die inflationssensitivste Laufzeit entlang der Zinskurve - zeigte sich zuletzt vergleichsweise stabil. Zwar ist sie in den vergangenen zwei Monaten um rund 30 Basispunkte gestiegen, bewegt sich im Jahresverlauf jedoch weiterhin in einer mittleren Bandbreite und schloss am Freitag bei 4,82 %.

Tageschart Renditen 30-jährige US-Treasuries

Auch die impliziten Inflationsprognosen am Markt für Staatsanleihen zeigen sich stabil und bewegen sich nur leicht oberhalb des Inflationsziels der Fed von 2 %. Aus Sicht dieses Marktsegments scheinen sich die Anleger kurzfristig kaum Sorgen über ein erhöhtes Inflationsrisiko zu machen.

5- und 10-Jahres-Inflationsprognosen

Die Inflationserwartungen der Verbraucher liegen zwar weiterhin deutlich über dem Ziel der Fed, zeigen zuletzt jedoch erste Anzeichen einer Entspannung. Darauf deutet eine aktuelle Umfrage der University of Michigan in diesem Monat hin.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Umfrage der New York Fed zu den Verbrauchererwartungen. Demnach blieb der Median der Inflationserwartungen mit Blick auf die kommenden zwölf Monate unverändert bei 3,2 %.

Unklar bleiben derweil die Markterwartungen hinsichtlich weiterer Zinssenkungen der Fed im neuen Jahr. Die Fed-Funds-Futures signalisieren derzeit eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Leitzinsen auf der FOMC-Sitzung im Januar unverändert bleiben. Die Aussichten für eine Zinssenkung im März werden hingegen deutlich positiver eingeschätzt.

Den Anleihemarkt bei Laune zu halten - oder zumindest zu beruhigen - dürfte für den Aktienmarkt im Jahr 2026 von zentraler Bedeutung sein. „Ein moderater Verbraucherpreisindex würde zeigen, dass sich die Fed stärker auf den Arbeitsmarkt konzentriert. Das wiederum bedeutet, dass die Fed die wirtschaftlichen Risiken zunächst hintanstellt“, schrieb Tom Lee, Leiter der Forschungsabteilung bei Fundstrat, in einer Notiz aus der vergangenen Woche. „Mit anderen Worten: Wenn die Fed zunehmende Abwärtsrisiken für die Wirtschaft sieht, kommt der sogenannte Fed-‚Put‘ ins Spiel - und das spricht für steigende Aktienkurse.“

Der Anstieg des Aktienmarktes seit der Ankündigung höherer Zölle durch Präsident Donald Trump im April steht dabei in engem Zusammenhang mit dem Rückgang der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen.

SPX - Tageschart

Auch wenn niemand die Zukunft vorhersagen kann, dürfte die Entwicklung der Staatsanleiherenditen im Jahr 2026 einen langen Schatten auf den Aktienmarkt werfen.

Derzeit scheinen sich die Märkte mit der Annahme arrangiert zu haben, dass sich die Renditen innerhalb einer bestimmten Bandbreite bewegen. Die zentrale Aufgabe im neuen Jahr wird darin bestehen, die eingehenden Konjunktur- und Marktdaten genau zu verfolgen und zu beurteilen, ob eine Neubewertung des Bondmarkt-Szenarios erforderlich ist.

Die Entwicklung am Aktienmarkt bleibt jedenfalls eng mit dem Anleihemarkt verknüpft. Zwar müssen die Renditen nicht weiter fallen, um die Aktienmärkte zu stützen, doch dürfte die Stimmung am Bondmarkt im kommenden Jahr ein entscheidender Faktor für die Richtung der Aktienmärkte sein.

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