Die Aufgabe der Zentralbank ist bekanntermaßen nie ein Kinderspiel – doch seit Donald Trump im November 2024 erneut ins Weiße Haus eingezogen ist, wird die Situation für die Federal Reserve besonders verzwickt. Neben den üblichen Herausforderungen einer Geldpolitik, die in Echtzeit auf Wirtschaftsdaten reagieren muss, kommt nun eine ganze Flut neuer Anordnungen aus dem Oval Office hinzu. Wie genau Präsident Trumps Pläne das Denken in der Notenbank beeinflussen, ist zwar noch unklar, doch erste Einschätzungen von Wirtschaftsfachleuten deuten bereits auf mögliche Turbulenzen hin.
Torsten Sløk, Chefökonom von Apollo, betont, dass die neuesten Konjunkturzahlen zwar robust wirken, er jedoch mit Blick auf den Arbeitsmarkt besorgt ist: Zum einen könnten Entlassungen und Vertragskürzungen bei DOGE die Anzahl der Arbeitslosenmeldungen nach oben treiben; zum anderen fürchtet er, dass eine dauerhaft hohe politische Unsicherheit Unternehmen dazu verleitet, Investitionen sowie Neueinstellungen zu verschieben.
Stephanie Roth, Chefökonomin bei Wolfe Research, hat eine etwas andere Perspektive. Ihrer Meinung nach sind die beabsichtigten Kündigungen im Staatsapparat, die DOGE angeblich vorantreibt, allein nicht so gravierend, dass sie das gesamte Wirtschaftswachstum ernsthaft aus der Bahn werfen könnten. Die US-Ökonomie, so Roth, sei immer noch robust genug, um solche Schocks zu verdauen.
Inzwischen bekräftigte Präsident Trump gestern, dass ab kommender Woche neue Zölle auf Waren aus Kanada und Mexiko in Kraft treten werden. „Die Zölle kommen wie geplant“, erklärte er kurz und bündig. Zwar steht im Raum, ob dadurch die Inflation kurzzeitig ansteigen könnte, doch Beobachter erwarten für die anstehende Fed-Sitzung am 19. März noch keine Zinsänderung. Immerhin signalisiert auch die Rendite zweijähriger US-Staatsanleihen, derzeit bei 4,18 %, eine insgesamt eher neutrale Haltung des Marktes zur nahen Geldpolitik.
Gleichzeitig notiert dieser Schlüsselzins wieder klar unter dem effektiven Fed-Funds-Satz – ein Hinweis, dass Investoren momentan eine etwas lockerere Gangart der Notenbank einkalkulieren. Ein schlichtes Modell aus Arbeitslosenquote und Verbraucherpreisen lässt zwar darauf schließen, dass die Fed im Januar noch ein wenig zu fest auf der Bremse stand. Doch neue Daten könnten die Sache rasch ändern: Noch diese Woche kommen die PCE-Inflationszahlen für Januar, die laut Analysten moderater ausfallen dürften als der zuletzt „klebrige“ CPI.
Allerdings könnte schon in wenigen Monaten alles wieder veraltet sein: Wenn die möglichen Auswirkungen der DOGE-Maßnahmen und der zusätzlichen Zölle vollständig in der Wirtschaft ankommen, wird die Geldpolitik ihre Wirkung erst mit zeitlicher Verzögerung entfalten können. Genau das ist der Kern des Problems: Während die fiskalpolitischen und regulatorischen Eingriffe aus dem Weißen Haus in hohem Tempo auf die Unternehmen einprasseln, agiert die Federal Reserve traditionell mit langen und variablen Wirkungsverzögerungen. Wie man beides sinnvoll in Einklang bringt, bleibt vorerst das größte Rätsel für Amerikas Währungshüter.