Zwischen Zahlen und Zweifel: Nvidia bleibt weiter unterbewertet

Veröffentlicht am 02.06.2025, 07:50

Obwohl China eine größere Belastung darstellte als zunächst angenommen, lag Nvidias Gesamtprognose für das zweite Quartal im Rahmen der Erwartungen der Sell Side – und sogar 2 bis 3 Mrd. USD über den Prognosen der Buy Side. Insgesamt ergibt sich daraus eine Differenz von mehr als 5 Mrd. USD.

Bemerkenswert ist, wie herausfordernd die erste Hälfte des Geschäftsjahres 2025 für Nvidia (NASDAQ:NVDA) verlaufen ist. Für die zweite Jahreshälfte rechnet man jedoch mit deutlich stärkeren Ergebnissen. Vor diesem Hintergrund könnten die aktuellen Zahlen als eine Art Untergrenze für die weitere Entwicklung der Aktie dienen – was für viele Anleger wohl bedeutet: Rücksetzer werden als Kaufgelegenheiten genutzt.

CEO Jensen Huang hat zuletzt auf mehrere Entwicklungen hingewiesen, die seiner Meinung nach die Nachfrage in den kommenden Quartalen weiter antreiben dürften:

  • Denkmodelle wie DeepSeek, die als echter Gamechanger gelten

  • Die Aufhebung der sogenannten KI-Diffusionsregel

  • Der zunehmende Einsatz agentenbasierter KI

  • Und der wachsende Bereich der industriellen KI

Diese Trends bestärken auch das Management in seiner Überzeugung, dass der aktuelle Aufwärtstrend nicht nur kurzfristig ist, sondern auf einem soliden Fundament steht.

Jensen Huang zog zudem einen interessanten Vergleich: So wie im 19. Jahrhundert massive Investitionen in die Infrastruktur notwendig waren, um Elektrizität breit verfügbar zu machen, brauche es heute eine ähnliche Anstrengung, um KI auf das nächste Level zu heben. Die Möglichkeiten der generativen KI wurden bereits eindrucksvoll demonstriert – doch um echte, nachhaltige Veränderungen in der Industrie zu erreichen, ist eine neue Welle an Investitionen erforderlich.

China belastet die Ergebnisse – aber der Blick geht nach vorn

Für das zweite Quartal rechnet Nvidia mit einer Belastung aus dem China-Geschäft in Höhe von rund 8 Mrd. USD – deutlich mehr als die Analystenschätzungen, die bei etwa 5 Mrd. USD lagen.

Wichtig ist dabei: In der aktuellen Prognose macht das Unternehmen keine Angaben zu möglichen Verkäufen von KI-Chips nach China. Das heißt, jede positive Entwicklung in diesem Bereich – etwa durch regulatorische Klarheit oder Ausnahmeregelungen – würde zusätzliche Umsätze bedeuten, die bisher nicht eingepreist sind.

Nvidia sieht in China langfristig einen adressierbaren Gesamtmarkt (TAM) von rund 50 Mrd. USD – vorausgesetzt, es entsteht ein verlässlicher regulatorischer Rahmen.

CEO Jensen Huang äußerte sich zuletzt optimistisch: Er glaubt, dass sich die aktuelle US-Regierung auf globale KI-Führung konzentriert. Gleichzeitig bleiben die Nachrichten rund um China wechselhaft. Deshalb ist ein möglicher Aufschwung in diesem Markt eher als Option zu verstehen – nicht als fester Bestandteil der aktuellen Prognosen.

Prozentualer Anteil Chinas am Umsatz von Nvidia

Zur Einordnung: In den letzten Quartalen stammten zwischen 10 und 15 % von Nvidias Gesamtumsatz aus dem China-Geschäft – vor den Exportbeschränkungen lag der Anteil sogar bei über 20 %.

Das zeigt, welches beträchtliche Aufwärtspotenzial besteht, sollte sich der chinesische Markt wieder öffnen oder zumindest teilweise zugänglich werden.

