Airline-Aktien im Steigflug: Saisonaler Rückenwind zum Jahresende

Veröffentlicht am 12.09.2025, 07:20

Der Herbst hat Süd-Zentral-Texas noch nicht erreicht – zumindest lassen die Temperaturen nichts davon spüren. Doch die Jahreszeit ist traditionell mit einem besonderen Phänomen verbunden: einer stärkeren Performance bei Airline-Aktien.

Ein Blick auf die vergangenen 20 Jahre zeigt: Fluggesellschaften schneiden im letzten Quartal oft besser ab. Der NYSE Arca Global Airlines Index legte allein im Oktober im Schnitt um mehr als 3 % zu – und im November war die Entwicklung in der Regel sogar noch stärker. Im Dezember kamen dann durchschnittlich weitere rund 3 % hinzu. Laut Daten der Bank of America übertraf die Branche den S&P 500 in drei der letzten sechs Monate des Jahres – konkret im September, Oktober und November.

Airline Aktien

Vor diesem Hintergrund könnte jetzt ein guter Zeitpunkt sein, das Engagement im globalen Airline-Sektor zu überprüfen. Weitere Informationen gibt es auf Anfrage per E-Mail an info@usfunds.com

Restrukturierung und Konsolidierung prägen weiterhin die US-Luftfahrt

Vielleicht hast du es diese Woche schon in den Schlagzeilen gesehen: Spirit Airlines hat zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres Insolvenz angemeldet.

Für manche Beobachter ist das ein Hinweis darauf, dass das Ultra-Low-Cost-Carrier-Modell (ULCC), das Spirit maßgeblich mitgeprägt hat, vor dem Ende stehen könnte.

Branchenkenner sehen das allerdings anders – für sie ist es nur ein weiteres Kapitel in der bekannten Geschichte von Anpassung, Restrukturierung und Konsolidierung im US-Luftverkehr.

Zwischen 2002 und 2007 meldeten mehrere große Airlines Insolvenz an. Dazu gehörten US Airways, das gleich zweimal innerhalb von drei Jahren restrukturierte, United Airlines, das ganze vier Jahre unter Gläubigerschutz stand, sowie Northwest Airlines und Delta Air Lines, die 2005 Insolvenz anmeldeten und zwei Jahre später zurückkehrten.

Die Phase war schmerzhaft, aber notwendig. Die Fluggesellschaften reduzierten ihre Schulden, handelten Arbeitsverträge neu aus und modernisierten ihre Flotten.

Zudem erschlossen sie neue Einnahmequellen. Zusatzgebühren – etwa für Gepäck, Sitzplatzänderungen oder Snacks – waren anfangs verpönt, entwickelten sich dann aber zu einem wichtigen Profit-Center.

Als die Finanzkrise kam, waren die Airlines dadurch deutlich schlanker und widerstandsfähiger aufgestellt. US Airways fusionierte 2005 mit America West, Delta übernahm 2008 Northwest. So entstand die heutige Wettbewerbslandschaft, die von vier großen Airlines dominiert wird – gefolgt von Alaska Airlines, die erst im vergangenen Jahr Hawaiian Airlines übernommen hat und damit inzwischen rund 6 % des US-Inlandsmarkts kontrolliert.

USAirlines

Kann das ULCC-Modell überleben?

Natürlich lässt sich die aktuelle Lage von Spirit kaum beschönigen. Erst im März kam die Airline aus dem Chapter-11-Verfahren heraus, nachdem rund 1,6 Milliarden US-Dollar Schulden restrukturiert worden waren – nur um im August erneut Insolvenz anmelden zu müssen.

Dabei sollte man nicht vergessen: Spirit galt einst als Vorzeigemodell für das ULCC-Prinzip. Wenig Komfort, fest verbaute Sitze, Gebühren selbst für Handgepäck und à-la-carte-Preise – so konnte die Airline extrem günstige Tickets anbieten und preissensible Kunden gewinnen. Die Nebeneinnahmen entwickelten sich dabei zur zentralen Ertragsquelle. Laut Daten von IdeaWorks kamen 2024 fast 59 % der gesamten Einnahmen von Spirit allein aus diesen Zusatzleistungen – ein Wert, der die Airline weltweit an die Spitze setzte.

Top 10 Airlines

Die „Nickel-and-Diming“-Kritik

Doch in den USA gerät das Modell zunehmend unter Druck. Viele Kunden haben genug davon, an jeder Stelle zusätzlich zur Kasse gebeten zu werden. Gleichzeitig haben die großen Airlines nachgezogen – mit eigenen „Basic Economy“-Tarifen, die gezielt gegen die Billigkonkurrenz positioniert sind. Bill Franke, Aufsichtsratsvorsitzender von Frontier und einer der Architekten der ULCC-Strategie, räumte kürzlich selbst ein: „Das ursprüngliche Ultra-Low-Cost-Modell ist in den USA endgültig Geschichte.“

Das bedeutet jedoch nicht, dass das Konzept weltweit keine Zukunft hätte. In Europa, Lateinamerika oder Asien funktioniert es weiterhin ausgesprochen gut. Dort wachsen und verdienen Airlines wie Ryanair, Wizz Air oder Volaris kräftig. In den USA dagegen – mit höheren Kundenerwartungen und etablierten Wettbewerbern – ist der Weg deutlich steiniger.

