KI-Revolution geht in die nächste Runde – wer jetzt profitiert

Veröffentlicht am 22.07.2025, 07:19

KI-Chips und die Wertschöpfungskette rund um Rechenzentren stehen in der zweiten Jahreshälfte vor einem echten Paukenschlag. Drei zentrale Faktoren treiben diese Entwicklung voran:

1. Die Nachfrage nach Inferenz dürfte schon bald regelrecht explodieren.
2. Blackwell-Systeme erreichen ihre volle Produktionskapazität (GB200/300).
3. Und nun öffnet sich auch noch der chinesische Markt.

In diesem Wochenbericht von Tech Edge schauen wir uns genauer an, was die neuesten Entwicklungen bei den chinesischen Exportregulierungen für den Rechenzentrumsmarkt bedeuten.

Unser Forschungsüberblick hält dich außerdem auf dem Laufenden zu Trends und Investitionen in Dateninfrastruktur, Software und Cybersicherheit.

Hinweis: Dieser Inhalt stellt keine Anlageberatung dar. Die genannten Unternehmen sind möglicherweise nicht in unseren Fonds enthalten.

Rechenzentren stehen am Beginn eines neuen Investitionszyklus

Wer glaubt, der Hype um KI habe bereits seinen Höhepunkt erreicht, sollte sich besser anschnallen. Die wirklich großen Veränderungen kommen erst noch. Bisher lag der Fokus vor allem auf dem Training großer Modelle – doch der eigentliche Game Changer ist die Inferenz: das Anwenden und Ausführen von KI-Modellen. Und genau hier geht die Entwicklung jetzt erst richtig los.

1. Die Nachfrage nach Inferenz steht kurz vor einem exponentiellen Wachstum

Das Training von KI-Modellen lässt sich mit dem Aufbau eines Spitzensportlers vergleichen: Es erfordert Zeit, Ressourcen und enorme Energie. Doch der eigentliche Mehrwert zeigt sich erst, wenn dieser Athlet aufs Spielfeld geht und Leistung bringt. Genauso verhält es sich mit KI – sobald die Modelle trainiert sind, müssen sie auch angewendet werden. Genau das bezeichnet man als Inferenz.

Unternehmen aus nahezu allen Branchen beginnen jetzt, KI in ihre Prozesse zu integrieren. Die Nachfrage nach Chips, die diese Inferenz ermöglichen, dürfte in den kommenden Monaten und Jahren regelrecht durch die Decke gehen. Besonders spannend sind dabei KI-Agenten, die in vielen Endmärkten als Treiber dieser Entwicklung wirken. Einige Beispiele:

  • Browser mit integrierten KI-Agenten: Unternehmen wie OpenAI und Perplexity entwickeln Browser, in denen KI-Agenten direkt eingebettet sind. Surfen 2.0 könnte man das nennen.

  • Cybersicherheit auf neuem Level: Sicherheitsfirmen setzen KI-Agenten ein, die riesige Datenmengen auswerten und helfen, Cyberbedrohungen zu stoppen, bevor sie überhaupt entstehen.

  • Vertrieb und Marketing im Umbruch: CRM-Anbieter nutzen KI-Agenten, die Leads generieren, Markttrends erkennen und hochgradig personalisierte Marketingstrategien entwerfen.

Jeder dieser Bereiche könnte in den nächsten drei bis fünf Jahren ein Marktpotenzial von mehr als 30 Milliarden US-Dollar erreichen. Das ist kein Tropfen auf den heißen Stein – das ist eine Flutwelle.

2. Blackwell-Systeme erreichen die volle Produktionskapazität

Stell dir vor, du bekommst ein neues Auto – schneller, effizienter und mit Features, die du dir vorher kaum vorstellen konntest. Genau so fühlt es sich mit Nvidias neuester Chip-Generation an: der Blackwell-Architektur (GB200/300). Diese Chips sind speziell für KI-Anwendungen entwickelt und optimiert – sowohl fürs Training als auch für die Inferenz.

Warum ist das so bedeutsam? Im Vergleich zur Vorgängergeneration (Hopper) sind die Blackwell-Chips noch komplexer und leistungsfähiger. Sie kommen in völlig neuen Rechenzentren zum Einsatz, die eigens für diese Technologie gebaut werden. Ab der zweiten Hälfte des Jahres 2025 soll die Auslieferung richtig an Fahrt gewinnen und massive Investitionen bei großen Cloud-Anbietern und Unternehmen auslösen.

Die ersten Ankündigungen dieser nächsten Investitionswelle sehen wir bereits – unter anderem von Schwergewichten wie Meta (NASDAQ:META), Google (NASDAQ:GOOGL) und Amazon (NASDAQ:AMZN). Und das dürfte erst der Anfang sein. Mehr Details dazu gibt es in unserem Tech Edge nächste Woche.

3. Und jetzt... ist China zurück im Spiel

Es gibt Neuigkeiten, die die gesamte Branche in Aufruhr versetzen: Nvidia (NASDAQ:NVDA) und AMD (NASDAQ:AMD) haben Exportlizenzen für den H20 erhalten – einen von Nvidias leistungsstärksten KI-Chips für Rechenzentren, der bislang nicht nach China verkauft werden durfte. Das ist eine echte Wende, denn noch vor wenigen Monaten sah die Lage völlig anders aus.

Nvidia hatte damals prognostiziert, dass die Umsätze in China – im vergangenen Jahr über 17 Milliarden US-Dollar – praktisch auf null fallen würden. Angesichts der US-Exportkontrollen schien das unvermeidlich. Doch mit der aktuellen Entscheidung hat sich das Blatt gewendet.

Warum ist die Aufhebung der Exportbeschränkungen so bedeutend? Um es mit den Worten von Nvidias CEO Jensen Huang zu sagen: „Wenn die USA nicht in China aktiv sind, hat Huawei China abgedeckt.“

Weder für die US-Regierung noch für Investoren ist dieses Szenario attraktiv. Die jüngste Entwicklung zeigt, dass die Regulierungsbehörden offenbar beginnen zu erkennen: Ein kompletter Rückzug vom chinesischen KI-Markt ist keine tragfähige Strategie.

China in % des Umsatzes von Nvidia

Sowohl Nvidia als auch AMD hatten zuvor erhebliche Mengen an China-spezifischen Beständen abgeschrieben – 4,5 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 800 Millionen US-Dollar – in der Annahme, dass diese Chips nie verkauft werden könnten. Doch nun hat sich das Blatt gewendet.

Sollten diese Chips tatsächlich wieder in den Verkauf gehen, rechnen wir kurzfristig mit einem positiven Effekt auf die Margen. Der Grund: Die Bestände wurden bereits abgeschrieben, bringen aber jetzt zusätzlichen Umsatz.

Und die größere Implikation? Wir könnten an der Schwelle zu einer neuen Phase stehen – einer ausgewogeneren und technologisch fundierteren Regulierung, in der US-Unternehmen wieder stärker Gehör finden.

Wer profitiert davon?

Während Nvidia und AMD die offensichtlichen Gewinner dieser Entwicklung sind, profitieren auch andere Teile der Wertschöpfungskette von KI-Rechenzentren. Der positive Effekt zieht sich durch die gesamte Branche:

Wertschöpfungskette von KI-Rechenzentren

Kurz gesagt: Der KI-Boom hat gerade den nächsten Gang eingelegt. Als Investor ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die eigene Strategie entsprechend auszurichten. Die Zeichen stehen klar auf Wachstum – und die Chance, am nächsten Investitionszyklus teilzuhaben, war selten so greifbar wie heute.

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