Positionierung entlang der KI-Wertschöpfungskette – Erinnerungen an 2022

Aktuell zeigen sich viele Anleger beim Thema KI etwas zurückhaltender. Während 2023 und Anfang 2024 die Gewinne deutlich über den Erwartungen lagen, fielen die Ergebnisse in den letzten beiden Quartalen eher im Rahmen des Erwarteten oder nur leicht darüber aus.

Die Euphorie ist also etwas abgeklungen – doch die strategische Aufstellung entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette erinnert stark an die Dynamik aus dem Jahr 2022.

Kursentwicklung der Nvidia-Aktie vs. Wettbewerber

Die Aktien aus diesem Segment haben sich entsprechend schwach entwickelt – viele Tech-Werte stagnierten im Jahr 2025 oder mussten sogar spürbare Verluste hinnehmen.

Was ist der Grund für diese Skepsis?

Die gängige Meinung unter Anlegern lautet derzeit: Alle Unternehmen verlieren Marktanteile. Doch nach den jüngsten Ergebnissen von Nvidia legte dessen Aktie deutlich zu – während die breitere KI-Wertschöpfungskette kaum reagierte. Die Stimmung hat sich in den vergangenen Monaten mehrfach gewendet:

  • Ende letzten Jahres hieß es: Nvidia verliert Anteile an spezialisierte Chips (ASICs).

  • Inzwischen: ASICs und Netzwerksysteme verlieren Marktanteile an Nvidia.

  • Und immer wieder: AMD (NASDAQ:AMD) verliert Marktanteile – an so gut wie alle anderen.

Aber: In einem wachsenden Markt können nicht alle Unternehmen Marktanteile verlieren. Viel wahrscheinlicher ist, dass neue Produkte schlicht mehr Zeit brauchen, um sich durchzusetzen – was kurzfristig Sprünge bei Umsatz und Gewinn erschwert.

Ein Beispiel: Die Einführung von Nvidias H100 war ein durchschlagender Erfolg – Kunden konnten den Grafikprozessor problemlos in bestehende Infrastrukturen integrieren, ganz im Sinne von „Plug & Play“. Der Übergang zur neuen Generation „Blackwell“ ist jedoch deutlich anspruchsvoller. Vor allem das GB200-System, das besonders gefragt ist, erfordert häufig eine komplett neue Infrastruktur – und das verzögert die breite Einführung.

Auch AMD ist mit dem „Milano“-Grafikprozessor erfolgreich in den Markt gestartet, doch das Unternehmen braucht Zeit, um Skalierung und Akzeptanz voranzutreiben. Viele potenzielle Kunden zögern noch, da der Wechsel weg von CUDA mit zusätzlichem Aufwand verbunden ist.

Und auch bei ASICs gab es zuletzt große Erwartungen – nicht zuletzt, weil der CEO von Broadcom (NASDAQ:AVGO) angekündigt hat, dass maßgeschneiderte Chips bis 2030 den Cloud-Markt dominieren werden. Nur: Jetzt müssen erst einmal die passenden Kunden gefunden werden.

Wir gehen davon aus, dass Nvidia in der Lage sein wird, sich entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette noch stärker zu positionieren – vor allem, wenn die Blackwell-Systeme in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 auf den Markt kommen. Ein ähnliches Muster haben wir bereits 2022 gesehen.

 Wertschöpfungskette von KI-Rechenzentren

Per Saldo lässt sich sagen: Angst und Unsicherheit führen immer wieder zu deutlichen Ausschlägen am Markt – und genau daraus entstehen Kaufgelegenheiten. Besonders bei einigen der qualitativ hochwertigsten Unternehmen entlang der Rechenzentrums-Wertschöpfungskette eröffnen sich dadurch attraktive Chancen bei Kursrücksetzern.

Die zweite Jahreshälfte dürfte spannend werden – und voller Potenzial.

Aktuelle Kommentare

Kursziel 70$ ich bin short
Bekleyen beklermis, beklemekden gebermis! ;-) NV wird niemals auf 70 fallen: Keine Chance!
du kannst bei 90€ mit Profit raus
du kannst offensichtlich keine Bilanzen lesen und von Charttechnik hast du anscheinend auch keine Ahnung 😂
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