Flugreisen erreichen neue Rekorde

Gleichzeitig darf man eines nicht übersehen: Die Nachfrage nach Flugreisen boomt wie selten zuvor.

Die TSA (Transportation Security Administration) meldete in diesem Sommer Rekordwerte bei den Passagierkontrollen. Allein am Labor-Day-Wochenende passierten fast 10,4 Millionen Menschen die Sicherheitskontrollen – ein Plus von 3,3 % gegenüber dem Vorjahr. Acht der zehn verkehrsreichsten Tage in der gesamten, inzwischen zwei Jahrzehnte langen TSA-Geschichte fielen auf diesen Sommer.

Auch international ziehen die Zahlen an. Im Juli stieg das Passagieraufkommen laut IATA (International Air Transport Association) um 4 % im Jahresvergleich. Besonders stark wuchs der internationale Verkehr mit einem Plus von 5,3 %. Und in den USA erreichten die sogenannten „Travel Exports“ – also die Ausgaben ausländischer Besucher – im ersten Halbjahr 2025 einen Rekordwert von 126,9 Milliarden US-Dollar.

Labor Day Weekend

Unternehmensinsolvenzen steigen auf Höchststand seit der Finanzkrise

Natürlich darf man die gesamtwirtschaftliche Lage nicht ausblenden. Auch Spirits Probleme hängen mit den gestiegenen Zinsen zusammen. Nach Jahren extrem niedriger Finanzierungskosten zog die US-Notenbank (Fed) ab 2022 deutlich an und hob den Leitzins zeitweise auf über 5 %. Die Folge: Unternehmensinsolvenzen stiegen auf das höchste Niveau seit 2010.

Fluggesellschaften – wie alle kapitalintensiven Branchen – sind stark auf Fremdkapital angewiesen. Höhere Zinsen treiben die Finanzierungskosten nach oben und drücken auf die Margen.

Allerdings stehen die großen Airlines heute wesentlich stabiler da als Anfang der 2000er: mit solideren Bilanzen, größeren Rücklagen und moderneren Flotten.

Zudem senkte die Fed Ende vergangenen Jahres den Leitzins um einen vollen Prozentpunkt und hat ihn bislang 2025 stabil gehalten. Zusammen mit der rückläufigen Inflation dürfte das den Druck auf die Unternehmen in nächster Zeit etwas mildern.

Airlines stocken Kapazitäten für den Winter auf

Spirits Insolvenz sollte daher nicht als Warnsignal für die gesamte Branche verstanden werden. Vielmehr zeigt sie, dass sich der Markt weiter konsolidiert und effizienter wird.

Die bevorstehende Wintersaison dürfte sogar eine der stärksten überhaupt werden. United, Frontier und andere Anbieter haben bereits zusätzliche Kapazitäten auf wichtigen Freizeitrouten nach Orlando, Las Vegas und Fort Lauderdale angekündigt.

Für langfristig orientierte Anleger ist das eine attraktive Ausgangslage.

Spirit mag ins Straucheln geraten sein – doch die Branche insgesamt befindet sich heute in einer ganz anderen Position als noch vor 20 Jahren. Ich habe dieses „Drama“ schon früher erlebt und erkenne das Muster: Am Ende stehen stärkere Airlines und neue Chancen für Investoren, die Geduld mitbringen.

Alle hier genannten Meinungen und Daten können sich jederzeit ohne Vorankündigung ändern. Nicht jede Einschätzung ist für jeden Anleger geeignet. Über die angegebenen Links gelangst du zu externen Webseiten; U.S. Global Investors unterstützt oder verantwortet deren Inhalte nicht.

Der S&P 500 ist ein marktkapitalisierungsgewichteter Index aus 500 der größten börsennotierten US-Unternehmen. Der NYSE Arca Global Airline Index ist ein gleichgewichteter Index, der die Performance großer, liquider internationaler Fluggesellschaften misst.

Bestände können sich täglich ändern; Angaben werden jeweils zum Quartalsende veröffentlicht. Zum Stichtag (06/30/2025) hielten von U.S. Global Investors verwaltete Portfolios unter anderem die folgenden im Artikel erwähnten Titel: Delta Air Lines Inc., Alaska Air Group Inc., United Airlines Holdings Inc., American Airlines Group Inc., Southwest Airlines Co., Frontier Group Holdings Inc., Pegasus Hava Tasimaciliği AS, easyJet PLC, Allegiant Travel Co. und Ryanair Holdings PLC.

Alle Meinungen und Daten können sich ohne Vorankündigung ändern. Manche Einschätzungen sind nicht für jeden Anleger geeignet. Externe Links führen zu Drittanbietern, für deren Inhalte U.S. Global Investors keine Verantwortung übernimmt.

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