Rückblickend hat sich die Aktie von Cisco Systems (NASDAQ:CSCO) als solide, wenn auch wenig spektakuläre Anlage erwiesen. Über einen Zeitraum von zehn Jahren entsprach die Rendite, einschließlich Dividenden, fast genau der des S&P 500, nämlich etwa 13 % auf Jahresbasis. In letzter Zeit hat die Performance jedoch abgenommen: Mit einer Rendite von 5,3 % über drei Jahre und 8,2 % über fünf Jahre schnitt Cisco schlechter ab als der Index. Darin enthalten ist ein Rückgang von 22 % seit Jahresbeginn (wiederum einschließlich Dividenden).
Die abnehmenden Renditen und die schwache Performance im Jahr 2022 machen sowohl die potenziellen Chancen als auch die potenziellen Risiken deutlich. Nach dem Rückgang ist CSCO etwas preiswerter und wird zu einem Gewinnmultiple gehandelt, das relativ wenig Wachstum von diesem Punkt an impliziert. Der Titel wird jedoch gerade deshalb günstiger gehandelt und ist in den letzten Jahren hinter anderen Tech-Unternehmen zurückgeblieben, weil er selbst in vermeintlich guten Zeiten nicht viel Wachstum generiert hat.
Zwischen dem Geschäftsjahr 2019 und 2022 stieg der adjustierte Nettogewinn von Cisco um gerade mal 1,4 % - insgesamt. Im Wesentlichen stammte dieser bescheidene Anstieg aus geringeren Zinsaufwendungen.
So billig, wie CSCO im Moment ist, ist eine solche Performance nicht gut genug. Die gute Nachricht ist jedoch, dass Cisco selbst eine Verbesserung am Horizont sieht. Das tun auch die Anleger: Die Aktie hat sich in den letzten Wochen prächtig erholt, unter anderem mit einer Rallye nach dem in diesem Monat vorgelegten Geschäftsbericht für das erste Quartal.
Setzt sich diese Besserung fort, müsste auch die Rallye weitergehen. Zum jetzigen Zeitpunkt steht dahinter allerdings nur ein großes Fragezeichen.
Noch nicht genug
Auf den ersten Blick hat Cisco ein starkes erstes Quartal hingelegt. Der bereinigte Gewinn pro Aktie übertraf die Schätzungen der Analysten. Zudem hob das Unternehmen seine EPS-Prognose für das Gesamtjahr an.
Bei näherer Betrachtung sieht die Sache jedoch nicht mehr ganz so rosig aus. Vor allem beruht die höhere Prognose lediglich auf dem erfreulichen Q1-Ergebnis. Cisco übertraf seinen eigenen Ausblick für das Berichtsquartal um zwei Cent und hob seine Prognose für das Gesamtjahr um den gleichen Betrag an.
Viel wichtiger ist jedoch, dass selbst dieser höhere Ausblick nicht auf eine massive Wachstumsbeschleunigung hindeutet. Der Mittelpunkt der revidierten EPS-Prognose impliziert ein Wachstum von etwa 5,5 % im Jahresvergleich. Doch die Aktienzahl (verwässert) ist im ersten Quartal um etwa 3 % gesunken. Mehr als die Hälfte des prognostizierten Anstiegs des Gewinns pro Aktie kommt daher eher von der geringeren Aktienzahl als von höheren Gesamterträgen.
Da CSCO zum 14-fachen des Mittelpunkts der EPS-Prognose gehandelt wird, erscheint ein Gewinnwachstum von etwa 3 % nicht sonderlich attraktiv. Im Gegenteil, diese Art von Wachstum bringt ein Profil wie das von CSCO mit sich: ein relativ niedriges Gewinnmultiple und eine Dividendenrendite von 3,2 %.
Die langfristigen Aussichten
Damit sich CSCO wieder besser entwickelt als der Markt, wie es nach der Finanzkrise der Fall war, muss sich die Lage also verbessern. Ein wesentlicher Grund für die jüngste Erholung der Aktie ist, dass die Anleger nach dem ersten Quartal mehr Vertrauen in diese Perspektive haben.
Das ist durchaus sinnvoll. Der mehrjährige Plan zur Umstellung auf ein Modell mit wiederkehrenden Einnahmen macht weiterhin Fortschritte. Die Abonnementeinnahmen stiegen im Quartal um 6 % im Vergleich zum Vorjahr und machten 43 % des Gesamtumsatzes aus.
Die Nachfrage scheint intakt zu sein. Der Auftragsbestand "übersteigt weiterhin bei weitem die historischen Werte", wie es in der Q1-Telefonkonferenz hieß.
Und möglicherweise gibt es dank einer Umstrukturierung, die zusammen mit dem Quartal angekündigt wurde, noch etwas Raum für Optimierungen.
Nicht nur der Personalbestand von Cisco wird sinken, sondern das Unternehmen wird auch seinen Immobilienbestand "optimieren" und Büros schließen, um sich besser auf eine hybride Arbeitsumgebung aus Büros und Außenstellen einzustellen.
Der Grund für die Rallye von CSCO nach den Ergebnissen liegt also darin, dass es nicht wirklich um das Quartal ging. Stattdessen zeigt das Quartal Fortschritte in einer breiteren Strategie, die darauf abzielt, das Wachstum des Unternehmens wieder anzukurbeln. Dies wiederum sollte sowohl zu höheren Gewinnen als auch zu einem höheren Multiple führen - eine Kombination, die CSCO deutlich nach oben treiben kann.
Warum Vorsicht geboten ist
Auch hier steckt eine gewisse Logik dahinter. Gerade in einem volatilen Markt könnte die relative Beständigkeit der Geschäftsergebnisse hier reizvoll sein. Der Besitz von CSCO mit einer Dividendenrendite von über 3 % und kontinuierlichen Aktienrückkäufen sowie der Möglichkeit eines beschleunigten Wachstums erscheint wie eine solide Option.
Trotzdem fällt es mir schwer, mich jetzt schon für die Aktie zu begeistern. Zu Jahresbeginn war ich bereits etwas skeptisch mit Blick auf den Turnaround - und auch nach dem ersten Quartal gibt es gute Gründe, an dieser Haltung festzuhalten.
Cisco muss vor allem noch viel beweisen. Der Auftragsbestand ist hoch, ja - aber Cisco hat auch seit geraumer Zeit mit Lieferketten-Problemen zu kämpfen, was der Zahl einen faden Beigeschmack beschert hat.
Die Nachfrage ist intakt, aber auch hier spielt das externe Umfeld eine wesentliche Rolle. Die gleiche Entwicklung hin zu hybriden Arbeitsplätzen, die Ciscos Immobilienoptimierung vorantreibt, treibt auch die Nachfrage nach Netzwerkausrüstung an. Es besteht immer noch das Risiko, dass sich die Ergebnisse von Cisco im Kalenderjahr 2023 abschwächen, wenn die Nachfrage abkühlt und die Auswirkungen der Sparmaßnahmen im IT-Bereich spürbar werden.
Und noch einmal: Die Prognosen deuten noch nicht auf eine nennenswerte Wachstumsbeschleunigung hin. Ebenso wenig bewirkt der Umstrukturierungsplan bis dato eine merkliche Verbesserung. Wie die Unternehmensleitung in der Telefonkonferenz zum ersten Quartal betonte, handelt es sich bei dem Personalabbau nicht um einen riesigen Kosteneinsparungsplan: Die Zahl der Mitarbeiter dürfte Ende 2022 in etwa so hoch sein wie zu Beginn des Jahres.
Im Jahr 2023 steht Cisco also noch eine Menge Arbeit bevor, mit einigen potenziellen Stolpersteinen auf dem Weg zu einem beschleunigten Wachstum. Das erste Quartal von Cisco weist Fortschritte auf, aber es ist nur ein einziges Quartal in einem Prozess, der sich über mehrere Jahre hinziehen wird.
Offenlegung: Vince Martin ist derzeit in keinen der genannten Wertpapiere investiert.